Pressemitteilungen vom 20.04.2026

Kommunale Pflichtjobs greifen zu kurz – Diakonie Sachsen fordert nachhaltige Lösungen

„Unsere Erfahrungen im Blick auf Maßnahmen im sozialen Arbeitsmarkt zeigen, dass eine individuelle und schrittweise Heranführung an den Arbeitsmarkt die nachhaltigsten Ergebnisse erzielt. Dafür brauchen wir verlässliche Strukturen, die perspektivsuchende Menschen gezielt fördern. Die aktuellen Vorschläge der CDU-Landtagsfraktion für verpflichtende kommunale Tätigkeiten greifen zu kurz. Um Menschen in den Arbeitsmarkt einzugliedern, müsste eine individuelle Förderung durch die Kommunen selbst erfolgen“, betont Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen. „Eine Aufgabe, die unsere diakonischen Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte bereits jetzt leisten.“

Der christliche Wohlfahrtsverband warnt davor, dass eine verpflichtende Arbeitsaufnahme ohne Rücksicht auf individuelle Voraussetzungen vor allem sozial benachteiligte Menschen treffen würde. Viele der rund 180.000 Bürgergeldbeziehenden in Sachsen sind keineswegs sofort in einfache Tätigkeiten vermittelbar, etwa aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen, Care-Verpflichtungen oder fehlender Qualifikation. Diese Menschen benötigen oft intensive Unterstützung, um in den Arbeitsmarkt integriert zu werden – sei es durch praxisnahe Qualifizierung, sozialpädagogische Begleitung oder längerfristige Maßnahmen.

Marko Hietzke, Referent für Arbeitsförderung bei der Diakonie Sachsen, ergänzt: „Arbeitsgelegenheiten sind sinnvoll, aber nur, wenn sie gut begleitet sind. Pauschale Verpflichtungen hingegen bergen die Gefahr, Integration zu behindern, statt zu fördern. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels brauchen wir passgenaue Förderung statt symbolpolitischer Debatten.“
Die Diakonie Sachsen verweist auf die Rolle von Qualifizierungsprojekten und Beschäftigungsangeboten für die lokale Daseinsvorsorge. Einrichtungen wie Sozialkaufhäuser oder Tafeln sind nicht nur Anlaufstellen für Menschen in Not, sondern auch wichtige Arbeitgeber, die durch geförderte Beschäftigungen unterstützt werden. Diese Strukturen geraten bereits jetzt durch unsichere Finanzierung und Kürzungen unter Druck. Zusätzliche Pflichtprogramme ohne ausreichende Ressourcen würden die Situation weiter verschärfen.

Bauer fordert daher eine Umkehr: „Wir brauchen eine verlässliche und dauerhafte Finanzierung dieser Projekte. Befristete Fördermittel verhindern langfristige Planungen und machen es schwer, qualifiziertes Personal zu binden. Nur mit stabilen Strukturen können wir den Menschen echte Perspektiven bieten. Wer kommunale Aufgaben stärken will, muss Kommunen solide finanzieren – nicht auf Kosten der Teilhabechancen der Schwächsten.“


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