Diakonie Sachsen
Menschlichkeit braucht Unterstützung

24.06.2011 | „...und wer rettet uns? Schuldnerberatung in der Krise!

Diakonie Sachsen legt zu Beginn der Aktionswoche ihre Bilanz der Schuldnerberatung 2010 vor

„Die Beratung überschuldeter Menschen ist eine notwendige und sinnvolle Hilfe: Notwendig, weil eine immer größere Zahl von Menschen so überschuldet ist, dass sie ohne eine qualifizierte Schuldnerberatung häufig keine Chance mehr hat, ihre aus der Überschuldung resultierenden Probleme zu lösen. Sinnvoll, weil die sozialen Kosten als Folge einer nicht bewältigten Überschuldung ungleich höher sind als die Kosten einer Beratung. Schon bisher war das Angebot der Schuldnerberatungsstellen völlig unzureichend - maximal zehn Prozent der betroffenen Haushalte können überhaupt beraten werden – dennoch wird der Schuldnerberatung in Sachsen immer weiter der Hals zugedreht.“ Rotraud Kießling, zuständige Referentin spricht damit an, dass in Sachsen seit dem 1. Januar 2011 die gesetzliche Finanzierung eines Teils der Schuldnerberatung, nämlich der Insolvenzberatung, weggefallen ist. „Die Förderrichtlinie, die nur eine Finanzierung je nach Haushaltslage vorsieht, war ein weiterer gravierender Einschnitt.“

3188 Einzelpersonen und Familien haben die 13 diakonischen Schuldnerberatungsstellen (SB) im vergangenen Jahr kontinuierlich beraten. Hinzu kamen 1046 Kurzberatungen. Über die Hälfte aller Hilfesuchenden waren Alleinerziehende oder Familien. So waren insgesamt 840 Kinder mit betroffen. „Für die Kinder sind die Notlagen sehr hart, da sie teilweise bereits in Haushalten lebten, in denen der Strom ausgeschaltet war und keinerlei Ressourcen mehr vorhanden waren.“ Als Hauptauslöser für eine Überschuldung nennt Kießling Arbeitslosigkeit, Sanktionen bei Jugendlichen und Bedarfsgemeinschaften, Scheidung, Trennung und Krankheit. Für Menschen in prekären Lebenslagen bedeuteten Mietschulden und Schulden bei Energieversorgern häufig einen weiteren Schritt in Richtung Überschuldung.

Die Schuldnerberatung könnte ihrer Ansicht nach einen weitaus größeren Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten und für eine bessere soziale Teilhabe von Überschuldeten sorgen. "Gerade die Präventionsarbeit der Schuldnerberatung, beispielsweise im Bereich der finanziellen Bildung, spielt eine Schlüsselrolle bei der Vermeidung und Bewältigung von Überschuldung. Diese Arbeit trägt wesentlich zur Armutsbekämpfung bei und nützt am Ende auch den öffentlichen Haushalten", betont Kießling. Doch schon die Kapazitäten für die notwendige Beratung seien in keinster Weise ausreichend. „Die Komplexität der Problemlagen bei den Betroffenen und sich häufig ändernde gesetzliche Grundlagen, immer kürzere Bewilligungszeiträume und schwer verständliche Bescheide binden Kapazitäten oft über lange Zeiträume und erschweren Neuaufnahmen. Von Prävention kann überhaupt keine Rede sein.“

Die bundesweite Aktionswoche der Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatungen vom 27. Juni bis 01.Juli 2011 hat daher in diesem Jahr das Thema “…und wer rettet uns? Schuldnerberatung in der Krise!”. Nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) ist ein Mindestbedarfsschlüssel von 2 Beratungsfachkräften je 50.000 Einwohner notwendig, soll eine ausreichende Kapazität, die auch Schuldenprävention umfasst, erreicht werden. In Sachsen würde dies einen Ausbau um mindestens 23 Schuldnerberatungsstellen – von derzeit 53 auf 76 SB - nach sich ziehen.

Der Verbund SB der Diakonie im Erzgebirge lädt am 29. Juni 2011, 15 Uhr herzlich in das „Haus der Hoffnung“ in Annaberg-Buchholz, Barbara-Uthmann-Ring, ein: Zu einer Begegnung mit Kommunalpolitikern, Betroffenen und SchuldnerberaterInnen. Überschuldete Menschen werden eigene Texte zur Thematik vorstellen.

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Tel.: 0351/8315-178.




 
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