Diakonie Sachsen
Gewinner und Jury bei der Verleihung des Diakonie Förderpreises „In guter Nachbarschaft”

09.11.2012 | Zur Nachahmung empfohlen: Diakonie Sachsen zeichnet Preisträger „In guter Nachbarschaft” aus

„Offene Augen sind das soziale Kapital jeder Gesellschaft - meinen Nächsten und Nachbar wahrnehmen und sehen: Wo werde ich gebraucht, wo kann ich mich einbringen?“ Diakonie-Chef Christian Schönfeld ist davon überzeugt, dass der demographische Wandel in Sachsen - neben ausreichenden gesetzlichen Leistungen - in Zukunft genau das erfordert: Menschen, die am Netz gegenseitiger Unterstützung alter und junger Menschen weiterknüpfen. „Deshalb haben wir als Wohlfahrtsverband der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens einen Förderpreis „In guter Nachbarschaft“ ausgeschrieben. Wir wollen neue Ideen, Kooperationen und Projekte zu einem besseren Miteinander der Generationen auszeichnen, fördern und bekanntmachen. Sie sollen Mut machen, Hoffnung vermitteln und dazu einladen, selbst aktiv zu werden“, so Schönfeld bei der heutigen Preisverleihung der mit 5000, 3000 und 2000 Euro dotierten Förderpreise in der Dreikönigskirche in Dresden. Es sei darum gegangen, zu zeigen, wie vielfältig und phantasiereich eine engagierte Mitgestaltung der Lebensbedingungen älterer Menschen vor Ort aussehen kann. Aus der Vielzahl der eingegangenen Bewerbungen hat eine fünfköpfige Jury drei Preisträger nominiert, die heute ausgezeichnet wurden. Die Preisgelder stifteten die Bank für Kirche und Diakonie – LKG Sachsen – sowie die Evangelische Kreditgenossenschaft eG. Die Schirmherrschaft übernahm der Liedermacher Gerhard Schöne.

1. Preis: Aktive Senioren Bautzen

Das Projekt ist bei der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Bautzen-Gesundbrunnen angesiedelt und besteht bereits seit 1994. Das Plattenbauviertel Gesundbrunnen ist ein sozialer Brennpunkt mit vielfältigen Herausforderungen. Das Projekt gliedert sich in zwei Bereiche: Senioren im Stadtteil werden in ihrem Alltag ehrenamtlich unterstützt. Sie erhalten Hilfen beim Einkaufen, bei der Hausordnung, kleineren handwerklichen Diensten oder der Ausgestaltung von Feiern. Gespräche über die jeweilige Lebenssituation und Besuche im Krankenhaus gehören dazu. Diese Arbeit koordininiert Silke Klare, die im Rahmen einer von der Kommune mitfinanzierten Stelle die Arbeit der Ehrenamtlichen koordiniert. Derzeit werden ca. 25 Senioren regelmäßig betreut.

Zusätzlich bietet die Kirchgemeinde im Mehrgenerationenhaus Angebote der Offenen Seniorenarbeit an, wie sie von den Senioren im Stadtteil selbst gewünscht werden: Monatliche Ausflüge, wöchentliche Spiel-Cafes mit den Kindern der Förderschule für geistig behinderte Kinder oder Spielkreise mit anschließendem Frühstück – wobei die Schüler selbst die Treffen vorbereiten. Regen Zuspruch findet außerdem das Lesecafe, zu dem auch interessierte Senioren aus dem Pflegeheim abgeholt werden. Kirchgemeinde und Bibliothek Bautzen betreiben dazu gemeinsam eine kleine Ausleihstation. Der Besuchsdienst der Kirchgemeinde besucht zudem regelmäßig vor allem Kranke und Einsame zu Hause und begleitet sie durch kleine Haushaltstätigkeiten oder Hilfen zum Leben wie Übersetzungshilfen für Aussiedlerdeutsche. zum Video

2. Preis: Begleit- und Besuchsdienst für Menschen mit Behinderung

Das Projekt trägt das Diakonische Werk der Inneren Mission Leipzig. Die Leitung hat die Sozialpädagogin Susann Hanske, die selbst blind ist und als einzige Hauptamtliche 60 (!) ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter koordiniert. Sie vermittelt Menschen mit Behinderung zuverlässige ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die beim Einkaufen, bei Spaziergängen und kulturellen Angeboten, oder zu Veranstaltungen von Kirchgemeinden begleiten, bei der Erledigung von Behörden- und Arztterminen zur Seite stehen, vorlesen oder einfach auch nur als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Ihre ehrenamtlich Mitarbeitenden sind zwischen 22 und 72 Jahre alt - vom Studenten bis zum aktiven Senior. Das ist wichtig, weil damit alle Tageszeiten abgedeckt werden können. Manche der Helfer sind nur in den Abendstunden im Einsatz, manche stehen für den ganzen Tag zur Verfügung. Zudem kommt damit eine enorme Vielfalt an Begabungen, Interessen und Lebenserfahrung zum Einsatz. Ihre Zielgruppe sind blinde Menschen oder auch allein lebende ältere Menschen, die durch Schlaganfälle, Diabetes oder andere Erkrankungen nun im höheren Lebensalter zu Menschen mit Behinderungen geworden sind. Auch Eltern, die selbst nicht mehr in der Lage sind, ein geistig behindertes, erwachsenes Kind, selbst zu pflegen, können in ihrem Alltag so unterstützt werden, dass sie zuhause wohnen bleiben können. zum Video

3. Preis Elbtaltreff - Nachbarschaften (er)leben

Eine Form gelungener Netzwerkarbeit ist auch der „Elbtaltreff – Nachbarschaften (er)leben“ in der Ernst-Scheller-Str. in Heidenau. Das Christliche Jugenddorf (CJD) Heidenau und die Wohnungsgenossenschaft Elbtal eG schlossen sich im Jahr 2007 zusammen, um eine quartiersbezogene Anlaufstelle für alle Mieter anbieten zu können: Um Vereinsamung alter Menschen aufzubrechen, Abwanderung junger zu verhindern und älteren Menschen sowie jungen - häufig einkommensarmen Familien, die jeweils notwendigen Unterstützungsangebote machen zu können. Sie alle sollten in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können und dies auch wollen. Auch Alltagsbedürfnisse wie haushaltsnahe Dienstleistungen, Reparaturen, Fachberatungen zu verschiedensten Themen werden vermittelt.

Als Grundgedanke und Motivation gelten Achtung und Wertschätzung, Hilfe zur Selbsthilfe und Gemeinsamkeit. Der bunte Mix aus Treffpunkt, Dienstleistungen, ehrenamtlicher und fachlicher Unterstützung und generationenübergreifendem Austausch ist ein voller Erfolg.

Die jugendlichen Teilnehmer der beim CJD angesiedelten Maßnahmen backen oft Kuchen für die regelmäßig stattfindenden Kaffeeklatsche der Senioren und bepflanzen sachkundig bei der alljährlichen Pflanzaktion die Balkone der älteren Herrschaften. Aktionen, die beide Seiten als enorm bereichernd erleben. Der Elbtaltreff verbesserte die Beziehungen der Nachbarn untereinander aber auch insgesamt – auftretende Konflikte können in aller Regel schnell beigelegt werden. Auch alle anderen Akteure im Quartier – ob Wanderverein, Selbsthilfegruppe, Tagesmütter usw. kennen und nutzen den Elbtaltreff als Schnittstelle. 5000 Nutzerinnen und Nutzer profitieren von diesem Zusammenschluss einer Wohnungsgenossenschaft und einem diakonischen Träger der Jugendhilfe. zum Video

 
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