Diakonie Sachsen
Lehre auch in Werkstätten für Menschen mit Behinderung

01.09.2014 | „Bildung schafft Zukunft”: Diakonie startet Projekt zur anerkannten und zertifizierten beruflichen Qualifikation in Werkstätten für Menschen mit Behinderung

Menschen mit Lernschwierigkeiten und Handicaps, die eine Werkstatt für behinderte Menschen besuchen, haben das Recht auf eine angemessene berufliche Bildung. Trotzdem gab es bisher kaum Chancen, dort einen bundesweit anerkannten Berufsabschluss zu erwerben.

„Immer wieder äußern Schüler der Schule für geistig Behinderte den Wunsch, eine Lehre zu machen. Die hohen Anforderungen einer regulären Ausbildung können diese Jugendlichen aber nicht erfüllen und leider ist die berufliche Bildung in den Werkstätten auch nicht als Ausbildung anerkannt. Damit schließen wir aber eine große Anzahl von Jugendlichen aus dem Bildungssektor vollständig aus. Das soll jetzt anders werden“, erläutert Karen Kohlmann, zuständig für die berufliche Bildung in den Werkstätten der Leipziger Diakonie am Thonberg. Und zwar mit dem Projekt „Bildung schafft Zukunft!“, das die Diakonie Sachsen gestartet hat. Es soll Menschen mit Behinderung zu einer zertifizierten beruflichen Bildung auch in Werkstätten verhelfen.

Dazu werden bereits gemäß Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung anerkannte Ausbildungspläne unterschiedlicher Berufe in einzelne Bildungsmodule zerlegt und zertifiziert.

In der Praxis heißt das, dass die jeweiligen Bildungsinhalte einer Berufsausbildung so aufbereitet werden, dass sie auch für Menschen mit Behinderung in Werkstätten angewandt werden können: Die entstehenden Bildungsmodule sind kleinschrittig und bauen Schritt für Schritt aufeinander auf.

Ein Beispiel: In der Ausbildung zum Koch gibt es das Modul „Spülküche“ oder „Belegte Platten“. Wer dieses Modul erfolgreich abgeschlossen hat, wird zertifiziert und kann den nächsten Baustein einer Kochlehre angehen. Er wird nicht die gesamte Ausbildung zum fertigen Koch absolvieren und hat trotzdem über bestimmte Ausbildungsinhalte ein Zeugnis, das dem zukünftigen Arbeitgeber signalisiert, dass hier vergleichbare Bildungsinhalte mit Sicherheit erlernt wurden und beherrscht werden.

Karen Kohlmann als Projektleiterin freut sich: „Wir wollen für max. sieben Gewerke wie Reinigung, Wäscherei, Garten- und Landschaftsbau solch modularisierte Bildungsrahmenpläne erarbeiten, die sich auf die Inhalte der anerkannten Ausbildungsrahmenpläne beziehen. Mit der Industrie- und Handelskammer als auch der Handwerkskammer haben wir zwei starke und interessierte Partner für die Umsetzung des Vorhabens gewonnen und wir freuen uns sehr über die Aufgeschlossenheit!“

Werden die modularisierten Bildungspläne durch die Kammern und die anderen zuständigen Stellen gemäß Berufsbildungsgesetz anerkannt, bedeutet das für die berufliche Bildung in WfbM einen großen Schritt – und für die Menschen mit Behinderung auch.

„Sie erreichen damit eine Qualifizierungsebene mit der Anschlussfähigkeit an reguläre Ausbildungen: Anschlüsse durch Abschlüsse. Menschen mit Behinderung können so Bildungsbausteine aufbauend absolvieren und den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt leichter meistern. Denn, um im Beispiel zu bleiben: Für manchen Kantinenbetrieb ist ein begeisterter und motivierter Mitarbeiter, der nachweislich wunderbare Platten kreieren kann, an einem bestimmten Arbeitsplatz ein Gewinn. Die Behinderung spielt dann keine Rolle. Das ist Inklusion!,“ freut sich Karen Kohlmann.

Die Diakonie Sachsen bereichert mit diesem Projekt die Ausbildungslandschaft von Menschen mit Behinderung in Sachsen mit einem entscheidenden Baustein. „Zudem setzen wir einen wesentlichen Punkt der Handlungsempfehlung der Allianz zur Beschäftigungsförderung von Menschen mit Behinderung im Freistaat Sachsen zum Thema „Übergänge auf den allg. Arbeitsmarkt von Menschen mit Behinderung“ um“, so Kohlmann abschließend.

Hintergrund: Landesweit erhielten zum 31.12.2013 16.550 Beschäftigte und Rehabilitanden in 60 Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. 5614 davon in Werkstätten in diakonischer Trägerschaft. Leistungen mit dem Ziel der beruflichen Qualifizierung im Berufsbildungsbereich erhielten 465 Teilnehmer in den Werkstätten der Diakonie in Sachsen.

Das Projekt ist bei der Diakonische Leipziger gGmbH, Diakonie am Thonberg, angesiedelt.

Weitere Informationen: Karen Kohlmann, Diakonische Leipziger gGmbH Diakonie am Thonberg, Werkstatt für behinderte Menschen, Eichlerstraße 2, 04317 Leipzig, Telefon: 0341 2677-061.

 
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