Diakonie Sachsen
Menschlichkeit braucht Unterstützung

08.09.2011 | Diakonie Sachsen: Solidarisch finanzierte menschenwürdige Pflege ist möglich!

„Wer die steigenden Kosten in der Pflege mit einer privaten Zusatzversicherung auffangen will, muss gleichzeitig sagen, wie er diejenigen absichern will, die diese gewünschte bzw. erforderliche Vorsorge finanziell nicht erbringen können. Vor allem im Osten Deutschlands mit überdurchschnittlich vielen Langzeitarbeitslosen und Niedriglohnempfängern würde diese Form der „Eigenverantwortung“ von einer wachsenden Zahl von Menschen nicht wahrgenommen werden können.“

Christian Schönfeld, Chef der Diakonie Sachsen, appelliert daher im Rahmen der derzeit laufenden Kontroversen um die überfällige Reform der Pflegeversicherung dringend an die politisch Verantwortlichen, die vorgeschlagene Einführung eines individuellen, obligatorischen Kapitalstocks als zweite Säule in der Pflegeversicherung wieder fallen zu lassen. „Benötigte Pflegeleistungen im Alter müssen unabhängig vom Kontostand des Einzelnen gewährt werden. Das gebieten Menschenwürde und Sozialstaatsgebot zwingend.“

Dass die Finanzierung der Pflegeversicherung auf neue Beine gestellt werden muss, sei angesichts der bereits bestehenden Unterfinanzierung und der in Zukunft erheblich wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen klar. Zudem müsste die noch bestehende Lücke in der bedarfsgerechten Versorgung und Unterstützung dementiell erkrankter Menschen endlich geschlossen werden. Eine Pflegereform, die den Namen verdiene, müsse den Pflegebedürftigkeitsbegriff neu definieren und die Ergebnis- und Lebensqualität der Betroffenen in den Vordergrund rücken.

„Aber wir müssen uns als Gesellschaft klar darüber werden, wie viel uns Pflege wert ist – erst dann kann über die Finanzierung entschieden werden. Die Pflegeversicherung genießt bisher eine hohe Akzeptanz und muss jetzt finanziell nachhaltig modernisiert werden.“ Das Diakonische Werk der EKD habe dazu eine Mischstrategie vorgeschlagen, die die Diakonie Sachsen mittrage: Demnach sollen zur Beitragsbemessung neben dem Arbeitsentgelt auch andere Einkommensarten wie Kapital- und Mieterträge herangezogen werden, ein kollektiver kapitalgedeckter Finanzstock aufgebaut werden, der ausschließlich der Finanzierung der Pflege diene, und gegebenenfalls die Beiträge paritätisch erhöht werden.

„Die Zeit drängt. Die Reform muss raus aus dem Sog ökonomischer Erwägungen und sich den dringend gebotenen inhaltlichen Verbesserungen stellen. Ansonsten ist es um die Zukunft der Pflegebedürftigen und um die Gewinnung des erforderlichen Pflegekräftenachwuchs schlecht bestellt“, so Schönfeld abschließend.

Weitere Informationen: Die Forderungen der Diakonie zur Reform der Pflegeversicherung finden Sie hier.

 
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