15.04.2020

Kinderschutz in Corona-Zeiten

 

Diakonie-Chef Dietrich Bauer: „Jeder kann und muss etwas dafür tun!“

„Für viele Kinder und Jugendliche ist die Bedrohung dort am größten, wo sie eigentlich am behütesten sein sollten – in ihrem eigenen Zuhause!“ Was schon in Vor-Coronazeiten für viele Kinder und Jugendliche gegolten habe, habe sich in Pandemie-Zeiten noch einmal dramatisch verschärft. Diakonie-Chef Dietrich Bauer befürchtet auch in Sachsen eine Zunahme häuslicher Gewalt. „Die Auswirkungen von Isolation, die Minimierung sozialer Kontakte, große finanzielle Sorgen und Existenzängste, Home-Office, Kinderbetreuung und Homeschooling belasten viele Familien und verursachen hohen Stress.  Die Überforderung fördert Aggression und Gewalt. Kitas und Horte als wichtige Schutz- und Bildungsräume, aber auch Freizeiteinrichtungen und Beratungsstellen der Kinder- und Jugendhilfe fallen derzeit für die Kinder und Jugendlichen weg. Orte an denen sie normalerweise auf pädagogische Fachkräfte treffen, die sie in ihren belastenden Lebensumständen fördern, schützen und die an sie glauben. Natürlich  sind wir sehr dankbar, dass die Notbetreuung auch für Kinder in besonderen Lebenslagen geöffnet wurde und die Jugendämter Kinder aus Schutzgründen zuweisen können. Doch damit werden längst nicht alle Kinder, die Schutz nötig hätten, erreicht. Viele unserer pädagogischen Fachkräfte sorgen sich in den Zeiten der eingeschränkten Notbetreuung genau um diese Kinder!“ Der Diakonie-Chef spricht sich daher dafür aus, die vom Bundesfamilienministerium gestartete Aktion „Kein Kind alleine lassen“ (www.kein-kind-alleine-lassen.de) mit aller Kraft zu unterstützen und zu verbreiten.

„Denn Kinder müssen wissen, dass es Hilfe gibt und sie nicht alleine gelassen werden! Und dafür kann jeder etwas tun!“  Die Website gebe den Menschen die Möglichkeit, aktiv mitzuhelfen: „Auf der Seite sind neben Infos und weiteren Weblinks auch Flyer und Plakate zum Ausdrucken. Schon das fürsorgliche Aufhängen eines Flyers oder Plakats im Treppenhaus kann helfen und alle im Hause Wohnenden daran erinnern, die Kinder und Jugendlichen aus dem eigenen Umfeld nicht zu vergessen!  Auch in offenen Kirchen, Supermärkten, Bäckereien oder Apotheken können die Plakate aufgehängt werden und helfen so mit, dass Kinder weniger Übergriffe erleiden müssen!“

Die Seite www.kein-kind-alleine-lassen.de hat einen Bereich für Erwachsene, in dem Interessierte nicht nur Materialien zum Teilen und Verbreiten finden, sondern auch Informationen zum richtigen Verhalten bei einem Verdacht auf sexuelle und andere familiäre Gewalt im Umfeld. Außerdem gibt es ein Verzeichnis wichtiger Anlaufstellen, die auch während der Corona-Krise erreichbar sind. Der Bereich für Kinder und Jugendliche bietet Direktkontakt per Chat, Mail oder Telefon zu Hilfeangeboten. Kinder finden hier auch Tipps, was sie tun können, wenn sie von Gewalt bedroht sind.



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