Zum 35. Jahrestag der Deutschen Einheit fordert die Diakonie Sachsen Soziale Einheit: faire Löhne, stabile
Finanzierung sozialer Dienste, starke Pflege und Bildung sowie gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land.
35 Jahre nach der Deutschen Einheit ziehen die ostdeutschen Landesverbände der Diakonie, stellvertretend für 115.000 Mitarbeitende in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, eine gemischte Bilanz: Vieles hat sich verbessert, doch die Folgen der Transformation sind für die Menschen im Osten Deutschlands noch immer spürbar. Besonders im sozialen Bereich bleibt viel zu tun: von gerechten Löhnen über die Sicherung von Pflege und Bildung bis hin zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land.
„In den vergangenen 35 Jahren wurde viel erreicht, aber Lebensrealität und Stimmung der Menschen in Ostdeutschland zeigen, dass Einheit mehr ist als Infrastruktur und Straßenbau. Wir brauchen gleiche Chancen für alle Generationen – ob in der Kindertagesstätte, auf dem Arbeitsmarkt oder im Pflegeheim“, betont Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen.
Die Diakonie würdigt die großen Investitionen und Entwicklungen seit 1990. Gleichzeitig bleibt eine Erfahrung prägend: Viele Menschen erlebten Brüche in Biografien, den Verlust von Arbeit und Heimat oder die Abwanderung der Jugend. Diese Erfahrungen wirken bis heute nach und prägen auch das Vertrauen in Politik und Gesellschaft.
Heute zeigt sich: Die Einheit war nur möglich im Klima von Frieden und Verständigung in Europa. „Mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und neuen sicherheitspolitischen Bedrohungen spüren wir, dass eine Epoche zu Ende geht. Auch die Rückschau auf den Kalten Krieg und friedliche Revolution erinnert uns daran, wie zerbrechlich Frieden ist und wie sehr wir ihn brauchen, um soziale Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren“, erklärt Bauer.
Aktuelle Herausforderungen verschärfen die Lage zusätzlich: der demografische Wandel mit der Alterung ganzer ost- und mitteldeutscher Regionen, fehlende Fachkräfte in Pflege und sozialen Einrichtungen sowie anhaltende Unterschiede bei Löhnen und Renten. Die ungleiche Infrastruktur in ländlichen Regionen führt zu eingeschränkter medizinischer Versorgung und geringeren Teilhabechancen.
Die diakonischen Landesverbände Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Mitteldeutschland und Sachsen mahnen deshalb eine stabile und faire Finanzierung sozialer Dienste, Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Pflege sowie eine umfassende politische Anerkennung der Transformationsfolgen. Nur so kann echte Einheit gelingen – in einem Europa, das auf Frieden und Solidarität angewiesen ist.
Hintergrund
Die drei diakonischen Landesverbände vertreten als Dachverbände und sozialanwaltlich in zahlreichen demokratischen Gremien gegenüber der Landes- und Bundespolitik über 6.000 soziale Einrichtungen und Projekte mit rund 115.000 hauptamtlichen Mitarbeitenden in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen.
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