Diakonie Sachsen
Menschlichkeit braucht Unterstützung

15.07.2011 | Diakonie Sachsen: Wohnungslosigkeit – auch im Sommer ein Problem!

„Erst wenn es kalt wird, werden die Medien wieder aufmerksam. Jetzt ist noch Sommer und keiner kümmert sich darum, obwohl die Problematik der Wohnungslosigkeit sich dramatisch verschärft und hier unversorgte Bevölkerungskreise entstehen.“ Rotraud Kießling, bei der Diakonie Sachsen zuständige Referentin für Wohnungslosenhilfe, nimmt Bericht und Statistik 2010 der Wohnungslosenhilfe der Diakonie zum Anlass, um auf gravierende Missstände im Umgang mit der Wohnungslosigkeit in Sachsen hinzuweisen. „Die Zahl der Menschen, die schon obdachlos oder akut von Wohnungslosigkeit bedroht sind, wird in Sachsen nicht erfasst. Sie tauchen in keiner Statistik auf. Wer keine Wohnung hat, unterliegt nach sächsischem Meldegesetz auch nicht der Meldepflicht. Damit sind wohnungslose Menschen total ausgegrenzt. Verschärft wird diese Problematik noch dadurch, dass mit der Einführung des elektronischen Personalausweises die frühere Eintragsoption „ohne festen Wohnsitz“ weggefallen ist. Damit gibt es diese Menschen dann gar nicht mehr….“

Allein durch die verschärfte Sanktionspraxis für unter 25jährige, die von Hartz IV leben müssen, ist die Zahl der Wohnungslosen deutlich zu hoch. Jeder sechste Hilfesuchende – in Dresden sogar jeder dritte - war unter 25 Jahre alt und 64 % von ihnen hatten die Wohnung bereits verloren. Aber auch die pauschalierten Sätze der Kommunen für die Kosten der Unterkunft, die häufig nicht den wahren Wohnkosten entsprächen , trieben die Armutsspirale und damit die Wohnungslosigkeit weiter voran. Kießling erhebt in diesem Zusammenhang die „alte“ Forderung der Diakonie nach einer repressionsfreien Grundsicherung. „Sie ist das absolute Existenzminimum. Sie darf nicht noch durch Sanktionen gekürzt werden. Bereits 14 % aller Hilfesuchenden haben keinerlei Einkommen.“

„Allein die Zahlen der Diakonie – in 11 Hilfeangeboten wurden 2798 Menschen beraten und unterstützt, darunter sind auch 334 Kinder, - zeigen die Dramatik der Lage. Wohnungslosigkeit ist auch immer mit vielen anderen Problemen verbunden: Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Not, (psychische) Krankheit, Suchtproblematiken, kurz Armut und Ausgrenzung.“ Das Angebot an Beratung und der Zugang zu echten Hilfen sei in keiner Weise ausreichend.

„Besonders schlecht ist es um die gesundheitlichen Chancen von wohnungslosen Menschen bestellt. Krankheit und Sterblichkeit sind unter ihnen besonders hoch, weil sich der Zugang zu ärztlicher Versorgung als hochschwierig gestaltet. “

Doch jeder habe einen Anspruch auf Hilfe. Auch „Personen, bei denen besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sind“, wie das Sozialgesetzbuch XII Menschen beschreibt, die sich in Fußgängerzonen, Einkaufspassagen oder Unterführungen aufhalten, die auf Parkbänken, unter Brücken oder in abbruchreifen Häusern schlafen müssen. „13 Prozent aller Wohnungslosen machten Platte. Sie lebten also ohne soziale Kontakte irgendwo draußen - meist als Störung betrachtet und von öffentlichen Plätzen und Straßen vertrieben. Schon bevor das im Winter lebensbedrohlich wird, brauchen sie Hilfe. Am besten in aufsuchender Form. Doch Straßensozialarbeit wird in Sachsen so gut wie nirgendwo vom Kostenträger finanziert“, beklagt Kießling die Situation. „Hier ist politisches Umdenken nötig. Diese Menschen haben ein Recht auf Hilfe. Sie sind keineswegs nur als Opfer von Witterungsunbilden zu sehen, was eine Unterbringung im Obdachlosenheim und eine Versorgung in Suppenküchen und Kleiderkammern erforderlich macht. Und damit muss es dann auch gut sein. Nein, diese Menschen haben Rechtsansprüche und sie sind ihnen zu gewähren. Das Ziel muss die Überwindung der Lebenslage „wohnungslos“ und ein Leben ohne Hilfe sein.“

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Tel.: 0351/8315-178.

 
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