21.12.2020

Soziale Folgen der Pandemie - Beratungsangebote ausbauen

 

Diakonie Sachsen dringt auf Ausweitung der Beratungsdienste

Diakonie-Chef Dietrich Bauer nimmt die heute veröffentlichte Statistik der diakonischen Beratungsdienste in Sachsen für das Jahr 2019 zum Anlass, noch einmal darauf hinzuweisen, dass Menschen gerade in Krisenzeiten auf Beratung, Begleitung und Unterstützung angewiesen sind:  „Krisen dulden keinen Aufschub. Und es bedarf keiner prophetischen Fähigkeiten, um vorauszusagen, dass der Bedarf nach Beratung und Unterstützung im nächsten Jahr dramatisch zunehmen wird. Zu überwältigend sind die sozialen, psychosozialen, finanziellen und gesundheitlichen Folgen der Pandemie auch für viele Menschen in Sachsen, die bislang nicht mit schwierigen Lebensverhältnissen zu kämpfen hatten. Und schon bestehende Problemsituationen wie Armut, Schulden, Arbeitslosigkeit, Sucht, Einsamkeit  und Überforderung in den Familien sowie drohende oder eingetretene Wohnungslosigkeit, werden sich weiter zuspitzen. Die Mitarbeitenden in den Beratungsstellen merken das. Wir appellieren daher sehr dringend an Staatsregierung und Landesparlament, in den nun anstehenden Haushaltsberatungen die Lage der Beratungsdienste nicht zu verschlechtern, sondern entscheidend zu verbessern! Die Menschen sind auf eine verlässliche soziale Infrastruktur angewiesen, auf Hilfe, die unsere Dienste nur anbieten können, wenn es sie noch gibt und wenn sie refinanziert werden."

Der Zugang zu unabhängiger, vertraulicher und fachlich kompetenter Beratung sei entscheidend dafür, wie und ob eine Lebenskrise bewältigt werden kann.

Und das sind die wichtigsten Ergebnisse der statistischen Erhebungen für 2019:

  • 57 260 Personen in Sachsen haben im Jahr 2019 die Beratungsdienste der Diakonie Sachsen in Anspruch genommen. Die Gesamtkapazität aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Beratungsfeldern beträgt 377 Vollzeitäquivalente. 
  • Weil die Kapazitäten unserer Beratungsdienste bei weitem nicht ausreichen, mussten viele Klient*innen teilweise lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das ist ein deutlicher Hinweis an die politisch Verantwortlichen, das Arbeitsfeld Beratungsdienste insgesamt weiter auszubauen. Vor allem dann, wenn die Beratung durch einen Rechtsanspruch abgesichert ist.
  • Über die Hälfte aller erfassten Ratsuchenden war weiblich (58,5 Prozent).
  • Obwohl die Altersgruppe der 25-45jährigen in Sachsen lediglich 24 Prozent der Bevölkerung ausmacht, stellt sie mit 40 Prozent in den Beratungsstellen den größten Anteil. Das heißt, dass in dieser Lebensphase auch Krisen am häufigsten sind.
  • Weil die Problemlagen immer komplexer und damit schwieriger zu lösen sind, nimmt die Fallübernahme aus dem Vorjahr in vielen Beratungsdiensten zu. Das gilt vor allem für die Schuldnerberatung, die Wohnungsnotfallhilfe, die Psychosozialen Beratungsstellen und die Migrationsberatung. Das heißt, es bleiben für Neuzugänge zu wenig freie Kapazitäten.
  • Der Anteil der Leistungsbezieher nach SGB II und SGB XII ist mit durchschnittlich 26 Prozent deutlich höher als dieser Anteil im Durchschnitt der Bevölkerung (9,4 Prozent – Statistisches Landesamt Kamenz 2018) ausmacht. Das belegt, dass eine Vielzahl der Probleme, Konflikte und Krisen eng mit finanziellen Notlagen in Zusammenhang stehen. Armut und Schulden und alle damit einhergehenden Problemlagen nehmen zu, coronabedingt, werden sich diese Tendenzen noch einmal enorm verschärfen. 

Weitere Informationen: „Beratung ermutigt! Aus schwierigen Lebensverhältnissen den eigenen Weg finden. Statistik der diakonischen Beratungsdienste 2019“


https://www.diakonie-sachsen.de/archiv_2020_soziale_folgen_der_pandemie_sind_ueberwaeltigend_de.html