Diakonie Sachsen

01.02.2013 | „Kokain des Ostens” weiter auf dem Vormarsch:

Diakonie Sachsen fordert Suchtprävention für Kinder und Jugendliche

Die Droge dämpft Angst und wer sie nimmt, fühlt sich gut, leistungsstark und unbesiegbar. Hunger, Durst und Schlaf sind 48 Stunden und länger kein Problem. Crystal ist einfach zu beschaffen und vergleichsweise billig. Dem „Kokain des Ostens“ verfallen in Sachsen – vor allem in den Landkreisen entlang der tschechischen Grenze – immer mehr Menschen. Die meisten von ihnen sind zwischen 20 und 30 Jahre alt.

„Wir haben in unseren 23 diakonischen Sucht-Beratungsstellen eine Zunahme der Crystal-Abhängigkeit um 45 % im Jahr 2012 gegenüber 2011 festgestellt. In den Landkreisen Zwickau, Bautzen und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge sogar um 70 % . Gegenüber 2010 hat sich die Anzahl der Hilfe suchenden Crystal-Klienten verdoppelt. Ein Drittel der rund 3500 ratsuchenden Personen in Sachsen sind Frauen – ein untypisch hoher Frauenanteil,“ sagt Helmut Bunde, zuständiger Referent der Diakonie Sachsen. „Und wir sehen ja nur die Spitze des Eisbergs, also diejenigen, die überhaupt nicht mehr weiter wissen. Und da es fast immer junge Leute sind, sind zunehmend auch kleine Kinder betroffen, die in diesen Haushalten leben – mit all den damit verbundenen Problemen und Folgen.“ Hier bedarf es einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Suchtkrankenhilfe, vor allem von konkreten Angeboten der Hilfe zur Erziehung und Soziapädagogischer Familienhilfe in den betroffenen Familien.

Diakonie-Chef Christian Schönfeld ist davon überzeugt, dass die Suchthilfe in Sachsen gestärkt und die Sucht-Prävention dringend ausgebaut werden muss, wenn in Zukunft Schlimmeres verhindert werden soll. „Es kann nicht nur darum gehen, die Suchthilfe zu erhalten. Der Freistaat muss vor allem in die Prävention investieren. Denn unsere Suchtberatungsstellen haben dazu keinerlei Kapazitäten mehr. Sie arbeiten aufgrund des steigenden Beratungsbedarfs ohnehin schon weit über ihre Belastungsgrenzen hinaus. Viele der Crystal-Abhängigen sind zudem mehrfach abhängig – zusätzlich noch von Alkohol oder Cannabis.“

Crystal, ein Stoff, der meist geschnupft wird, macht extrem schnell abhängig, oft bereits nach dem ersten Konsum. Er kann zu Hirninfarkten und Herzversagen führen, vor allem aber leiden Abhängige an Psychosen und Hirnschäden. Crystal tötet großflächig Nervenzellen ab, schon junge Betroffene haben daher Symptome wie bei Alzheimer. „Das macht bei ihnen den Beratungsprozess auch besonders schwierig und aufwändig. Diese jungen Leute wären eigentlich unsere Fachkräfte von morgen. Abgesehen von dem individuellen Leid, können wir es uns als extrem alternde Gesellschaft nicht leisten, so viele junge Menschen an diese zerstörerische Sucht zu verlieren“, ist Schönfeld überzeugt.

„Fachliche Erkenntnisse belegen, dass eine gezielte und frühe Suchtprävention eine spätere Abhängigkeit tatsächlich verhindern kann. Was wir heute an Prävention sparen, wird uns in zehn Jahren doppelt und dreifach auf die Füße fallen. Allein der hohe Frauenanteil im Vergleich zu anderen Klientengruppen erfordert bei Crystal einen spezifischen Präventionsansatz für junge Mädchen und Frauen.“

Schönfeld appelliert daher dringend an die Staatsregierung, die immer weiter zurückgehenden Mittel für die Suchtprävention wieder aufzustocken.

Weitere Informationen: Helmut Bunde, Tel.: 0351/8315-164

 
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