Pressemitteilungen vom 15.06.2026

Überschuldung trifft die Mitte der Gesellschaft – Diakonie Sachsen fordert Ausbau der Schuldnerberatung

Pressemitteilung zur bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung 2026

Erwerbstätige, Familien und zunehmend auch ältere Menschen geraten in Sachsen in finanzielle Notlagen. Gleichzeitig stoßen die Schuldnerberatungsstellen an ihre Grenzen. Zum Auftakt der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung vom 15. bis 19. Juni veröffentlicht die Diakonie Sachsen ihren aktuellen Bericht zur sozialen Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung. Die Aktionswoche steht in diesem Jahr unter dem Motto „Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P-Konto zum Problemkonto wird“. Der Bericht zeigt: Überschuldung betrifft zunehmend Menschen mitten im Erwerbsleben, während die Beratungskapazitäten nicht mit dem Bedarf Schritt halten.
„Überschuldung ist kein gesellschaftliches Randphänomen. Sie betrifft Menschen mitten im Leben – auch solche, die arbeiten, Kinder erziehen oder nach einem langen Erwerbsleben von ihrer Rente leben müssen“, sagt Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen.
Die 19 Schuldnerberatungsstellen der Diakonie Sachsen begleiteten im Jahr 2025 insgesamt 3.032 laufende Beratungsfälle. Gleichzeitig weist der Bericht auf ein strukturelles Problem hin: Die personellen Kapazitäten reichen bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Aufgrund finanzieller Engpässe in den Kommunen ist eine notwendige Ausweitung der Beratung derzeit nicht absehbar.

Erwerbstätigkeit schützt nicht vor Überschuldung
38 Prozent der Ratsuchenden verfügten über Einkommen aus Erwerbstätigkeit oder Selbstständigkeit. Weitere sechs Prozent mussten ihr Einkommen durch Bürgergeld aufstocken. Damit zeigt sich deutlich, dass finanzielle Schwierigkeiten längst nicht nur Menschen ohne Arbeit betreffen. „Viele Menschen können trotz Erwerbstätigkeit ihre laufenden Kosten nicht mehr dauerhaft tragen. Steigende Wohn- und Energiekosten sowie fehlende finanzielle Rücklagen führen schnell in eine Überschuldungssituation“, erklärt Rotraud Kießling, Referentin für Schuldnerberatung der Diakonie Sachsen.

Ältere Menschen zunehmend betroffen
Besonders aufmerksam verfolgt die Diakonie Sachsen die Entwicklung bei älteren Ratsuchenden. Zwölf Prozent der Beratenen bezogen Alters- oder Erwerbsminderungsrente, elf Prozent waren über 65 Jahre alt. „Ältere Menschen nehmen Hilfeangebote oft erst sehr spät in Anspruch. Scham, gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende Mobilität erschweren den Zugang zur Beratung“, so Kießling. Gleichzeitig seien viele Rentner durch gesellschaftliche Veränderungen wie die Digitalisierung und ein kleiner werdendes Netzwerk besonders von Ausgrenzung bedroht.

Hunderte Kinder in überschuldeten Familien
27 Prozent der Beratungsfälle betrafen Familien mit Kindern. Die finanziellen Probleme ihrer Eltern wirkten sich auf insgesamt 795 Kinder unmittelbar aus, etwa wenn grundlegende Anschaffungen nicht mehr möglich waren oder der Strom abgestellt wurde. „Wenn Familien überschuldet sind, betrifft das immer auch die Kinder. Finanzielle Notlagen führen häufig zu sozialer Ausgrenzung und schränken Bildungs- und Teilhabechancen ein“, zeigt sich Bauer besorgt.

Beratung stärken, Zugang sichern
Die Diakonie Sachsen fordert deshalb eine deutliche Stärkung der Schuldnerberatung im Freistaat. Notwendig seien insbesondere der Ausbau der personellen Kapazitäten, eine bedarfsgerechte Finanzierung der Beratungsangebote sowie eine einheitliche statistische Erfassung von Überschuldungsfällen in Sachsen. Zudem müsse die Beratung zum Pfändungsschutzkonto (P-Konto) verlässlich finanziert werden, damit Betroffene ihre gesetzlichen Ansprüche wirksam wahrnehmen können. „Wer Überschuldung wirksam bekämpfen will, muss in Beratung investieren. Schuldnerberatung stabilisiert Lebensverhältnisse, verhindert soziale Folgekosten und eröffnet Menschen neue Perspektiven“, betont Bauer.

Den vollständigen Bericht der sozialen Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung 2026 finden Sie unter folgendem Link:


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