135 junge Menschen engagieren sich im neuen Freiwilligenjahr, fast die Hälfte ist minderjährig. Auf dem Land bleiben Stellen frei, Förderung ist dringend nötig.
Mit 135 jungen Menschen startet die Diakonie in Sachsen in das neue Freiwilligenjahr. 100 im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und 35 im Bundesfreiwilligendienst (BFD unter 27) traten am 1. September ihren Dienst an. Auffällig ist der steigende Anteil minderjähriger Freiwilliger: Fast die Hälfte (46 Prozent) ist unter 18 Jahren. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 38 Prozent.
“Wir freuen uns, dass nach wie vor viele Jugendliche die Chance ergreifen, sich in sozialen Einrichtungen zu engagieren. Sie sammeln wertvolle Erfahrungen, orientieren sich beruflich und bereichern mit ihrer Arbeit das Miteinander in Kitas, Pflegeheimen und Einrichtungen der Behindertenhilfe”, sagt Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen.
Unterschied zwischen Stadt und Land
Während im Großraum Dresden alle Plätze besetzt wurden, blieben vor allem in ländlichen Regionen Stellen unbesetzt. „Das hat auch damit zu tun, dass minderjährige Freiwillige stark auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind und dieser ist im ländlichen Raum oft nicht ausreichend ausgebaut“, erklärt Susanne Wolf-Dechandt, Referentin Freiwilliges Soziales Engagement der Diakonie Sachsen.
Einsatzstellen geraten unter Druck
Hinzu kommt ein finanzielles Problem: Einige Einsatzstellen haben ihre FSJ- oder BFD-Angebote bereits eingeschränkt, weil sie die steigenden Kosten nicht mehr stemmen können. Die Eigenanteile für Taschengeld, Sozialversicherungsbeiträge und gesetzlich vorgeschriebene Bildungstage steigen, während die Fördermittel seit Jahren gleich bleiben. „Noch handelt es sich um Einzelfälle, aber wir befürchten, dass daraus ein Trend werden könnte – mit spürbaren Folgen für Einrichtungen und Interessierte“, warnt Wolf-Dechandt.
Seminartage als Herzstück der Begleitung
In der vergangenen Woche fanden die ersten Seminartage mit den neuen Freiwilligen in der Geschäftsstelle der Diakonie Sachsen in Radebeul statt. Insgesamt sind 25 Tage im Jahr vorgesehen. Sie bieten Weiterbildungen zu Themen wie Erlebnispädagogik, Leben mit Demenz, Selbstfürsorge oder Gewaltfreier Kommunikation und Gelegenheit zum Austausch der Freiwilligen. „Ich bin durch ein Physiotherapie-Praktikum auf die Werkstatt für Menschen mit Behinderung aufmerksam geworden. Durch mein FSJ möchte ich einen noch besseren Einblick erhalten. Gerade die Arbeit im Förder- und Betreuungsbereich der Werkstatt zeichnet sich durch einen engen Kontakt zu den Klientinnen und Klienten aus. Das gefällt mir“, sagt Sarah Hesse, die in diesem Jahr ihren Freiwilligendienst in den Wichern-Werkstätten Freital der Diakonie Dresden absolviert.
Forderung nach besserer Förderung
Aus Sicht der Diakonie Sachsen ist die aktuelle politische Debatte um ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr nicht zielführend. „Solange nicht allen jungen Menschen, die freiwillig einen Dienst leisten wollen, ein Platz offensteht, ist die Diskussion über eine Pflicht verfrüht“, betont Bauer.
In Sachsen engagieren sich insgesamt rund 4.000 Menschen in Freiwilligendiensten vom FSJ über den BFD bis hin zum Freiwilligendienst aller Generationen.
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