Diakonie Sachsen

09.05.2012 | „Mehr Familie, weniger Einzelfall” – Diakonie Sachsen fordert familienbezogene Suchthilfe aus einer Hand

Schon immer stellten Eltern mit Suchtstörungen einen bedeutsamen Anteil der Klientel in der Suchthilfe. Doch dieser Anteil wächst – und sowohl die verantwortlichen suchtkranken Eltern als auch die betroffenen Kinder werden immer jünger. Sind Kinder für längere Zeit einer suchtbelasteten Situation in ihren Familien ausgesetzt, erhöht sich das Risiko deutlich, dass sie später in ihrem Leben selbst Sucht- oder andere psychische Störungen entwickeln.

Deshalb muss dem Schutz dieser Kinder eine Sonderstellung eingeräumt werden. Eltern mit Suchtstörungen haben jedoch besondere Hemmschwellen im Zugang zur Hilfe zu überwinden, egal ob sich diese Hemmung aus Scham, Schuld oder der Angst vor einem Eingriff in ihr Elternrecht speist.

Die Suchtberatung muss daher zusammen mit den Familien Erfolg versprechende Hilfeoptionen entwickeln und sie im Hilfeprozess begleiten. Wie einen familienbezogene Suchthilfe aussehen könnte, die die Ressourcen der suchtkranken Eltern in den Mittelpunkt stellt, wird heute im Rahmen des Fachtages „Elternwohl gleich Kindeswohl?!“ im Klinikum „St. Georg“ in Leipzig beleuchtet.

„Vor 15 bzw. 10 Jahren waren es vor allen Dingen alkoholkranke Väter und Mütter und deren Kinder, die im Fokus der Suchtberatung standen. Die diakonische Fachklinik Heidehof hatte daher bereits vor 15 Jahren einen Bereich 'Alkoholkranke Mütter und Väter mit Kindern' eingerichtet, wo sechs Mütter oder Väter und ihre Kinder aufgenommen werden konnten“, sagt Helmut Bunde, zuständiger Referent bei der Diakonie Sachsen und Vorstandsvorsitzender der sächsischen Landesstelle gegen Suchtgefahren.

Doch die Bedarfslage verändert sich: Die suchtkranken Mütter und Väter sind immer jünger, haben Kinder im Kleinkindalter und es geht weniger um Alkohol als um „neue“ Drogen. „2010 hatten 31 Prozent der Klienten, die neu in die Suchtberatungsstelle gekommen sind, Kinder unter 18 Jahren. Bei den Opiatkonsumenten sind es 40 %, die Kinder haben. Bei den Konsumenten von Stimulanzien – überwiegend Crystal – sind es 33 %. So lebten im Jahr 2010 1.551 Kinder unter 18 Jahren in den Haushalten der Klienten unserer Suchtberatungsstellen - d.h. je Beratungsstelle sind durchschnittlich ca. 30 Kinder mitbetroffen. Die Suchtkrankenhilfe hat diese Kinder zwar im Blick, kann aber aus Kapazitätsgründen nicht adäquat darauf reagieren“, bedauert Bunde.

„Es bedürfte dazu einer personellen Aufstockung und der Einbeziehung der Familienhilfe - nicht nur im Sinne einer Übermittlung oder Vernetzung, sondern einer gemeinsamen Arbeit“, ist Bunde überzeugt. Die Hilfen für suchtkranke Familien müssten künftig aus einer Hand kommen. Das heißt, die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sollten organisatorisch an das Suchthilfesystem „angedockt“ werden. „Die Suchthilfe muss dazu personell wieder aufgestockt und die Finanzmittel im neuen Doppelhaushalt erhöht werden“, so Bunde abschließend.

 
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