12.10.2020

Gerade jetzt brauchen arbeitslose und prekär beschäftigte Menschen unabhängige Beratung!

 

Statistik der diakonischen Erwerbslosenberatung für das Jahr 2019

Coronabedingt sind in Sachsen wieder mehr Menschen arbeitslos (September 2020: 132.841) oder müssen kurzarbeiten (Juni: 189.916)  – was nicht selten aufgrund des niedrigen Lohnniveaus dann ebenfalls mit prekären Lebensumständen einhergeht. Unabhängige Beratung ist in vielen Fällen nötig und die diakonischen Erwerbslosenberatungsstellen sind gefragte Anlaufstellen, können aber den Bedarf nicht decken.

Seit langem fordert die Diakonie Sachsen von der Landesregierung, die Erwerbslosenberatung bedarfsgerecht auszubauen - mindestens eine Beratungsstelle pro Landkreis und kreisfreier Stadt. „Erwerbslose und prekär Beschäftigte unabhängig zu beraten, ist eindeutig eine Aufgabe, die durch die öffentliche Hand gefördert werden sollte. Das Leistungsrecht im SGB II wird mit jeder Novellierung komplexer und eine Beratung erfordert hohe Professionalität – und die sollte den Bürgerinnen und Bürgern nicht vorenthalten werden. Aber das kostet Geld“, sagt Hans-Jürgen Meurer zuständiger Referent bei der Diakonie Sachsen.

Die Diakonie fördert die unabhängige Erwerbslosenberatung in hohem Maß aus eigenen Mitteln und hat zuletzt ihre landesweite Kollekte zum Sonntag der Diakonie zugunsten der Beratungsstellen eingesetzt. „Wir finanzieren hier mit Spenden- und Kollektenmitteln ein wichtiges Angebot. Trotzdem mussten wir unser Beratungsangebot aus Kostengründen in den vergangenen Jahren einschränken.“ Derzeit unterhält die Diakonie Sachsen noch drei Beratungsstellen und hat dort im vergangenen Jahr 2019 1340 Beratungsgespräche geführt - nur 20 Prozent der Ratsuchenden waren erwerbstätig.

Beraten wurde zwar überwiegend zum Leistungsrecht aber eben auch zu den ganz persönlichen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung auf das private Leben und auf die Gesundheit. „Gerade auch persönliche Lebensumstände mit in den Blick zu nehmen, ist für die Betroffenen und für ihre weitere Lebensperspektive enorm wichtig. Wir appellieren daher dringlich an die Staatsregierung, die existentiellen Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und das Beratungsangebot gerade jetzt in der Krise endlich auszubauen“,  so Meurer.

Der Verweis, dass die Jobcenter ja selbst auch beraten, sei nicht zielführend, da sich die Klienten dort in einem Abhängigkeitsverhältnis und sogar häufig im Konflikt mit dem Jobcenter befinden. Hans-Jürgen Meurer: „Hier hilft nur unabhängige Beratung weiter, die Existenzängste abbaut, bei der Durchsetzung gesetzlicher Ansprüche unterstützt, aber auch Verständnis für die Arbeit der Jobcenter fördert und Konflikte entschärft.“

Diakonische Erwerbslosenberatung bieten an:

  • Diakonisches Werk - Stadtmission Dresden e. V. (Stami Dresden)
  • Kirchliche Erwerbsinitiative Leipzig (KEL)
  • Netzwerk Mittweida, Standorte Mittweida und Penig (Netzwerk)

Weitere Informationen: Hans-Jürgen Meurer, Tel.: 0351/8315-172. Die Statistik der diakonischen Erwerbslosenberatung für das Jahr 2019 finden Sie hier.


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