Diakonie Sachsen ruft zum Hinschauen und Helfen auf
Die Sommerhitze mit Temperaturen jenseits der 30 Grad stellt eine ernste Gefahr für wohnungslose Menschen dar. Wer auf der Straße lebt, hat häufig keinen Zugang zu Trinkwasser, Schatten, Duschen oder Schutzräumen – das kann lebensbedrohlich sein. Die Diakonie Sachsen ruft deshalb die Bevölkerung zu praktischer Nächstenliebe auf und macht auf strukturelle Lücken in der Versorgung aufmerksam.
„Wer Hitze überstehen will, braucht mehr als Mitgefühl – es braucht konkrete Hilfe und verlässliche Hilfeangebote vor Ort. Gerade für Menschen ohne Obdach geht es dabei um ihre Gesundheit und ihr Überleben“, erklärt Rotraud Kießling, Referentin für Wohnungsnotfallhilfe bei der Diakonie Sachsen. In ganz Sachsen engagieren sich diakonische Einrichtungen und Dienste mit großem Einsatz: Mitarbeitende verteilen Wasser, Sonnencreme, Kopfbedeckungen und vermitteln in Notlagen medizinische Hilfe. In Tagestreffs können Wasserflaschen aufgefüllt und oft auch Duschen genutzt werden. Doch all das ist nur im Rahmen der jeweiligen Öffnungszeiten möglich – und genau hier liegt ein wachsendes Problem.
Denn vielerorts geraten niedrigschwellige Angebote wie Tagesaufenthalte unter Druck. Ein Beispiel ist der Tagestreff der Stadtmission Chemnitz, der aufgrund der angespannten Haushaltslage seine Öffnungszeiten verkürzen musste. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf wohnungslose Menschen. Gerade in extremen Wetterlagen sind diese Orte wichtig, weil sie dauerhaft und zuverlässig erreichbar sind. Menschen ohne festen Wohnsitz orientieren sich an bekannten Anlaufpunkten. Kurzfristige Änderungen oder Ausweitungen sind kaum vermittelbar und erreichen die Betroffenen oft nicht. „Wer soll wohnungslose Menschen denn zuverlässig und tagesaktuell über veränderte Öffnungszeiten informieren – über Social Media? Durch Zeitung oder Lautsprecher? Das funktioniert nicht“, mahnt Alfred Mucha, Abteilungsleiter Wohnungsnotfallhilfe der Stadtmission Chemnitz. „Dauerhafte Präsenz und stabile Strukturen sind in der Wohnungsnotfallhilfe keine Kür, sondern Grundvoraussetzung – erst recht bei Extremwetter.“
Alle Bürgerinnen und Bürger können helfen: Indem sie Menschen auf der Straße ansprechen und fragen, ob Hilfe gebraucht wird. Wer eine schlafende Person in der prallen Sonne sieht, sollte sie wecken. Schon eine zusätzliche Flasche Wasser beim Einkauf und die Weitergabe an Bedürftige kann einen Unterschied machen. Spenden von Sonnencreme, leichter Kleidung oder Kopfbedeckungen werden vielerorts dringend benötigt – ein Anruf bei der nächstgelegenen diakonischen Einrichtung schafft Klarheit, was konkret gebraucht wird.
Über die Diakonie Sachsen
Die Diakonie Sachsen ist der soziale Dienst der evangelischen Kirche. Rund 27.000 hauptamtliche Mitarbeitende arbeiten in rund 1.950 ambulanten und stationären Diensten wie Pflegeheimen, Sozialstationen, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Beratungsstellen und Kindertagesstätten. Die Geschäftsstelle in Radebeul vertritt die Interessen ihrer 256 Mitglieder und engagiert sich für die Weiterentwicklung evangelischer Sozialarbeit in Sachsen.
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