Diakonie Sachsen
Foto: Falk Terry

03.06.2014 | Ein Jahr nach der zweiten Flut: Der Wiederaufbau ist noch lange nicht abgeschlossen

Diakonie unterstützte bislang 630 Haushalte mit 2,5 Millionen Euro/ Auch Betroffene der letzten Woche können Spendenanträge stellen

Ein Jahr nach dem Hochwasser 2013 tragen viele Betroffene die Flut noch immer in der Seele: „Die Menschen wollen erst mal reden“, sagt Manuela Herrmann, Mitarbeiterin der Diakonie Katastrophenhilfe in Sachsen. Sie ist gemeinsam mit ihren Kolleginnen in den sächsischen Flutgebieten an Elbe und Mulde unterwegs. Sie gehen dort von Tür zu Tür, um Geschädigte direkt anzusprechen und gezielt über die Vergabe von Spendenmitteln und staatlichem Geld zu informieren. Denn ein Jahr nach der Jahrhundertflut Nr. 2 sind noch vielerorts vor allen bei Privatleuten die Schäden nicht behoben. Viele leben in halbfertigen oder noch kahlen Wohnungen. Viele Kleinunternehmen ringen weiterhin um ihre Existenz und sind zermürbt von äußerst aufwendigen und bürokratischen Anträgen auf Unterstützung durch die Sächsische Aufbaubank. „Wir stellen jetzt auf Diakonie-Seite noch zusätzlich drei Mitarbeitende ein, die von Haus zu Haus gehen, um die Menschen zu beraten und zu ermutigen, staatliches Geld in Anspruch zu nehmen“, sagt Friedhelm Fürst, kaufmännischer Vorstand der Diakonie Sachsen. Denn die Auszahlung der Fluthilfen, die Bund und EU-Kommission in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt hatten, verläuft schleppend. Grund ist ein geändertes Verfahren, das die Antragstellung umfangreich und schwierig macht. Betroffene müssen für den Antrag auf Wiederaufbauhilfe viele Belege organisieren – beim Gutachter, bei der Gemeinde, bei der Versicherung. Die nötigen Informationen dazu aus dem Internet herunterzuladen und zu verstehen, ist nicht einfach – vor allem Ältere sind überfordert. Zudem wird bei der Auszahlung von Fluthilfen auf dem Erstattungsprinzip bestanden. So sind in Sachsen bisher lediglich 4160 Anträge (einschließlich der 800 Anträge von Kommunen) bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) eingegangen und 219 Millionen Euro wurden bewilligt. Zum Vergleich: Nach dem Hochwasser 2002 waren weit über 73 000 Anträge bei der SAB eingegangen. Die Diakonie Sachsen regt daher dringend eine Vereinfachung der Antragsformalitäten an.

Auch die Nachricht, dass die Aufbaubank derzeit noch 4.400 Rückforderungs-Verfahren mit einem Volumen von 77,6 Millionen aus dem Jahr 2002 bearbeitet, lässt Betroffene zögern, einen neuen Antrag zu stellen – umso mehr wenn sie selbst mit Rückforderungen konfrontiert sind. „Wo kein bewusster Betrug und kein Vorsatz vorlag, sondern Unwissenheit oder Unkenntnis der Grund sind, sollte auf Rückforderungen verzichtet werden. Das kann selbstverständlich nicht die SAB entscheiden, das muss die Politik entscheiden“, fordert Friedhelm Fürst. „Bei den allermeisten war ja damals keinerlei Vorsatz im Spiel. Sie haben damals – wie heute – einfach manche Vorgaben nicht verstanden, Belege nicht aufgehoben, Gelder falsch ausgegeben, oder manches dann doch in Eigenleistung erledigt. Diese Menschen sind jetzt völlig verzweifelt: Sie bekommen von der SAB kein Geld, von der Bank keinen Kredit und Versicherungen haben sie meist auch keine“, sagt Friedhelm Fürst.

Bislang unterstützte die Diakonie Sachsen mit Spenden 630 flutgeschädigte Haushalte mit insgesamt 2,5 Millionen Euro. Rund 100 Spendenanträge auf Wiederaufbauhilfe liegen noch zur Entscheidung im zentralen Fluthilfebüro der Diakonie Katastrophenhilfe in Magdeburg. Die Diakonie Sachsen fördert Geschädigte der Juni-Flut von 2013 weiterhin mit Spendenmitteln und unterstützt Bedürftige dabei, die komplizierten Anträge auf staatliche Förderung zu stellen. „Den Menschen Mut zu machen, den Antrag an die SAB trotz teilweise bestehender Rückforderungen aus 2002 dennoch zu stellen und durch entsprechende Unterlagen zu untersetzen, damit eine positive Bearbeitung erfolgt, ist echte Überzeugungsarbeit“, weiß Manuela Hermann.

Anträge auf Wiederaufbauhilfe aus Spendenmitteln können zum Beispiel auch bei den KirchenBezirksSozialarbeitsstellen der Diakonie abgegeben werden. Sie werden dann im zentralen Fluthilfebüro der Diakonie Katastrophenhilfe in Magdeburg bearbeitet. Dort gibt es außerdem Beratungen zu Fragen rund um den Wiederaufbau und Hilfe bei der Überwindung bürokratischer Hürden

Die Diakonie springt auch ein, wenn der 20-prozentige Eigenanteil bei der SAB-Förderung nicht geleistet werden kann. Gleiches gilt für Schäden unter 5.000 Euro, die von der SAB in der Regel nicht berücksichtigt werden. Auch wer selbstständig ein Gewerbe betreibt, kann eine Förderung bei Bedürftigkeit beantragen.

Die Diakonie Sachsen fordert im Sinne der Flutopfer die Landesregierung auf: „Das staatliche Geld ist vorhanden und sollte zu einer zügigen und nachhaltigen Schadensregulierung bei den betroffenen Personen genutzt werden. Die betroffenen Menschen brauchen mehr Aufmerksamkeit. Zudem kommen die Flutgelder auch dem heimischen Handwerk und dem Baugewerbe zugute!“

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