HALBZEIT ODER BERGFEST? ...

 

Auch im EM-Fieber wird es Johannistag. Er ist die Halbzeit- zwischen dem Heiligen Abend 2020 und Weihnachten 2021. Oder Bergfest: Feste soll man ja feiern, wie sie fallen. Zum Beispiel mitten in der Ausbildungszeit wird ein ausgelassenes Bergfest gefeiert. Manche denken auch nach der Hälfte der Urlaubstage daran- es ist eben eine Zwischenansage, wo noch einiges möglich ist. So oder so. Im Fußball und im Urlaub und in einem ganz und gar nicht alltäglichen Jahr 2021. Nach der Halbzeit wird es immer doppelt spannend.

So ähnlich sagt es auch Johannes der Täufer, dessen Tag wir heute feiern. Gratulation übrigens an alle die Johannes, Johanna, Henning, Hanni, Hans, Jana oder Jonathan heißen. Auch Giovanni, Janet, Jan, Joana und Janosch, Iwan, Jens und Hannelore gratulieren wir. Übersetzt heißt das: „Gott ist gnädig“, Glückwunsch also für die „Begnadeten“. Heute ist Ihr Namenstag.

Johannes der Täufer sagt: „Jetzt wird es doppelt spannend, denn ich werde ausgewechselt. Der nach mir kommt, ist um Klassen besser.“ Johannes will den Weg freimachen, dass einer ins Spiel kommen kann, der mehr bringt. Er weiß, dass in der kommenden Zeit, wenn er raus ist, einer Heil bringen wird. Der andere wird der Heiland, der Christus, der Menschenbruder Jesus heißen. Und dem wird er den Weg freischaufeln. Dass es durch Jesus zu berührenden Begegnungen mit Gott kommen kann.

Der Täufer Johannes ist ein Wüstenmensch. In den meistens Kunstwerken, die ich gesehen habe, wirkt er uncharmant: hager, asketisch, fast grimmig, manchmal mit einem Fell bekleidet wie ein Urzeitmensch. Und bedrohlich muss er gewirkt haben. Dabei hatte er eigentlich einen Traumstart ins Leben: ein wirklich ersehntes Wunschkind. Schon vor seiner Geburt war er ein öffentlicher Mensch, so viele wollten bei seiner Namensgebung mitreden. Aber er geht seinen Weg, den Gott für ihn bestimmt hat. Und er lebt nur vom nötigsten, ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig in der Wüste, besitzlos, einflusslos und hat doch die Vollmacht und Größe eines Mahners.

„Die Uhr läuft, bald ist sie abgelaufen!”, sagt er scharf. „Achtung: euch bleibt nur noch eine kurze Zeit. Dann ist es vorbei, dann werdet ihr sterben und euch verantworten müssen. Beim Schlusspfiff ist nichts mehr zu retten. Aus und vorbei. Dann könnt ihr nichts mehr ändern. Nutzt die Zeit, die euch noch bleibt.“

Johannes sagt die Wahrheit. Und auch in unserer Zeit höre ich sie. „Der Glaube wird zur Privatsache, eine gesellschaftliche Relevanz scheint er nicht mehr zu haben. Die Natur wird zerstört, Kinder werden missbraucht. Ihr lauft Gefahr, dass alte, kranke und behinderte Menschen euthanasiert werden, nur damit sie nicht zur Last fallen.“ Johannes hätte gesagt: „Eure Schandtaten und Fehler haben euch eingeholt.”

Und Johannes sehnte sich von Herzen danach, dass Gott selbst eingreift. Dass er seine Ordnung wiederherstellen wird. Dass Barmherzigkeit, Menschenwürde aber auch Glaubensgehorsam wieder zur unbestreitbaren Norm werden. Er weiß, dass er den Berg des Glanzes nicht erreichen wird. Und doch feiert er Bergfest. „Denn der, der nach mir kommt, ist stärker als ich; ich bin nicht wert, ihm die Schuhe nachzutragen.“ Aber das degradiert und entmutigt ihn keineswegs. Er weiß um die Würde der Vorbereitung und der Aussaat. Weil das Wichtigste noch kommt: die berührende Begegnung mit Jesus. Und dafür macht er den Weg frei! Wir können gar nicht genug Johannas und Hansis brauchen, die den Weg zur Gottesbegegnung freischaufeln.

Einen gesegneten Johannistag wünscht Christine Rösch

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