08.12.2020

Wohnungslosigkeit in Zeiten der Coronakrise extrem schwer

 

Diakonie Sachsen fordert ausreichendes Hilfeangebot

„Kälte und die Corona-Pandemie verschärfen die besondere Not von wohnungslosen Menschen extrem. Wer kein zu Hause hat, kann auch nicht zu Hause bleiben – die Gefahr, sich anzustecken oder gegen Corona-Auflagen zu verstoßen, ist also immer präsent. Wenn dann noch Bußgelder angedroht und verhängt werden, verschärft das die Armutslebenslage zusätzlich!“
Rotraud Kießling, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen hält daher befristete, akute Hilfen gerade jetzt für unbedingt notwendig. „Sie verhüten aber nur das Schlimmste. Und die Zusatzangebote der diakonische Wohnungsnotfallhilfen in den Wintermonaten kommen schon jetzt an ihre Grenzen, die Angebote reichen bei weitem nicht aus!“
Kießling kritisiert zudem die bei kommunalen Obdachlosenunterkünften beobachtete unzulässige Auswahl und Ablehnung von wohnungslosen Menschen scharf: „Teilweise werden Menschen, die keinen Kostenübernahmeschein haben, oder weil kein Platz mehr ist, einfach abgewiesen. Dass darf nicht passieren. Es besteht Gefahr für Leib und Leben – da muss immer aufgenommen werden!“
Kießling fordert daher neben einem ausreichenden Hilfeangebot, endlich die Ursachen für Wohnungslosigkeit aktiv anzugehen: „Allein die Diakonie hat im Vorjahr mehr als 3.000 Menschen in Wohnungsnot statistisch erfasst, fast jeder fünfte war ohne jegliches Einkommen, jeder siebte lebte
ungeschützt auf der Straße. Dabei ist das „Housing First“ als begrüßenswertes Ziel doch im Koalitionsvertrag festgeschrieben!“
Doch nach wie vor fehlten entsprechende Wohnungen und der Zugang zur begleitenden Hilfe (ambulant betreutes Wohnen) sei seit einer Änderung der Zuständigkeiten im Jahr 2018 sehr instabil geworden.
„Um Wohnungslosigkeit zu verhindern, brauchen wir ein strukturell und fachlich ausgebautes Hilfesystem der Wohnungsnotfallhilfe mit auskömmlichen Rahmenbedingungen. Und sehr viel mehr bezahlbaren Wohnraum. Land und Kommunen müssen den sozialen Wohnungsbau stärker in den Blick nehmen und einen Zugang z. B. durch Belegungsrechte erschließen“, so Kießling abschließend.

Weitere Informationen: Die zusätzlichen Kältehilfe-Angebote der diakonischen Wohnungsnotfallhilfe finden Sie hier. Rotraud Kießling: Tel.: 0351/8315-178



https://www.diakonie-sachsen.de/archiv_2020_wohnungslosigkeit_in_zeiten_der_coronakrise_de.html