ADVENT BRAUCHT KEIN EVENT ...

 

15. Dezember 2020 ... ein diakonisches Wort zum Advent von Christine Rösch

Ich gebe es zu: ich sehne mich nach dem Duft des Böhmischen Glühweins auf dem Striezelmarkt in Dresden.
Und schwärme noch von der Weihnachtsoratorium- Generalprobe des Kreuzchores im vergangenen Dezember.
Oder vermisse das große Adventskonzert im Dynamo-Stadion, inclusive der Heimfahrt in rappelvoller Straßenbahn. „Straßenbahnharmonie“ nach einem guten Konzert- ich liebe sie. Wenn die Augen noch leuchten oder jemand vor sich hin die letzte Zugabe summt. Wenn geschwärmt wird und mir oft schon ein Sitzplatz angeboten wurde. Da bin ich sehr gern die „ältere Dame“ mit der im Stadion geschenkten MDR-Nikolausmütze.

Die Events fehlen mir; ja, ich würde sie gerne erleben.

Aber ich brauche sie nicht unbedingt, damit es ADVENT wird. Ich weiß es ganz genau. Und doch fühle ich noch nicht so richtig das große EINVERNEHMEN mit dem, was Corona uns genommen hat.

Wenn es einen Verlust gibt, entsteht ja immer auch Platz, der neu gefüllt werden kann. Womit werde ich füllen ohne zu überfrachten? Oder lasse ich mal einige Stunden ganz und gar leer? Hundert mal im Jahr und mehr habe ich mich nach unverplanter Zeit gesehnt. Warum kommt sie mir nur jetzt nicht wie ein Geschenk vor?

Der heilige Bernhard von Clairvaux ( *um 1090,† 20. August 1153) schrieb an Papst Eugen III. „Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir. Ich kann allerdings nur Mitleid mit Dir haben, wenn Du selbst Leid empfindest. Sonst müsste ich richtiger sagen, dass es mir um Dich leidtut. Denn wo einer kein Leid empfindet, kann man auch nicht mitleiden. Wenn Du also leidest, dann empfinde ich Mitleid mit Dir; wenn nicht, tust Du mir dennoch leid, ja dann erst recht, denn ich weiß, dass ein Glied, das nichts mehr empfindet, schon ziemlich weit weg vom Heilsein ist. Und dass ein Kranker, der gar nichts mehr von seinem Kranksein spürt, in Lebensgefahr schwebt. Verlass Dich nicht zu sehr auf das, was Du im Augenblick empfindest… Wie oft ist uns schon etwas, vor dessen Bitterkeit wir zunächst zurückschreckten, durch den bloßen Gebrauch allmählich vom Schlechten ins Süße verwandelt worden? Höre den Gerechten, wie er über eine solche Erfahrung klagt: Das, was meine Seele früher nicht anrühren wollte, ist mir jetzt in meiner Bedrängnis zur Nahrung geworden (Hiob 6, 7). Zunächst kommt Dir etwas unerträglich vor. Im Laufe der Zeit gewöhnst Du Dich vielleicht daran und hältst es nicht mehr für so schwer; es dauert nicht lange, und es kommt Dir leicht vor; es vergeht nicht viel weitere Zeit, und es sagt Dir sogar zu.“

So wünsche ich Dir und mir, dass uns dieser eventlose Advent irgendwann leicht vorkommt und am Ende sogar zusagt. Advent als Ankunft- bei mir selbst und dann vor allem in der Nähe des barmherzigen Gottes.

Ihre Christine Rösch

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