Pressemitteilungen vom 12.03.2026

An vielen sächsischen Schulen fehlt noch immer Schulsozialarbeit – Diakonie fordert Ausbau

Psychische Belastungen, familiäre Konflikte, Gewalt, Leistungsdruck oder Schulabstinenz: Sachsens Kinder und Jugendliche stehen unter großem Druck. Schulsozialarbeit ist für sie häufig die erste Anlaufstelle, wenn Probleme auftreten. Die Diakonie Sachsen drängt deshalb auf einen Erhalt sowie einen deutlichen Ausbau der Schulsozialarbeit.
„Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter merken oft als Erste, wenn es jungen Menschen nicht gut geht“, sagt Kathleen Jevlasch, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe der Diakonie Sachsen. „Sie hören zu, vermitteln Hilfe und begleiten Schülerinnen und Schüler langfristig. Diese Arbeit ist unverzichtbar.“

Fachwelt fordert mehr Schulsozialarbeit

Wie wichtig diese Unterstützung ist, wurde auch auf dem Bundeskongress Schulsozialarbeit deutlich, der in der vergangenen Woche in Hildesheim stattfand. Rund 600 Fachkräfte aus ganz Deutschland tauschten sich dort über aktuelle Herausforderungen aus. Auch Kathleen Jevlasch nahm an der Veranstaltung teil und brachte die Erfahrungen aus Sachsen in die Diskussion ein.
Zum Abschluss verabschiedeten Fachkräfte und Fachverbände die sogenannte Hildesheimer Erklärung. Darin fordern sie einen deutlichen Ausbau der Schulsozialarbeit sowie eine verlässliche Finanzierung und eine gesetzliche Verankerung. Vorgeschlagen wird unter anderem eine unbefristete Vollzeitstelle Schulsozialarbeit pro 150 Schülerinnen und Schüler.
Schulsozialarbeit leistet weit mehr als kurzfristige Krisenintervention. Fachkräfte arbeiten präventiv, stärken soziale Kompetenzen und bauen stabile Beziehungen zu jungen Menschen auf – inzwischen an vielen Standorten mit hoher fachlicher Qualität und oft über mehrere Jahre hinweg.

Große Versorgungslücken in Sachsen

In vielen Schulen in Sachsen fehlt weiterhin Schulsozialarbeit. Aktuelle Übersichten zum Ausbaustand zeigen, dass entsprechende Angebote im Freistaat noch immer nicht flächendeckend etabliert sind.
Teilweise zeigt sich sogar ein gegenteiliger Trend: Unter dem Kostendruck einiger Städte und Kommunen kam es zu Stellenstreichungen. Nach Einschätzung der Diakonie Sachsen muss der Fokus stärker auf junge Menschen gelegt werden. Der Ausbau der Schulsozialarbeit an allgemeinbildenden Schulen muss deshalb konsequent weiter vorangetrieben werden.
Denn die Anforderungen steigen: Fachkräfte berichten von zunehmenden psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen sowie von Konflikten im sozialen Umfeld. Auch Fälle von Kindeswohlgefährdung oder Suizidgedanken gehören zum Arbeitsalltag.
Hinzu kommt, dass andere Hilfesysteme vielerorts überlastet sind. Die Fallzahlen in den stationären und teilstationären Hilfen der Kinder- und Jugendhilfe liegen weiterhin auf hohem Niveau und steigen in vielen Regionen weiter. Dadurch kommt es zu einer Kostenexplosion.
Das hat auch Auswirkungen auf die Schulsozialarbeiter selbst: Viele berichten von einer Überlastung bis hin zum Burn-out. Befristete Verträge führen dazu, dass der Beruf an Attraktivität verliert und Fachkräfte in andere Bereiche der Sozialen Arbeit abwandern oder das Berufsfeld ganz verlassen.

Lehren aus der Pandemie ziehen

Auch die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie zeigen aus Sicht der Diakonie Sachsen, wie wichtig stabile Unterstützungsangebote für junge Menschen sind. Viele Belastungen hätten sich in dieser Zeit noch einmal verstärkt. Die evangelische Wohlfahrtsverband bringt diese Perspektiven auch in die politische Debatte ein und hat sich an die Enquete-Kommission „Pandemie“ des Sächsischen Landtages gewandt.
„Kinder und Jugendliche brauchen verlässliche Ansprechpersonen im Alltag“, sagt Jevlasch. „Schulsozialarbeit ist dafür ein zentraler Baustein.“
„Kinder und Jugendliche brauchen gute Chancen, gesund und gut begleitet aufzuwachsen“, sagt Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen. „Schulsozialarbeit stärkt junge Menschen im Alltag und ist damit auch eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft.“


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Nora Köhler Pressesprecherin/Referentin Unternehmenskommunikation
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Kathleen Jevlasch Referentin Kinder- und Jugendhilfe
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