GNADE GENÜGT …

… ein diakonisches Wort zum Reformationstag von Christine Rösch

Keiner wird es schaffen. Dass Menschen sich anstrengen bis zur völligen Erschöpfung, das sehen wir. Dass mit allem Wissen und jeder Menge Intuition gesucht wird, das kennen wir. Und dass es um Leben und Tod geht, das haben wir gehört. Ich rede jetzt nicht von einer Pandemie, nicht von Flüchtlingsbooten, nicht von einer gerechten Lebensführung. Ich rede von Martin Luthers Frage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie komme ich mit IHM ins Reine?

Für Luther ist diese Frage existentiell. Die Angst vor dem Tod und dem Jüngsten Gericht, das er vielleicht nicht besteht. Und dann folgt statt ewigem Leben die ewige Verdammnis. Eine furchtbare Vorstellung für ihn. Denn die ewige Verdammnis dauert länger als die paar Lebensjahre, die vor ihm liegen. Alle seine religiösen Anstrengungen, seine freiwilligen Entbehrungen und Leiden gaben ihm keine Sicherheit. Nicht mal dass er Mönch wurde.

Aber wer denkt heute schon noch an so etwas. Dabei hat sich ja schließlich an den Aussagen der Bibel bis heute nichts geändert. Freilich hält niemand mehr einen Ablassbrief aus Luthers Zeit für sinnvoll- schon gar nicht für seine Verstorbenen. Das war damals aber ein so gängiger Vorgang, wie heute der Abschluss einer Haftpflichtversicherung. Allerdings: was moderne Menschen so alles für ihre Verstorbenen, auch für ihre toten Haustiere tun, das überrascht mich doch manchmal.

Für Luther kam dann eine Entdeckung noch rechtzeitig: Jeder Mensch muss selbst die Bibel lesen, Wort für Wort und Kapitel für Kapitel. Auch Luther selbst als Geisteswissenschaftler will ernsthafter ergründen, was es damit auf sich hat. Denn zunächst einmal ist klar, Gott lässt sich nicht bestechen. Schon gar nicht durch ein paar Münzen. Keiner wird es schaffen: keiner bekommt von sich aus einen gnädigen Gott. Keine Anstrengung ist ausschlaggebend. Allein der Glaube zählt.

„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“, heißt es in der letzten Lutherübersetzung von 2017. (Römerbrief 3, 28). Und es gibt in Jesaja 30,18 den Satz: „Der HERR harrt drauf, dass er euch gnädig sei.“ Und so entsteht die Sicherheit, dass wir allein aus Gnade ins Reine mit Gott kommen.

Denn Gott, der HERR sehnt sich danach, euch gnädig zu sein. ER wird sich wieder über euch erbarmen. Wie glücklich können sich alle schätzen, die Gottes Hilfe und Gnade erwarten!

Und ebenso schreibt Luther: „Glaube und Liebe ist das ganze Wesen eines Christenmenschen. Der Glaube empfängt, die Liebe gibt; der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen; durch den Glauben lässt er sich wohl tun von Gott, durch die Liebe tut er wohl den Menschen.“ Und das gilt nicht nur für uns in der Diakonie.