Diakonie Sachsen

01.03.2012 | „Bildung macht stark! – Hausaufgabenhilfe für Roma-Kinder”

Roma sind mit rund 3 Millionen Menschen die größte Minderheit Rumäniens. Sie leben meist in bitterster Armut und werden häufig ausgrenzt und diskriminiert. Viele sind Analphabeten und haben so wenig Chance auf Arbeit und Teilhabe.

Deshalb werden die Spenden der 19. Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ einem Projekt der Hausaufgabenhilfe für Roma-Kinder zufließen. „Wir beobachten seit Jahren bei den Menschen der jungen Roma-Kirche einen Wandel im Verständnis von Bildung: Sie haben begriffen, dass Bildung die einzige Chance ist, der Armut zu entrinnen. Doch dabei brauchen sie Unterstützung“, sagt Matthias Netwall, der am vergangenen Wochenende mit frischen Eindrücken aus Rumänien zurückgekommen ist. Netwall ist Koordinator des Bildungsprojekts und Geschäftsführer des Vereins „projekt LEBEN e.V.“ in Lauterbach (Sächsische Schweiz). Die Hausaufgabenhilfe wird in Gemeindezentren der Roma-Kirche organisiert und mit den Spendenmitteln unterstützt.

„Rumänien ist ein armes Land, das in den letzten zwanzig Jahren einen „brain-trust“ von fast 10 Prozent der Bevölkerung zu verkraften hatte. Viele Menschen müssen im Winter hungern, manche verhungern. Das Land steckt auch in einer tiefen Bildungskrise. So haben in 2011 nur 90 000 von ca. 200 000 Absolventen ihr Abitur geschafft – das sind nicht einmal 45%! In 27 Schulen sind die gesamten Jahrgänge durch die Prüfung gefallen“, berichtete Matthias Netwall im Rahmen der heutigen Pressekonferenz im „Haus an der Kreuzkirche“. Bildungsminister Daniel Euneriu habe erklärt, dass sich Rumänien am Scheideweg befinde. Mit Lohnsenkungen von 25 Prozent im öffentlichen Dienst, habe die Regierung zudem falsche Signale gesendet. Lehrer hätten die Konsequenz gezogen, dass schlechter Unterricht die eigenen Schüler am Nachmittag zu den besten bezahlten Nachhilfeschülern mache.

Umso wichtiger sei daher eine nachhaltige Förderung gerade der Roma-Kinder. „Die Kinder aus Sacele haben zwischen zwei und neun Geschwister. Manchmal bewohnt die ganze Familie nur einen Raum. Das gesamte Leben - Kochen, Waschen, Spielen, Schlafen, Essen - spielt sich im Winter auf 20 Quadratmetern ab. Da ist es nicht möglich, in Ruhe seine Hausaufgaben zu machen,“ weiß Netwall.

Aber die Kinder wollten genau das gerne. Die Vorbildwirkung älterer Geschwister, die mit finanzieller Unterstützung durch projekt LEBEN e.V. das Gymnasium besuchen bzw. ein Studium beginnen konnten, motiviere die Kinder enorm. Jeweils 65 Kinder der Klassen zwei bis fünf in den Gemeinden in Sacele und Budila nehmen an jedem Schultag das Angebot nur zu gerne an. Schon ganz kurze Zeit nach Beginn der Hausaufgabenhilfe seien in vielen Familien die Selbstheilungskräfte aktiviert worden: Die Erfahrung der Kinder und Jugendlichen „Ich kann ja was!“ und das damit verbundene Selbstbewußtsein wirke sich alle positiv auf alle Familienmitglieder aus.

Über das Projekt werden Kosten für die Mitarbeiterinnen, Strom, Heizung und Material bezahlt. Ein Eigenanteil wird aus Privatspenden finanziert bzw. werden Sachmittel zur Verfügung gestellt (Schreibgeräte, Schulmaterial etc.).

Bei einer möglichen Spendenerhöhung strebt der Verein an, dass die Kinder in den Monaten Januar bis März eine kleine Mahlzeit bekommen. „Nach dem Weihnachtsfest sind in vielen Familien die Vorräte aufgebraucht. Dann müssen die Kinder hungern,“ beendete Netwall seinen aktuellen Bericht.

„Wir Christen sind zur Hoffnung berufen und deshalb halten wir auch an der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ fest und wollen damit immer wieder Zeichen der Hoffnung setzen.“ OKR Friedemann Oehme, der auf seiten der Landeskirche die Aktion verantwortet, ermunterte abschließend dazu, für die Aktionen der kommenden Jahre neue unterstützenswerte Projekte einzureichen.

Hintergrundinformationen:

„Zeichen setzen für ein gerechtes Europa“ ist das Motto der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“. Ziel der 1994 gegründeten bundesweiten evangelischen Hilfsaktion war es, seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ an einer grundlegenden Verbesserung der Lebenssituation bedürftiger Menschen in Ost- und Südosteuropa mitzuwirken. Seit dem 01. Januar 2011 führen Landeskirche und Diakonie Sachsen die Aktion regional weiter.

Roma in Rumänien

Auch bei der letzten Volkszählung ließen sich viele Roma aus Angst vor Diskriminierung nicht als solche registrieren. Menschenrechtsorganisationen gehen von mindestens 3 Millionen Roma aus. Damit sind die Roma die größte Minderheit in Rumänien. Soziologen gehen davon aus, dass spätestens im Jahr 2020 mehr Roma als Rumänen geboren werden.

Roma-Kirche

Die Roma-Kirche hat aktuell ca. 750 Gemeinden im ganzen Land. Hinzu kommen einige Auslandsgemeinden in England, Schweden und Norwegen.

Mit ca. 130 000 erwachsenen Mitgliedern ist sie eine der größten Roma-Organisationen in Rumänien Sie hat etwa zehnmal mehr Mitglieder (ohne Kinder!) als die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien mit 13 300 Mitgliedern (2010).

Die Kirche ist landesweit in acht „Filialen“ aufgeteilt. Die Kirche wird von Pastor Vasile Ghica (Sacele bei Brasov) geleitet.

„Bildung macht stark! – Hausaufgabenhilfe für Roma-Kinder“

Die Kinder, die am Projekt teilnehmen, gehen in die zweite bis fünfte Klasse. Nur wer in die Schule geht, darf zur Hausaufgabenhilfe kommen.

Die fünfte Klasse ist für den Übergang in die Sekundarstufe besonders wichtig - eine Fremdsprache und naturwissenschaftliche Fächer kommen neu dazu.

Es wird angestrebt, die Hausaufgabenhilfe auf weitere Siedlungen auszudehnen. Nicht überall sind Möglichkeiten vorhanden, eine kontinuierliche Hausaufgabenhilfe durchzuführen. Das Projekt bleibt zunächst auf zwei Kreise (Brasov und Covasna) begrenzt.

In Budila können nicht alle Kinder eingeladen werden, weil die Raum- und Mitarbeiterkapazität nicht ausreicht. In der Siedlung leben ungefähr 1000 Kinder. Etwa für die Hälfte von ihnen wäre das Projekt wichtig.

Informationen zu projekt LEBEN e.V.

gegründet 1999 (8 Mitglieder); 2012: 39 Mitglieder aus ganz Deutschland

Vorsitzender: Tobias Hupfer Dresden, Mitarbeiter bei der Diakonie Pirna; Geschäftsführer: Matthias Netwall

Arbeitszweige:

Rumänien:

intensiver Kontakt zur Romakirche in Rumänien mit vier bis sechs Besuchen im Jahr

Bildungsprojekte:

  • Hausaufgabenhilfe
  • Bildungspatenschaften
  • Frauenseminare zu Gesundheits- und Erziehungsthemen
  • Diakonenschule – Kurswochen für kirchliche Mitarbeiter
  • theologische Studienbriefe

Projekte zur Existenzsicherung:

  • Backstube Sacele
  • Eine Ziege für Augustin

Biohof in Lauterbach:

  • Zweckbetrieb für langzeitarbeitslose Menschen
  • Tafelgärten
  • Aroniaplantage

Bildungs- und Kulturveranstaltungen:

  • Hoffest 05.05.2012
  • Konzerte der leisen Töne Oktober 2012 (Benefizkonzerte für Rumänienarbeit)
  • SpätLeseAbend
  • Regionaler Männerstammtisch
 
 
Es gibt viele Möglichkeiten sich freiwilligen zu engagieren!

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Projekt und Kurs „Demokratiestifter”

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