19.04.2018

Landesprogramm für nachholende Bildung von Geflüchteten

 

Für den Einzelnen die Chance zu einem selbstbestimmten Leben, für die Gesellschaft ein Gewinn!

Integrationsministerin Petra Köpping stellt Landesprogramm für nachholende Bildung von Geflüchteten über 18 Jahren vor/Produktionsschule Moritzburg als „best-practice“-Beispiel
Bislang gab es in Sachsen keine Regelung, wie junge geflüchtete Menschen ohne Schulabschluss, aber nicht mehr im schulpflichtigen Alter, Bildung nachholen konnten. Um einen Zugang zum Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt zu erhalten und ihre Integration zu ermöglichen, ist das Herstellen von Ausbildungsreife aber unerlässlich. Doch bisher gibt es dafür nur wenige Möglichkeiten und keine wirkliche Regelung, wie junge Geflüchtete über 18 Jahre in Sachsen Bildung nachholen können.
Ein Modell, wie junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren einen Schulabschluss nachholen können, bietet ein Projekt der diakonischen Produktionsschule Moritzburg. Dort werden seit vielen Jahren einheimische Schulabbrecher und langzeitarbeitslose Jugendliche in den drei Werkstattbereichen Holzwerkstatt, Grüne Werkstatt sowie in der Metallwerkstatt über einen Zeitraum von zwei Jahren qualifiziert. Zusätzlich erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, an einem Vorbereitungskurs für den Hauptschulabschluss teilzunehmen - eine grundlegende Voraussetzung, um später einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz erhalten zu können. Ein weiteres Modellvorhaben, ein Schulprojekt für junge Geflüchtete unter 18 Jahren, führt der Träger seit 2015 durch. Hier werden die Jugendlichen intensiv beschult, beruflich orientiert und zum Hauptschulabschluss geführt. Die guten Ergebnisse, die mit diesen Konzepten dort seit Jahren erzielt werden, überzeugten Integrationsministerin Petra Köpping, diese Herangehensweise als Modell für ein Landesprogramm in Sachsen zu nehmen: Nicht mehr schulpflichtige Flüchtlinge über 18 Jahre wird eine berufsbereichsbezogene Grundbildung ermöglicht und mit praktischer Tätigkeit, beispielsweise durch betriebliche Praktika, ergänzt. Ziel ist die Ausbildungsreife.
„Damit ebnen wir den Weg für junge Menschen in eine Ausbildung beziehungsweise in den Arbeitsmarkt. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein für eine gelingende Integration. Und das ist nicht nur ein Gewinn für die oder den Einzelnen, sondern auch für uns als Gesamtgesellschaft“. erklärt Integrationsministerin Petra Köpping. Kerstin Böttger, Referentin für Migration bei der Diakonie Sachsen ergänzt: „Diese lernbereiten jungen Menschen sind auch vor dem Hintergrund des bestehenden Fachkräftemangels in Sachsen ein Potential, das nicht noch länger verschenkt werden darf!“
Im Herbst starten die ersten Kurse mit zunächst 400 Teilnehmenden, diese Zahl wird sich in den zwei weiteren Durchgängen verdoppeln. Die Maßnahme wird von Trägern umgesetzt (ein Träger je Landkreis/kreisfreier Stadt), die bereits Erfahrung im Bereich der Vermittlung von schulischer und beruflicher Bildung besitzen. Eine entsprechende Ausschreibung wird derzeit im Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration vorbereitet.
„Wir freuen uns sehr, dass dieses Landesprogramm kommt und wir mit unseren guten Ergebnissen in der Produktionsschule dazu auch überzeugend beigetragen haben. Selbstverständlich werden wir uns an der landesweiten Ausschreibung beteiligen“, sagt David Meis, Leiter der Produktionsschule Moritzburg.

Weitere Informationen: Kerstin Böttger, Tel.: 0351/83 15 176.

http://www.diakonie-sachsen.de/pressemitteilungen_landesprogramm_fuer_nachholende_bildung_von_gefluechteten_de.html