16.05.2019

Sächsisches Pflegepaket: Gute Absichten, wenig Konkretes

 

„Wir begrüßen, dass sich das Land Sachsen bei der Bundesregierung für eine Reform der Finanzierung der Pflege einsetzen und weitere Belastungen pflegebedürftiger Menschen durch immer höhere Eigenanteile begrenzen will. Beides hält auch die Diakonie Sachsen für unerlässlich.  Ob allerdings mit der Einführung einer Obergrenze eine gerechte Verteilung der Pflegekosten erreicht wird, oder die Einführung eines Pflegewohngeldes angemessene Abhilfe schafft, hängt wesentlich davon ab, wie diese Instrumente ausgestaltet sein werden. Dazu steht im Zehn-Punkte-Plan aus dem Sozialministerium, der die Zukunft der Pflege in Sachsen absichern soll, aber nichts. Insgesamt enthält das Pflegepaket zu viele unkonkrete Ankündigungen und Allgemeinplätze.  Die bereits bestehende dramatische Situation in der Pflege wird ins Positive gedreht“, fasst Dietrich Bauer, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Sachsen, seine Einschätzung des „Sächsischen Pflegepakets“ zusammen.
Die Kritik im Einzelnen: „Wenn das Sozialministerium jetzt beispielsweise den Ausbau alternativer Wohnformen in der Altenpflege fordert, muss es sich die Frage gefallen lassen, warum es seit Jahren auf einem untauglichen Heimgesetz beharrt, das gerade den Ausbau anbietergestützter alternativer Wohnformen verhindert hat.  Auch bei der Refinanzierung der Pflege durch die Kassen könnte das Land eine tragendere Rolle als bisher spielen: Wir haben als Leistungserbringer der Pflege das Problem, dass unsere Aufwendungen als tarifgebundene Arbeitgeber von den Kostenträgern zwar anerkannt, aber praktisch nicht refinanziert werden. Deswegen geraten gerade die ambulanten Pflegedienste immer mehr in die Leistungsverdichtung. Hier könnte das Land die Suche nach Lösungen sehr viel besser moderieren“, nennt Bauer konkrete Anliegen.
Überflüssig erscheint der Diakonie Sachsen auch eine Anlauf- und Beratungsstelle für Auszubildende in der Pflege: „Die Beratung der Auszubildenden hat an Schulen und praktischen Ausbildungsstätten der Träger vor Ort ihren Platz – dort gibt es das nötige Knowhow. Hier noch eine weitere Struktur aufzubauen, ist überflüssig“, ist sich Bauer sicher. Und wichtiger als eine Imagekampagne oder ein Preisausschreiben für den Ausbildungsfreundlichste Einrichtung der Altenpflege sei eine angemessene Ausstattung der Schulträger und Träger der praktischen Ausbildung. “Es wäre besser für das Land in eine gute Ausbildung zu investieren. Hier wäre noch viel Luft nach oben“, weiß Bauer. Die Diakonie Sachsen verhandelt derzeit zusammen mit den anderen sächsischen Leistungserbringern die Finanzierung für die generalistische Pflegeausbildung. „Eine Imagekampagne, damit mehr junge Menschen den Pflegeberuf ergreifen, kann helfen. Aber dann auch bitte das Dazugehörige: Eine handfeste Unterstützung des Freistaats für leistungsgerechte Budgets in der Pflegeausbildung für die Träger der praktischen Ausbildung und mehr Geld für die Pflegeschulen bei den Miet- und Investkosten!“
Statt der vielen guten, aber unkonkreten Absichten im Plan wie einem Landesinvestitionsprogramm wären einzelne kleine, aber ganz konkrete Schritte hilfreicher. Als Beispiel nennt Bauer präventive, aufsuchende Hausbesuche bei alleine lebenden Senioren, die bestehende (digitale) Beratungsangebote nicht kennen oder überhaupt nicht nutzen können, weil sie keinen Internetzugang haben.

Weitere Informationen: Michael Melzer, Referent für Altenhilfe, Tel.: 0351/8315-171


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