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19.06.2014 | „Und dann war's plötzlich dunkel und kalt”: Nebenkosten dürfen nicht zur Armutsfalle werden

Diakonie Sachsen legt zu Beginn der Aktionswoche ihre Bilanz der Schuldnerberatung 2013 vor

Überschuldete Menschen sind hohem Stress und psychischem Druck ausgesetzt und oft genug leidet auch ihre Gesundheit. Die kritische Lebenssituation belastet Partnerschaften und Familien und stört eine gesunde Entwicklung betroffener Kinder. Hauptauslöser für Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Sanktionen bei Jugendlichen und Bedarfsgemeinschaften, Scheidung, Trennung und Krankheit. Zunehmend aber rücken Schulden bei Energieversorgern in den Focus der Beratenden. Denn gerade die so genannte „zweite Miete“, also ständig steigende Nebenkosten für Heizung, Strom oder Wasser, wird für immer mehr Menschen zum Problem und häufig auch zur Schuldenfalle – darauf weist die Diakonie Sachsen zu Beginn der diesjährigen Aktionswoche Schuldnerberatung (23. – 27. Juni 2014) hin.

„Besonders hart treffen die Preissteigerungen Menschen, die Sozialleistungen beziehen und Geringverdiener, die gerade soviel Einkommen erwirtschaften, dass sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben. Da gerade sie häufig in schlecht gedämmten Wohnungen leben, ist bei ihnen die zweite Miete überproportional hoch. Zudem steigen Strom- und Gaspreise für Haushaltskunden kontinuierlich weiter, ohne dass der Anteil beispielsweise im Regelbedarf angepaßt wird “, sagt Rotraud Kießling, zuständige Referentin der Diakonie Sachsen, im Rahmen der Vorstellung ihrer diesjährigen Bilanz der diakonischen Schuldnerberatungsstellen. So kann es zu auflaufenden Energieschulden und Stromabschaltungen kommen. „Wenn nichts mehr geht, bleibt die Wohnung kalt, dunkel oder sogar beides!“ In welchem Umfang dies in Sachsen geschieht – darüber gibt es keine offizielle Statistik. Im Jahr 2013 wurde aber allein in den drei kreisfreien Städten mehr als 10 000 mal der Strom abgeklemmt. Aus Sicht der Diakonie gehören Strom, Gas und Heizenergie zum Existenzminimum eines Menschen und sind Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe. „Die Erhöhung des Wohngelds und Erweiterung um eine Stromkostenkomponente und die Wiedereinführung des 2011 gestrichenen Heizkostenzuschusses wären Möglichkeiten, die steigenden Strompreise sozial abzufedern“, sagt Rotraud Kießling.

In 14 diakonischen Schuldnerberatungsstellen (SB) haben 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit 29,70 Vollzeitstellen (VZÄ) im Jahr 2013 3653 Fälle kontinuierlich beraten, berichtete Kießling bei ihrer Vorstellung der Jahresbilanz weiter. 2055 Fälle waren aufgrund der Komplexität der Problemlagen noch aus dem Vorjahr, 1598 Fälle konnten neu aufgenommen werden. „Über die Hälfte aller Hilfesuchenden waren Alleinerziehende oder Familien. Insgesamt waren mindestens 1152 Kinder mit betroffen. „Für die Kinder sind die Notlagen sehr hart, da sie teilweise bereits in Haushalten lebten, in denen der Strom abgeschaltet war und keinerlei Ressourcen mehr vorhanden waren“, weiß Kießling. Jeder siebte Betroffene war unter 25 Jahre alt. „Das heißt der Einstieg ins Erwachsenendasein beginnt für diese jungen Menschen mit hohen Schulden, einem Schufa-Eintrag und der jahrelangen Abhängigkeit von Gläubigern.“

Etwa jeder 5. Hilfesuchende bezog Lohn/ Gehalt bzw. war selbstständig. Weiter zugenommen hat auch die Gruppe derer, die trotz Arbeit ergänzende Hartz-IV-Leistungen beantragen müssen. Die Zunahme dieser Gruppe um weitere drei Prozent zeige deutlich, dass mit der Zunahme von Armutslebenslagen die Spaltung der Gesellschaft kontinuierlich fortschreite.

Die Schuldnerberatung könnte ihrer Ansicht nach einen weitaus größeren Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten – wenn denn ein flächendeckendes Hilfenetz zur Verfügung stünde. „Derzeit erreichen wir nur ungefähr 15 % aller Betroffenen.“

„Eine professionelle Begleitung reguliert daher nicht nur Schulden, sondern hilft, die Existenzgrundlage nachhaltig zu sichern und Lebenssituation zu verbessern – kurz: entwickelt Perspektiven und ermöglicht einen richtigen Neustart. Nicht nur zugunsten der überschuldeten Menschen, sondern auch im Interesse der Gesellschaft, da auch Gläubiger, Justiz und Sozialsystem von einer bedarfsgerecht ausgestatteten Schuldnerberatung profitieren“, so Kießling weiter.

„Lebenshaltungskosten dürfen die Menschen nicht in die Überschuldung treiben. Dafür bedarf es politischen Willen bei den Verantwortlichen und kompetente und zugängliche Beratung und ein breit vorhandenes Beratungsnetz, um den Ausstieg aus der Schuldenfalle zu bewältigen. Wenn der Bedarf so groß ist, und die bestehenden Angebote völlig überlastet sind, muss die Beratung ausgebaut werden! Die Diakonie fordert daher eine bessere finanzielle Ausstattung der Schuldnerberatung“, so Schönfeld abschließend.

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Tel.: 0351/8315-178. Bericht und Statistik 2013 der diakonischen Schuldnerberatungsstellen finden Sie im Anhang.

 
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