EINE HEILIGE MIT LEIDERFAHRUNG ...

 

11. April 2020 ... ein diakonisches Wort zum Tag von Christine Rösch

Beinahe wäre Maria, die Mutter Jesu, zusammengebrochen. Sie hatte den Kopf leicht geneigt, die Augen geschlossen. Sie ist mutterseelenallein. Ihr Tuch wärmt sie nicht mehr, sie zittert und weint. Links neben ihrem gekreuzigten Sohn hat sie gestanden. Die Hände verkrampft und gefaltet. Das war gestern.

Man sieht Maria unterschiedlich dargestellt in Kirchen, Büchern und Museen. Mal mit dem neugeborenen Jesuskind, mal neben dem Jünger Johannes unterm Kreuz stehend.

An Wallfahrtsorten findet man sie. Und immer wieder trifft man auch an Wegen in katholischen Gegenden Gläubige vor der Maria. Jetzt gerade wieder vermehrt. Sie entzünden Kerzen, knien im stillen Gebet und suchen Trost.

Ich habe ein Bild von Maria, wie sie den toten erwachsenen Sohn Jesus auf dem Schoß hat, ihn festhält und ansieht voller Trauer. Und da sehe ich so viele Mütter und Väter, die ihr Kind verloren haben... verwaiste Eltern: das schlimmste, was ich mir denken kann.

Maria hatte es nie leicht: erst kommt ihr Kind ungeplant, zumindest von ihr ungeplant. Dann nutzt der zwölfjährige Jesus das Gewimmel zur Tempelwallfahrt in Jerusalem, haut ab. Drei Tage sucht sie, wird schier verrückt und der Ausreißer zeigt keinerlei Gewissenbisse.

Später zieht er ruhelos durch die Lande, legt sich mit den römischen Besatzern und der heiligen Obrigkeit an...weiß Gott: kein sorgloses Familienleben war das mit dem religiös-widerspenstigen Sohn.

Aber sie bleibt seine Mutter, unerschütterlich bleibt sie an seiner Seite. Als eine der wenigen steht sie unterm Kreuz bei seiner Hinrichtung, den Kopf geneigt und wortlos betend. Ob sie schon fühlt, dass dieses Leid ein Ende haben wird. Ahnt sie, dass es keine andere Chance gibt als das durchzustehen.

Ob sie daran geglaubt hat, dass er wiederkommt? Und was wusste sie über die Bedeutung seines Todes? Für sie gab‘s nur eine: er fehlt! Er fehlt so sehr. Es bleibt ein unfassbarer Tod und was für ein Opfer.

Mit Maria bin ich im stillen Gedenken an alle, die uns fehlen. Ihre Christine Rösch

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