20.05.2020

„Chancenlose Kinder? – Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“

 

Aktionswoche Schuldnerberatung stellt Kinderrechte in den Mittelpunkt/Landesfachstelle Verbraucherinsolvenzberatung im Freistaat Sachsen sieht die Schere weiter aufgehen

Vom 25. bis 29. Mai 2020 findet die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung statt. Unter dem Motto „Chancenlose Kinder? – Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“ stellen Wohlfahrts- und Fachverbände Kinderrechte in den Mittelpunkt und fordern weitreichende Reformen, um Kindern aus überschuldeten Haushalten gute Startbedingungen für ihre Zukunft zu ermöglichen.

„Kinder sind das Kapital einer Gesellschaft – nicht nur die, die in wohlbehüteten Verhältnissen ohne Mangel aufwachsen. Einer Gesellschaft geht es nur so gut, wie es den schwächsten Gliedern der Gesellschaft geht. Um allen Kindern das Recht auf eine von Schuldenproblemen unbelastete Kindheit und Jugend zu gewährleisten, bedarf es deutlicher und längst überfälliger Reformen – mindestens aber der bedarfsgerechten Erhöhung der Regelsätze für Kinder und Jugendliche. Besser wäre eine eigenständige Kindergrundsicherung“.

Karla Darlatt, Leiterin der bei der Diakonie Sachsen angesiedelten Landesfachstelle Verbraucherinsolvenzberatung im Freistaat Sachsen, sieht die Schere zwischen Kindern in Armut und Wohlstand immer weiter aufgehen. „Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung wachsen in Ostdeutschland ca. ein Fünftel aller Kinder in Armut auf. Besonders häufig betroffen sind Kinder alleinerziehender Eltern, Kinder mit mehreren Geschwistern und Kinder erwerbsloser Eltern.

Armut und Überschuldung der Eltern haben Auswirkungen auf die Kinder. Das Familienbudget ist knapp, ein wachsender Teil muss für die steigenden Wohnkosten auf angespannten Wohnungsmärkten aufgebracht werden. Aufgrund der Corona-Krise haben Familien weitere Kosten zu stemmen, weil durch die Schließung der Kindertagesstätten und Schulen das kostenfreie Mittagessen für einen längeren Zeitraum weggefallen ist – für manche Kinder die einzige „vernünftige“ Mahlzeit des Tages. Zu befürchten ist, dass die Lebenshaltungskosten weiter steigen. Gerade für frisches Obst und Gemüse muss jetzt schon tiefer in die Tasche gegriffen werden. Damit bleibt weniger Geld für andere Lebensbereiche wie Bildung und Kultur übrig. Und das in Zeiten, in denen Schule trotz Lockerungen hauptsächlich weiterhin zu Hause stattfindet und alle Schüler*innen auf funktionierende Technik wie Computer, Drucker und Internet angewiesen sind. 

Armut und Überschuldung der Eltern haben aber nicht nur negative Auswirkungen auf die materielle Ausstattung und die Ernährung der Kinder, auch die Atmosphäre in der Familie ist angespannt und gereizt, weil Eltern mit ständigen Problemlösungen beschäftigt sind.

„Schuldnerberatung kann mit ihrem Leistungsangebot der Not überschuldeter Familien zwar wirksam begegnen. Aber das zur Verfügung stehende Angebot reicht bei weitem nicht aus. Überschuldete Familien werden in der Corona-Krise weiter zunehmen. Auch hier wird die Schere zwischen Angebot und Nachfrage weiter aufgehen, was wiederum zulasten der betroffenen Familien geht. Dabei dulden Krisen keinen Aufschub.“

Karla Darlatt hofft deshalb, dass die Aktionswoche viel öffentliche und politische Aufmerksamkeit für die Kinder überschuldeter Familien erreicht und gleichzeitig das Angebot der Schuldnerberatung öffentlichkeitswirksam verbreitet.

Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) hat ein Forderungspapier erstellt, das die Landesfachstelle Verbraucherinsolvenzberatung in Sachsen unterstützt. Die AG SBV fordert darin unter anderem die grundlegende finanzielle Absicherung von Kindern, eine finanzielle Allgemeinbildung von klein auf und das Recht auf Schuldnerberatung für alle.

Weil große und öffentlichkeitswirksame Aktionen in diesem Jahr nicht stattfinden können und die Politik hauptsächlich mit der Corona-Pandemie beschäftigt ist, hofft die Landesfachstelle auf eine Neuauflage der Aktionswoche im nächsten Jahr zum gleichen Thema, denn die Kinder dürfen nicht „hinten runterfallen“.

Weitere Informationen: Karla Darlatt
Landesfachstelle Verbraucherinsolvenzberatung im Freistaat Sachsen
Ritterstraße 5, 04109 Leipzig
Telefon 0341 33 204 204,

E-Mail: lfs-inso(at)evlks.de

Internet www.aktionswoche-schuldnerberatung.de


https://www.diakonie-sachsen.de/pressemitteilungen_chancenlose_kinder_gutes_aufwachsen_trotz_ueberschuldung_de.html