PM Archiv 25 vom 27.08.2025

Deckelung ja – aber nicht ohne Reform: Diakonie Sachsen setzt auf Systemwechsel in der Pflege

Zur Ankündigung von Sozialministerin Petra Köpping, den pflegebedingten Eigenanteil in Pflegeheimen auf 1.000 Euro monatlich zu begrenzen, erklärt die Diakonie Sachsen: „Das Anliegen, Pflegebedürftige finanziell zu entlasten, ist absolut richtig. Die Belastungen sind für viele Menschen nicht mehr tragbar“, sagt Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen. „Aber eine einfache Deckelung löst das strukturelle Problem nicht. Wir brauchen eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung, die Sicherheit schafft – nicht nur für Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Einrichtungen, sondern auch für Menschen in der ambulanten Pflege.“ Ein Großteil der pflegebedürftigen Menschen (85 Prozent) wird zu Hause betreut.

Aktuell zahlen Pflegebedürftige in sächsischen Heimen im ersten Jahr durchschnittlich rund 2.800 Euro monatlich aus eigener Tasche. Die Diakonie Sachsen fordert seit Jahren, dieses finanzielle Risiko kalkulierbar zu machen. „Wir brauchen eine Pflegeversicherung, die ihrem Namen gerecht wird und nicht länger die Kostensteigerungen auf die Pflegebedürftigen abwälzt“, betont Viola Andrä, Bereichsleiterin Altenhilfe der Diakonie Sachsen. „Dazu gehört ein bundesweit einheitlicher, dynamisierter Eigenanteil und eine gesetzliche Begrenzung – vergleichbar mit einer Teilkaskoversicherung. Verbesserungen in der Pflege dürfen nicht allein durch höhere Eigenanteile der Betroffenen bezahlt werden.“

Kritisch sieht die Diakonie auch die Finanzierungslücke, die bei einer Deckelung entsteht. „Wenn die Eigenanteile pauschal begrenzt werden, muss geklärt sein, wie die Pflegeversicherung diese Mehrkosten tragen kann. Die Kassen sind jetzt schon am Limit“, warnt Andrä. „Eine nachhaltige Lösung braucht eine Pflegereform, die Einnahmen und Ausgaben gemeinsam denkt. Dazu gehört, die Beitragsbemessungsgrenzen anzuheben, alle Einkommensarten in die Finanzierung einzubeziehen und endlich eine solidarische Pflege-Bürgerversicherung einzuführen.“ Darüber hinaus fordert der evangelische Wohlfahrtsverband, dass sich der Freistaat seiner Verantwortung stellt: Investitionskosten für Pflegeheime dürften nicht weiter auf die Bewohner umgelegt, sondern müssten aus Landesmitteln finanziert werden.
Die Diakonie Sachsen unterstützt ausdrücklich den Vorschlag, die Ausbildungskosten nicht mehr auf die Bewohner umzulegen. „Dass Heimbewohner aktuell über 120 Euro im Monat für die Ausbildung zahlen, ist seit Jahren ein Ärgernis. Ausbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und gehört aus Steuermitteln finanziert“, so Andrä. Sachsen hat am 26. September 2025 die Gelegenheit, ein klares Signal gegen diese Form der Finanzierung zu setzen. An diesem Tag erfolgt die erste Lesung des Pflegefachassistenzgesetzes im Bundesrat, in dem wieder die Finanzierung der Ausbildung durch Bewohner und Patienten verankert ist. „Pflege ist Teil unserer solidarischen Grundordnung. Was sie uns wert ist, muss jetzt ehrlich diskutiert werden, aber nicht in einzelnen, kurzfristigen Maßnahmen, sondern in einem tragfähigen Gesamtkonzept“, so das Fazit von Dietrich Bauer.

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung
Viola Andrä, Bereichsleiterin Altenhilfe, Tel. 0351 8315 157, viola.andrae@diakonie-sachsen.de


Über die Diakonie Sachsen
Die Diakonie Sachsen ist der soziale Dienst der evangelischen Kirche. Rund 27.000 hauptamtliche Mitarbeitende arbeiten in rund 1.950 ambulanten und stationären Diensten wie Pflegeheimen, Sozialstationen, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Beratungsstellen und Kindertagesstätten. Die Geschäftsstelle in Radebeul vertritt die Interessen ihrer 256 Mitglieder und engagiert sich für die Weiterentwicklung evangelischer Sozialarbeit in Sachsen.

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