Diakonie Sachsen
Menschlichkeit braucht Unterstützung

06.12.2011 | „Die Kürzungen werden uns teuer zu stehen kommen.”

Diakonie-Chef Christian Schönfeld heute in der Akademie Meißen

Pünktlich zum Nikolaus-Tag hat die Evangelische Akademie Meißen die Folgen der drastischen Kürzungen des Freistaates in der sächsischen Kinder- und Jugendhilfe unter die Lupe genommen. Fachkräfte und Akteure aus Berufspraxis, Administration und Politik diskutierten die Kürzungen, die in dürren Zahlen lauten: 147 Stellen mussten gestrichen werden, 20 waren es bei der Diakonie. Einige Träger stellten ihre Arbeit ganz ein, viele mussten ihre Angebote minimieren oder umstrukturieren.

Oberkirchenrat Christan Schönfeld, Chef der Diakonie Sachsen, bedauerte es in seinem Eingangsstatement, „dass wir in Sachsen dabei sind, uns neue Nöte schaffen. Denn die einfache Rechnung der Landesregierung ``weniger Jugendliche = weniger Arbeit` und damit weniger Geld, geht an Gegebenheiten und Notwendigkeiten völlig vorbei. Wir merken es in allen Bereichen: In den Anlaufstellen der Wohnungslosenhilfe, Schuldnerberatung, Suchtberatung – überall wächst der Bedarf an Beratung und Begleitung von Jugendlichen überproportional zu ihrem demographischen Anteil.“ Auch die Zahlen sprächen eine deutliche Sprache: „Jedes Jahr verlassen 9 Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluß. Mehr als ein Viertel der jungen Menschen leben in Armut, 51 716 Kinder und Jugendliche in Sachsen kommen aus Familien, wo die Eltern ALG II-Empfänger sind. Über 20 000 von ihnen im Alter bis 25 Jahren sind arbeitslos.“

Als Gründe nannte Schönfeld, die immer kleiner und immer weniger belastbar werdenden familiären Netzwerke, die auseinanderfallenden Milieus zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt und Land. „Gleichzeitig steigen die gesellschaftlichen Anforderungen an Leistung und Normalverhalten stetig an. Und gerade hier bei uns bestimmen wesentlich die Herkunftsfamilie und die dort herrschenden finanziellen Bedingungen über Teilhabe und Lebensperspektiven junger Menschen.“

Schönfeld berichtete von einer diakonischen stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, die in diesem Jahr 40 Anfragen von Jugendämtern erhalten habe auf Aufnahme von Kindern bzw. Jugendlichen. „Es konnten aus Platzgründen nur 6 Personen aufgenommen werden. Was im Bereich von Beratung und Begleitung jetzt durch Reduzierung von Personal vernachlässigt wird, das führt zu Folgekosten im stationären Bereich.“

Schönfeld nannte es politisch kurzsichtig, die Finanzierung der Jugendhilfe der demographischen Entwicklung anzupassen. „Seit etwa zehn Jahren müssen wir mit einer kontinuierlich zurückgehenden Landesförderung arbeiten – der letzte Schnitt war eine Verringerung um 30 Prozent im vergangenen Jahr.“ Das werde Konsequenzen haben. „Ich wünsche mir eine wissenschaftliche Evaluation darüber, welche Folgekosten aus den Einsparungen der Jugendhilfe entstehen und perspektivisch weiterhin entstehen werden. Ich bin überzeugt, dass allein aus fiskalischer Sicht die derzeitigen Sparmaßnahmen uns auf längere Zeit betrachtet teuer zu stehen kommen. Zugleich ist mir bewusst: Viel schlimmer sind die fehlenden positiven Einflüsse auf Biografien und Lebensläufe junger Menschen, unserer vielgerühmten Zukunft.“

Jugendarbeit müsse als Querschnittsaufgabe ins öffentliche Bewusstsein gelangen. Entwicklungsbedingte Probleme, Sucht, Kriminalität, Rechtsextremismus seien Herausforderungen, die alle angingen. „Die Offene Jugendarbeit in Sachsen muss sich neu erfinden und sie braucht eine verlässliche Finanzierung. Alles andere endet katastrophal“, so Schönfeld abschließend.

 
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