Pressemitteilungen vom 09.09.2026

Tag der Wohnungslosen: Wenn Hilfe an Bürokratie und Digitalisierung scheitert

Diakonie Sachsen sieht dringenden Handlungsbedarf beim Zugang zu sozialen Leistungen.

Zum Tag der Wohnungslosen am 11. September macht die Diakonie Sachsen auf bürokratische und digitale Hürden aufmerksam, die Menschen in Wohnungsnot den Zugang zu existenzsichernden Sozialleistungen erschweren. 2025 haben die diakonischen Angebote der Wohnungsnotfallhilfe in Sachsen 3.575 Menschen beraten und unterstützt. Fast die Hälfte von ihnen (49 Prozent) war bereits wohnungslos. Jede fünfte hilfesuchende Person hatte keinerlei Einkommen.

Wenn Hilfen zum Hindernis werden

„Menschen in existenziellen Notlagen brauchen schnelle und verlässliche Hilfe. Doch in der Praxis erleben die Beratungsstellen immer wieder, dass Menschen an bürokratischen und digitalen Hürden scheitern, und dadurch Leistungen nicht oder erst verspätet erhalten“, sagt Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen.
Besonders problematisch ist aus Sicht der Diakonie, dass Menschen in Wohnungsnot trotz bestehender Rechtsansprüche mit umfangreichen Antragsverfahren konfrontiert werden. „Wenn ein wohnungsloser Mensch 13 Seiten Antrag ausfüllen und zusätzliche Hilfepläne einreichen muss, obwohl die notwendige Hilfe rechtlich auch ohne dieses Verfahren zugänglich sein soll, läuft etwas falsch. Menschen in Not brauchen keine zusätzlichen Hürden“, sagt Rotraud Kießling, Referentin für Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Sachsen.

Digitalisierung darf nicht ausschließen

Auch die zunehmende Digitalisierung verschärft die Situation. Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten verfügen häufig nicht über die notwendigen Geräte oder einen stabilen Internetzugang. Zudem fehlt es vielfach an persönlicher Unterstützung bei digitalen Antragstellungen. Technische Probleme, etwa bei der Zwei-Faktor-Authentifizierung, oder fehlende Nachweise über eingereichte Unterlagen können dazu führen, dass Leistungen nicht beantragt oder bewilligt werden können.
„Wenn ein Antrag nicht funktioniert oder Unterlagen nicht nachweisbar eingegangen sind, darf die Verantwortung dafür nicht einfach bei den Leistungsberechtigten liegen. Entscheidend ist, dass die Verfahren die Menschen erreichen, für die sie gedacht sind“, betont Kießling.
Die Zahlen der Wohnungsnotfallhilfe zeigen, wie unterschiedlich die Lebenslagen der Hilfesuchenden sind: Zwei Drittel der Hilfesuchenden (66 Prozent) hatten 2025 keine Arbeit. 16 Prozent hatten trotz ihrer schwierigen Lebenssituation eine Festanstellung, befanden sich in Ausbildung oder in einer Maßnahme zur Arbeitsmarktintegration. Rund 13 Prozent der Fälle betrafen Familien mit Kindern. Damit waren mehr als 463 Kinder unmittelbar von der Wohnungsnot ihrer Familien mitbetroffen.

Wohnkosten bleiben zentrale Herausforderung

Neben dem Zugang zu sozialen Leistungen bleibt die Sicherung der Wohnkosten eine zentrale Herausforderung. Die Angemessenheitsgrenzen für die Kosten der Unterkunft sind nach Einschätzung des evangelischen Wohlfahrtsverbandes oft zu niedrig angesetzt. Das kann dazu führen, dass Menschen eine Wohnung nicht beziehen können oder die Differenz zwischen tatsächlichen und übernommenen Kosten aus ihrem ohnehin knappen Einkommen finanzieren müssen.
„Wer Wohnungslosigkeit überwinden will, muss dafür sorgen, dass Menschen ihre sozialen Rechte tatsächlich wahrnehmen können. Das bedeutet: weniger bürokratische Hürden, verlässliche Unterstützung bei digitalen Verfahren und eine realistische Übernahme der Kosten für Unterkunft und Energie. Nur dann kann soziale Sicherung auch dort ankommen, wo sie dringend gebraucht wird“, sagt Kießling.

Den vollständigen Bericht mit allen Zahlen und Maßnahmen finden Sie hier: 26_9_Lebenslagenbericht_Wohnungsnotfallhilfe


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