3.439 Menschen suchten 2024 Hilfe bei der Diakonie Sachsen. Die Wohnungsnot bleibt im Freistaat auf hohem Niveau.
Radebeul, 09.09.2025 – Zum bundesweiten Tag der Wohnungslosen am 11. September veröffentlicht die Diakonie Sachsen ihren aktuellen Bericht der Wohnungsnotfallhilfe. 2024 suchten 3.439 Menschen in Sachsen Unterstützung bei diakonischen Angeboten. Die Zahl bleibt damit auf einem hohen Niveau (2023: 3.601). Rund die Hälfte der Ratsuchenden war von Wohnungslosigkeit bedroht, die andere Hälfte lebte in Notunterkünften, auf der Straße oder vorübergehend bei Bekannten.
„Die Zahlen sind alarmierend. Wohnungsnot ist längst kein Randphänomen mehr, sondern betrifft Menschen in allen Lebenslagen – von jung bis alt. Wir fordern die Politik auf, endlich wirksame Maßnahmen umzusetzen und Wohnungsnot konsequent zu verhindern“, so Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen.
Wohnungsnot in Deutschland: eine wachsende soziale Krise
Die Wohnungsnot ist nicht nur in Sachsen, sondern bundesweit ein drängendes Problem. Über 600.000 Menschen in Deutschland sind aktuell ohne eigene Wohnung. Besonders in großen Städten ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware.
„Die Ursachen der Wohnungsnot sind strukturell bedingt und deshalb nur durch entschiedenes politisches Handeln lösbar. Neben einem massiven Ausbau von Präventionsfachstellen müssen digitale Teilhabe gesichert und bürokratische Hürden abgebaut werden. Wohnen ist ein Menschenrecht“, betont Bauer.
Die Diakonie Sachsen fordert zudem, den Grundsatz „Housing First“ in der Praxis flächendeckend umzusetzen. „Zuerst eine eigene Wohnung, dann begleitende Hilfen – sofern nötig und gewünscht. Nur so können Menschen ihre Selbstständigkeit zurückgewinnen und dauerhaft am Leben in der Gemeinschaft teilhaben“, erläutert Rotraud Kießling, Referentin für Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Sachsen.
Gleichzeitig braucht es dringend den Neubau und die Sanierung von Sozialwohnungen in Sachsen. Zudem muss der Anstieg der Mieten wirksam begrenzt werden. Menschen in Armut müssen verlässlichen Zugang zu sozialem Wohnraum erhalten.
Bürgergeld reicht nicht aus: Armut bleibt Wohnungslosigkeitsrisiko
Am stärksten betroffen sind Menschen mit geringem Einkommen, Alleinerziehende und junge Erwachsene. Der Bericht der Diakonie macht deutlich: Selbst Sozialleistungen wie das Bürgergeld schützen nicht zuverlässig vor dem Verlust der eigenen Wohnung.
„Wenn das Bürgergeld nicht einmal Miete und Energiekosten zuverlässig abdeckt, dann ist Wohnungslosigkeit vorprogrammiert. Die aktuelle politische Debatte um Kürzungen verkennt diese Realität. Vielmehr brauchen wir eine Erhöhung der Regelsätze und realistische Angemessenheitsgrenzen für Miete und Energie“, so Kießling.
Nationaler Aktionsplan: ohne konkrete Maßnahmen wirkungslos
Im April 2024 verabschiedete die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit (NAP W). Ziel ist es, bis 2030 Wohnungslosigkeit zu überwinden.
„Der Aktionsplan darf kein Bekenntnispapier bleiben. Entscheidend ist, dass Bund, Land und Kommunen jetzt gemeinsam Verantwortung übernehmen und handeln. Sonst wächst die Wohnungsnot im Freistaat. Die Folgen für die Betroffenen sind dramatisch,“ warnt Bauer abschließend. Den vollständigen Bericht finden Sie unter Bericht_Wohnungsnotfallhilfe_Diakonie-Sachsen_2025.pdf
