Pressemitteilungen vom 30.06.2026

Mehr als nur Zahlen: Sachsens Produktionsschulen brauchen verlässliche Förderung

Fast zwei Drittel der jungen Menschen, die in sächsische Produktionsschulen und Jugendwerkstätten kommen, haben keinen Schulabschluss. Trotzdem gelingt bei vielen der Weg in Ausbildung, Arbeit oder weiterführende Qualifizierung. Aktuelle Auswertungen zur ESF-geförderten Jugendberufshilfe in Sachsen zeigen: Produktionsschulen und Jugendwerkstätten leisten einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Die Daten wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren in insgesamt 22 Projekten – darunter 13 Produktionsschulen und neun Jugendwerkstätten – erhoben und ausgewertet. Damit diese Arbeit fortgeführt werden kann, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Produktionsschulen Sachsen: Praxis, Bildung und Begleitung

Produktionsschulen verbinden praktische Arbeit, Bildung und sozialpädagogische Begleitung. Mehr als die Hälfte der jungen Menschen ist zwischen 16 und 18 Jahre alt. Sie befinden sich in jener entscheidenden Übergangsphase zwischen Schule und Beruf, in der Bildungs- und Berufsbiografien häufig entschieden werden.

Zahlen belegen die Wirkung

Die erhobenen Zahlen belegen die Wirksamkeit der Angebote: 524 von 1.243 jungen Menschen wurden individuell weitervermittelt. Darunter waren 126 Übergänge in Ausbildung, 70 in Arbeit, weitere in Qualifizierung, Schule oder unterstützende Anschlussangebote. 89 erreichten in den Projekten einen Schulabschluss. Sechs Monate später hatten 74 Prozent der 603 Jugendlichen, zu denen nach Projektende noch Kontakt bestand, eine Anschlussperspektive.
„Produktionsschulen und Jugendwerkstätten sind weit mehr als sozialpädagogische Angebote. Sie eröffnen jungen Menschen konkrete Wege in Ausbildung und Beschäftigung und stärken damit zugleich die Zukunftsfähigkeit des Freistaats“, sagt Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen.

Befristete Projektförderung statt Planungssicherheit

Problematisch sind aus Sicht der Träger weniger die Inhalte als die strukturellen Rahmenbedingungen. Die derzeitige Finanzierung erfolgt maßgeblich über befristete projektbezogene ESF-Mittel und schafft nur begrenzte Planungssicherheit.
„Die Wirksamkeit der Angebote ist belegt. Es braucht den nächsten Schritt: weg von einer Projektförderung hin zu verlässlichen, langfristigen Finanzierungsstrukturen. Nur so können junge Menschen kontinuierlich begleitet werden“, sagt Marko Hietzke, Referent für Arbeitsförderung und Erwerbslosenarbeit der Diakonie Sachsen.

Tag der sächsischen Produktionsschulen in Radebeul

Erstmals vorgestellt wurden die aktuellen Zahlen beim diesjährigen Tag der sächsischen Produktionsschulen in Radebeul. Rund 350 Teilnehmende, darunter etwa 50 Gäste aus Politik und Verwaltung, diskutierten dort über die Zukunft der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit.
In der Podiumsdiskussion bekräftigten unter anderem Felix Hitzig, Vorsitzender des Landesjugendhilfeausschusses Sachsen, und Susann Rüthrich, Kinder- und Jugendbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung, die Bedeutung von Produktionsschulen und Jugendwerkstätten für Sachsen. Besonders eindrücklich wurde die Wirkung der Angebote durch den Beitrag einer ehemaligen Teilnehmerin, die im Rahmen der Podiumsdiskussion offen über ihren persönlichen Weg sprach.


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