Diakonie Sachsen

10.12.2013 | Kein Raum in der Herberge Sachsen? Diakonie mahnt zu mehr Menschlichkeit in Asylfragen

Die Diakonie Sachsen nimmt den heutigen Tag der Menschenrechte zum Anlass, mehr Menschlichkeit in Asylfragen anzumahnen.

OKR Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie: „Für Christinnen und Christen fällt der Tag der Menschenrechte in eine besondere Zeit des Kirchenjahres: mitten in den Advent, traditionell einer Zeit der Buße und inneren Einkehr, die zur Menschwerdung Gottes hinführen soll. In diese Zeit der Zuwendung und Barmherzigkeit Gottes passen nicht Abschreckung und Vorwürfe als Parameter von Flüchtlings- und Asylpolitik, wie sie jüngst aus dem Innenministerium kamen. Die Diakonie hat vielfältige Erfahrungen mit Flüchtlingen und Vertriebenen, mit Asylsuchenden, Abschiebungsbedrohten, Abschiebungsgefangenen und Abgeschobenen. Wer kennt schon das Schicksal von Asylbewerbern? Wer kann sich in ihre Situation hineinversetzen? Vielleicht können wir uns noch an die Diskussionen im Freundeskreis in den 80er Jahren erinnern, wenn Freunde sagten, ihre Heimat verlassen zu müssen? Wer aus seiner Heimat flieht, lebt unter Druck, Angst, Einsamkeit, Verlassenheit. Wo bleibt bei Gegendruck die Fairness? Wo bleibt bei einer rigorosen Abschiebepraxis in Sachsen, die auch im Winter eiskalt durchgesetzt werden soll, die Menschlichkeit? Vor dem Hintergrund der vielfältigen bereichernden Erfahrungen mit Flüchtlingen und Vertriebenen - und das schon im 19. und 20. Jahrhundert in Sachsen - ist es unerträglich, wenn Sachsen sich nunmehr als Abschiebungsland Nummer eins rühmt. Nach den erst kürzlich erlebten Tragödien von Lampedusa und angesichts der wenigen syrischen Flüchtlinge, die Deutschland bereit ist aufzunehmen, ist es bestürzend, dass wir nicht Flüchtlinge schützen, sondern uns vor Flüchtlingen schützen wollen. Es ist beschämend, unter dem Weihnachtsbaum vergessen zu wollen, dass auch Maria, Josef und das Jesuskind auf die Flucht gehen mussten."

OKR Schönfeld verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Erklärung „Nächstenliebe und Gastfreundschaft“, die die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Freistaat Sachsen (ACK Sachsen) auf ihrer Delegiertenkonferenz am 14. November 2013 in Dresden verabschiedet hat. Angesichts von Protesten gegen die Einrichtung bzw. Erweiterung von Unterkünften für Asylbewerber in Sachsen ruft die ACK darin dazu auf, humanitäre Hilfe an Flüchtlingen zu leisten, sich ihrer Not nicht zu verschließen, sondern ihnen Hilfe und Zuwendung zukommen zu lassen.

Hintergrund: Der „Tag der Menschenrechte“ erinnert an die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 in Paris. 48 UN-Mitgliedstaaten stimmten für die Erklärung, Gegenstimmen gab es keine. Acht Länder, darunter die Sowjetunion, Saudi-Arabien und Südafrika, enthielten sich ihrer Stimme. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So lautet der erste Satz der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Diese besondere Menschenwürde ist unteilbar. Sie gilt allen Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Religion, Sprache, Geschlecht oder ethnischer Herkunft. Sie gilt allen Menschen, auch denen auf der Flucht vor Hunger, Umweltkatastrophen und Kriegen. Und sie gilt auch denen, die sich aufmachen, ihre Heimat verlassen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben und auf Arbeit.


 
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