Diakonie Sachsen

16.08.2012 | Armut und Existenzängste machen krank

Lebenslagenbericht und Statistik 2011 der KirchenBezirksSozialarbeit liegen vor

„Armut und wirtschaftliche Notlagen setzen Familien aber auch Paaren und Alleinlebenden immer häufiger zu, weil zunehmend auch erwerbstätige Menschen nicht mehr von ihrem Arbeitseinkommen leben können. Die steigenden Nachfragen nach Beratung zu öffentlichen Leistungen und Existenz sichernden Hilfen aus kirchlichen Notlagenfonds, bei Tafeln, Kleiderkammern usw. sind ein sicheres Zeichen dafür, dass die Grundsicherung Armutslebenslagen nicht überwindet, sondern immer mehr verfestigt. Wer langfristig von Armut betroffen ist, spürt die Auswirkungen seines finanziellen Mangels in alle Lebensbereiche hinein: An erster Stelle im Gesundheitsbereich. Krankheiten wiederum verschärfen bestehende Armutslebenslagen“, fasst Rotraud Kießling, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen die Erfahrungen der 29 Fachstellen der Kirchenbezirkssozialarbeit im Jahr 2011 zusammen. 3655 Menschen – zählt man die in den Haushalten mit lebenden Personen mit, waren es 8440 Menschen -, die von 38 Mitarbeitenden Rat, Hilfe und Unterstützung erfuhren. In weit mehr als der Hälfte aller Beratungen ging es um die Sicherung der materiellen Existenz und die damit zusammenhängenden Probleme – allen voran Fragen der Gesundheit bzw. Krankheit.

Die Erkenntnis der Kirchenbezirksozialarbeiter lautet: Wo es an Einkommen, Perspektiven und Bildung fehlt, ist Krankheit eine häufige Begleiterin. Wer sich täglich Sorgen um seine Existenz machen muss – und um die seiner Familie, der ist physisch und psychisch enorm belastet. Dennoch gehen arme Menschen seltener zum Arzt. „Sie schreckt unter anderem die Praxisgebühr von zehn Euro ab. Sie drängen den Schmerz ins nächste Quartal und verschleppen so unter Umständen eine einfache Behandlung. Wer doch beim Arzt war, steht vor der nächsten Hürde: die Zuzahlungen für die verordneten Medikamente oder Hilfsmittel wie die Brille bezahlen zu müssen. Doch die sind bei armen Menschen meist so leer, dass der Gang zur Apotheke ausfällt.“

Besonders schwierig wird die Situation für die Beraterinnen und Berater immer dann, wenn gesetzlich verbriefte Rechtsansprüche einfach nicht umgesetzt werden. Fehlerhafte und unverständliche SGB-II-Bescheide, mangelnde Beratung zum Bildungs- und Teilhabepakt, die grundsätzliche erste Ablehnung von Mutter-Kind-Kuren, …

Neben der Beratung in solchen Fragen suchen die Klienten aber auch Entlastung, Austausch und Verständnis: Hilfen, um den Alltag besser bewältigen zu können.

„Betroffene haben alle Hände voll damit zu tun, ein Leben in Armut zu managen. Die Beratungsstellen der Diakonie sind dann häufig die einzige Anlaufstelle, die bleibt“, weiß Rotraud Kießling.

Die KirchenBezirksSozialarbeit (KBS) ist ein allgemeines und niedrigschwelliges soziales Beratungsangebot der Diakonie Sachsen. Es wird vollständig aus kirchlichen Eigenmitteln finanziert. „Der Bedarf nach niedrigschwelligen Anlaufstellen ist immens. Eigentlich sind Kommunen und Landkreise gesetzlich verpflichtet, solche allgemeinen sozialen Beratungsangebote vorzuhalten. Doch meistens tun sie es nicht. Wären da nicht die KBS-Stellen, wären Betroffene vor Ort völlig eingelassen. Unsere Hilfen können hier aber nur ausgleichend wirken. Es sind nachrangige Hilfen, die eine bedarfsgerechte staatliche Transferleistung in keinem Falle ersetzen können,“ resümiert Kießling ihren heute veröffentlichten Bericht.

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Tel.: 0351/8315-178.

Bericht und Statistik 2011 der KirchenBezirksSozialarbeit der Diakonie Sachsen sowie die bundesweite Umfrage zur Einlösung der SGB-II-Rechtsansprüche finden Sie als pdf-Dateien im Anhang.



 
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