Diakonie Sachsen
Menschlichkeit braucht Unterstützung

30.03.2011 | Noten für Pflegeeinrichtungen spiegeln die Lebensqualität der Gepflegten nur teilweise wider

Eine „Kultur der Wertschätzung und des Respekts“ in der Pflege alter Menschen haben die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen (Liga) gefordert. Die Gesellschaft habe die dringende Aufgabe die pflegerische Versorgung für die künftig wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen zu sichern, betonte die Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und derzeitige Vorsitzende der Liga, Beate Hennig, am heutigen Mittwoch bei einer Fachtagung der Verbände in Dresden. Unter dem Motto „Pflege nach Noten – wer spielt die erste Geige“ versammelte die Tagung rund 180 Akteure aus der Altenhilfe im Kulturrathaus der sächsischen Landeshauptstadt.

„Nur wenn sich der pflegebedürftige Mensch wohl fühlt, wenn er das bekommt, was für seine Lebensqualität wichtig ist, wird er gut gepflegt“, so Ulrich Grundmann, Referent für Altenhilfe bei der Diakonie Sachsen in seinem Abschlussreferat. Doch die bisher aufgestellten Kriterien zur Bewertung der Qualität von Pflegeeinrichtungen würden dem nur teilweise entsprechen. „Noten sind sinnvoll, wenn sie die Kernfrage beantworten: Geht es dem pflegebedürftigen Menschen gut?“ Die Liga sei der Überzeugung, dass ein „Gepflegtes Leben“ ausreichend Zeit brauche für den pflegebedürftigen Menschen. Doch in der Praxis stehe diese Zeit den Pflegekräften oft nicht zur Verfügung. Das frustriere beide Seiten. Hier sei ein breiter gesamtgesellschaftlicher Konsens nötig: Dass eine solidarische Finanzierung guter Pflege möglich sei.

Pflege mit Freude ist aus Sicht eines pflegebedürftigen Menschen und seiner Angehörigen die vorrangige Erwartung. Für die professionell Pflegenden ist das die unverzichtbare Bedingung, wenn er seinen Beruf gut, gerne und möglichst lange ausüben will.“ Insofern müssten einerseits die rechtlichen Rahmenbedingungen einschließlich der Finanzierung und einer zukunftsfähigen Pflegeausbildung gesichert sein und die Pflege selbst müsste andererseits mehr Anerkennung erfahren. „Während die Ärzteschaft traditionell höchste Anerkennung genießt, führt die Pflege bisher eher noch ein Schattendasein; sie hat keine Lobby und sie wird in der Öffentlichkeit zumeist nur im Zusammenhang mit Negativberichten wahrgenommen. Wenn sich junge Menschen für einen Beruf in der Pflege entscheiden sollen, dann müssen sie davon überzeugt sein, dass der Beruf ihnen Freude machen wird und dass ihnen die Tätigkeit – außer Anerkennung und leistungsgerechter Vergütung – auch berufliche Entwicklungsperspektiven bietet“, so Grundmann weiter.

Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege haben sich daher für eine grundlegende Reform der Pflegeausbildung in Deutschland ausgesprochen. Eine zukunftsfähige Gestaltung der Pflege müsse deshalb auch über das „Maß des Notwendigen“ hinausgehen. Dazu gehöre besonders, dass den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pflegeeinrichtungen genügend Zeit für pflegerische Aufgaben bleibe.

Hintergrund: Stichwort „Pflege nach Noten“:

Seit 1. Dezember 2009 gelten für die qualitative Beurteilung einer Pflegeeinrichtung die so genannten Heimnoten oder Pflegenoten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, Sie sollen Kunden oder Interessierte (Laien, zum Beispiel Angehörige auf der Suche nach einem Heimplatz) knappe Informationen darüber bieten, welche Qualität ein Pflegeheim oder Pflegedienst durch seine Dienstleistungen hat. Dazu prüfen stichprobenartig die Angestellten des MDK unangemeldet unterschiedliche Bereiche und bewerten diese. Am Schluss errechnet der MDK aus den Einzelbewertungen der Bereiche eine Gesamtnote. Allerdings sagen die „Pflegenoten“ nur zu einem Teil etwas über die Qualität der jeweiligen Pflege einer Institution aus. Das Gewicht der einzelnen Notenbestandteile ist letztlich am Ergebnis der veröffentlichten Noten nicht richtig erkennbar, was von Pflegeinrichtungen und Verbänden immer wieder kritisiert wird.

Hintergrund: Liga: Die Liga ist der Zusammenschluss der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen. Zur ihr gehören die Arbeiterwohlfahrt, der Caritasverband, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Die Freie Wohlfahrt in Sachsen beschäftigt rund 60.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sachsen.

 
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