Während Sachsen dringend Fachkräfte benötigt, verlassen jedes Jahr tausende junge Menschen die Schule ohne Abschluss. Allein 2024 waren es 3.075 Schülerinnen und Schüler. Die Quote lag mit 9,1 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Beim Tag der sächsischen Produktionsschulen am 23. Juni in Radebeul machen die Einrichtungen auf die Bedeutung dieser Angebote aufmerksam und werben für langfristig verlässliche Rahmenbedingungen in der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit.
Der Tag der sächsischen Produktionsschulen findet in diesem Jahr bereits zum 14. Mal statt. Die elf Produktionsschulen des Freistaates präsentieren ihre Arbeit, zeigen Produkte aus ihren Werkstätten und geben Einblicke in die Begleitung junger Menschen auf ihrem Weg in Ausbildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe. Für viele Jugendliche ist die Veranstaltung der Höhepunkt des Jahres.
Produktionsschulen schaffen Perspektiven
Produktionsschulen richten sich an junge Menschen, die zusätzliche Unterstützung beim Schulabschluss, bei der Berufsorientierung oder beim Übergang in Ausbildung und Arbeit benötigen. Durch die Verbindung von praktischem Arbeiten, Lernen und sozialpädagogischer Begleitung eröffnen sie neue Perspektiven und stärken Selbstvertrauen, Eigenverantwortung und gesellschaftliche Teilhabe.
„Wer über Fachkräftesicherung spricht, darf die jungen Menschen nicht vergessen, die besondere Unterstützung beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf benötigen“, sagt David Meis, Geschäftsführer der Produktionsschule Moritzburg. „Produktionsschulen eröffnen Perspektiven und verhindern, dass Jugendliche dauerhaft abgehängt werden. Sie sind eine Investition in die Zukunft junger Menschen und in die Zukunft unseres Landes.“
Seit 2015 haben rund 3.400 junge Menschen in Sachsen eine Produktionsschule besucht und dort neue Chancen für ihren weiteren Lebensweg erhalten.
Erfolgreiche Arbeit braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Die Arbeit der Produktionsschulen wird derzeit maßgeblich über Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. Mit Blick auf die kommende Förderperiode sehen die Träger Handlungsbedarf, damit die erfolgreichen Angebote langfristig erhalten und weiterentwickelt werden können.
„Produktionsschulen stehen für Bildungsgerechtigkeit und ein gesellschaftliches Für- und Miteinander“, betont Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen. „Sie geben jungen Menschen eine zweite oder manchmal sogar eine dritte Chance. Angesichts des Fachkräftebedarfs und der sozialen Herausforderungen unserer Zeit müssen wir alles daransetzen, diese bewährten Angebote langfristig zu sichern.“
Von den elf Produktionsschulen in Sachsen werden fünf von Einrichtungen der Diakonie getragen. Gemeinsam mit weiteren Trägern setzen sie sich dafür ein, dass junge Menschen auch künftig die Unterstützung erhalten, die sie für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben benötigen.
Politik und Praxis im Gespräch
Ein Schwerpunkt des diesjährigen Produktionsschultages ist die Zukunft der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit in Sachsen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Praxis miteinander ins Gespräch.
Zur Veranstaltung werden unter anderem Susann Rüthrich, Kinder- und Jugendbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung, sowie Felix Hitzig, Mitglied des Sächsischen Landtags und Vorsitzender des Landesjugendhilfeausschusses Sachsen, erwartet.
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Die Diakonie Sachsen ist der soziale Dienst der evangelischen Kirche. Rund 28.000 hauptamtliche Mitarbeitende arbeiten in rund 2.000 ambulanten und stationären Einrichtungen wie Pflegeheimen, Sozialstationen, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Beratungsstellen und Kindertagesstätten. Die Geschäftsstelle in Radebeul vertritt die Interessen ihrer 251 Mitglieder und engagiert sich für die Weiterentwicklung evangelischer Sozialarbeit in Sachsen.
