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20.06.2014 | „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch” – Diakonische Erwerbslosenberatung unterstützt, stabilisiert und vermittelt neue Perspektiven

Entgegen weit verbreiteter Vorstellungen wird die diakonische Erwerbslosenberatung keineswegs nur von sozial Benachteiligten oder gering Qualifizierten in Anspruch genommen, sondern ebenso von Hochqualifizierten und von Selbständigen, deren Einkommen nicht existenzsichernd ist. Sie ist ein unabhängiges Hilfeangebot für Betroffene und ihre Familien, die mit den materiellen und psychosozialen Folgen zurechtkommen müssen. In rund 5000 Beratungen wurden 2013 2600 Betroffene unterstützt. 71% aller Klienten haben ein en Berufsabschluss, 7% einen Hochschulabschluss. An der Spitze der Beratungsanlässe standen mit 64% das komplexe Leistungsrecht ALG I und II sowie berufliche und persönliche Problemlagen. Prekäre Arbeitsverhältnisse mit einem Einkommen unterhalb des Niveaus von ALG II- Leistungen sind ein weiteres Schwerpunktthema der Beratung. Ein Beispiel aus der Beratungspraxis:
„Die erste Arbeit, die ich damals aufnahm, erwies sich leider als Flop. Der Unternehmer ließ mich drei Monate auf 165 Euro Basis arbeiten, um mich und meine Arbeitsweise „erst einmal kennenzulernen“, obwohl er anfangs von Festeinstellung gesprochen hatte. In diesen drei Monaten 'Probearbeiten' war ich drei, später dann vier volle Arbeitstage pro Woche im Büro und arbeitete alles auf und bereitete bis für das Jahresende (war damals im Frühjahr dort) alles vor. Am Ende der Probezeit gab er mir bekannt, dass er mich nicht einstellt, aber mich weiterhin als Minijobberin arbeiten lassen würde. Das war schon eine riesige Enttäuschung.
Kurz darauf fand ich allerdings eine andere Arbeitsstelle, wo ich auch jetzt noch angestellt bin (jedoch mit einem 2-Jahres-Arbeitsvertrag, der im Sommer 2013 ausläuft). Diese Arbeit ist ebenfalls in der Branche angesiedelt, die meiner Ausbildung und Erfahrung entspricht und mir viel Freude bereitet. Einziger Wermutstropfen bei der Sache ist der niedrige Verdienst, nach Abzug meiner Miete bleiben nur 150 Euro übrig. Es ist schon traurig, dass man den ganzen Tag arbeiten geht und trotzdem nur rechnen muss und sich nichts leisten kann. Aber trotzdem ist es ein schönes Gefühl, Arbeit zu haben und auch anerkannt zu werden, das macht den niedrigen Verdienst wett. Wenn ich abends heim komme, beginnt dann die zweite Schicht mit meinem Kind. Für mich selbst bleibt da kaum noch Zeit, aber ich fühle mich „ausgefüllt“, anders als zu Zeiten meiner Arbeitslosigkeit.“

„Erwerbslosenberatungsstellen wollen betroffene Menschen ganzheitlich beraten: Es werden sowohl die individuellen wie strukturellen Ursachen der Arbeitslosigkeit berücksichtigt, als auch die materiellen, sozialen und psychischen Auswirkungen ernst genommen. Am wichtigsten aber ist, gute Arbeit zu finden“, fasst Michael Melzer, zuständiger Referent, die Arbeit der Beratungsstellen zusammen. Sorgen bereite den Beratungsstellen, dass die Gruppe der gesundheitlich sehr eingeschränkten, jahrelang erwerbslosen Menschen, für die eine Vermittlung in den regulären Arbeitsmarkt ausgeschlossen ist, zunehmend größer wird. Gerade hier hätten sie eine wichtige Schnittstellenfunktion - insbesondere wenn verschiedene Sozialgesetzbücher berührt sind, hätten Beraterinnen und Berater eine „Lotsenfunktion“.

Weitere Informationen: Michael Melzer, Tel.: 0351/8315-171

Hintergrundinformation:
Im Mai 2014 waren in Sachsen 186.038 Menschen arbeitslos gemeldet. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 8,8 Prozent. Zählt man allerdings die rund 62.700 Menschen dazu, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, z.B. Weiterbildungen, Praktika in Betrieben und Beschäftigung in Arbeitsgelegenheiten, teilgenommen haben, liegt sie bei 11,5 Prozent. Dazu kommt eine massive Aufstocker-Problematik: In Sachsen arbeiten rund 35 Prozent der „Hartz IV“-Empfänger - also noch einmal rund 47.000 Menschen, die ihren Lohn mit „Hartz IV“-Leistungen aufstocken müssen, weil sie von ihrem Lohn nicht leben können.

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