PM Archiv 25 vom 29.09.2025

Stark für andere: Diakonie Sachsen fordert bessere Rahmenbedingungen für Migrationsberatung

Die Diakonie Sachsen warnt zur bundesweiten Aktionswoche vor einer Unterfinanzierung der Migrationsberatung und fordert verlässliche Rahmenbedingungen, damit Integration in Stadt und Land gelingen kann.

Mehr als 6.000 Zugewanderte haben 2024 in Sachsen Unterstützung in den Beratungsstellen der Diakonie gefunden. Mit der Aktionswoche der Jugendmigrationsdienste (JMD) und der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) vom 29. September bis 2. Oktober 2025 macht die Diakonie bundesweit auf ihre unverzichtbare Arbeit und die prekäre Finanzierung aufmerksam.

„Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den diakonischen Beratungsstellen begleiten Menschen, die in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft alles hinter sich gelassen haben. Sie hören zu, vermitteln, erklären und leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen. „Die Zahl der Ratsuchenden hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. Viele Fachkräfte betreuen bis zu 350 Menschen gleichzeitig. Diese Arbeit geht an die Belastungsgrenze und braucht dringend politische, finanzielle und strukturelle Unterstützung.“

Seit 2005 wird die MBE aus Bundesmitteln finanziert. Zwar sieht der aktuelle Bundeshaushalt 77,5 Millionen Euro für 2025 vor, doch steigende Personal- und Sachkosten lassen die Mittel faktisch schrumpfen. Deshalb fordert die Diakonie Sachsen, die Haushaltstitel für die Beratungsprogramme künftig zu dynamisieren. Eine jährliche Anpassung sollte mindestens die Inflationsrate und die tariflichen Kostensteigerungen ausgleichen. „Wenn wir Integration ernst nehmen, dürfen wir nicht bei der Beratung sparen. Sie sind essenziell“, sagt Kerstin Böttger, Referentin für Asyl, Flucht und Migration. „Die diakonischen Beratungsstellen in der Stadt und auf dem Land sind ein Schlüssel für die Arbeitsmarktintegration und die Fachkräftesicherung. Jede Investition zahlt sich doppelt aus: in der Stärkung von Teilhabe und in der Reduzierung von Sozialausgaben.“

Integration braucht starke Fachkräfte

Die Beratungsstellen der Diakonie Sachsen begleiten Ratsuchende bei Fragen rund um Wohnung, Aufenthalt, Sprach- und Bildungszugänge bis hin zu familiären Krisen. Zugleich fördern sie Begegnungen zwischen Zugewanderten und Einheimischen und stärken so den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Doch die Fachkräfte selbst stehen unter Druck. Sie arbeiten in einem Feld, das nicht nur fachlich komplex, sondern auch emotional belastend ist. „Die Beraterinnen und Berater hören täglich von Flucht, Verlust und Traumata. Zudem erleben sie selbst immer wieder Anfeindungen, müssen sich für ihre Arbeit rechtfertigen, mitunter werden Gebäude beschädigt. Damit sie stark für andere bleiben, brauchen sie Supervision, Weiterbildung und gesundheitsfördernde Maßnahmen“, erklärt Böttger. Doch die Mittel dafür fehlen.

Spendenaufruf der Diakonie Sachsen

Mit einer landesweiten Kollekte Anfang September sowie weiteren Spendenaktionen werden gezielt Gesundheitsförderung und Supervision für Mitarbeitende in der Migrationsarbeit unterstützt. „Es geht nicht nur um Strukturen, sondern auch um die Menschen, die mit ihrem Engagement Integration erst möglich machen“, so Bauer.

Spendenkonto der Diakonie Sachsen: Asyl, Flucht und Migration | Diakonie Sachsen

Hintergrund

  • In Sachsen gibt es 6 MBE- und 7 JMD-Beratungsstellen unter dem Dach der Diakonie.
  • 2024 wurden dort mehr als 6.000 Ratsuchende begleitet.
  • Bundesweit gibt es über 939 Beratungsstellen mit mehr als 300.000 Beratungsfällen pro Jahr.

Weitere Pressemitteilungen der Diakonie Sachsen: Pressemitteilungen | Diakonie Sachsen
Mehr zum Bereich Migration: Asyl, Flucht und Migration | Diakonie Sachsen