Diakonie Sachsen
Menschlichkeit braucht Unterstützung

16.03.2011 | Christliche Wohlfahrtsverbände: Rückbau des Sozialstaats befördert eine „Kultur des Wegschauens”- Caritasrat und Diakonischer Rat treffen sich zum zweiten Mal

Eine öffentliche Debatte über den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft haben die beiden großen christlichen Wohlfahrtsverbände in Sachsen, Caritas und Diakonie, gefordert. Dabei müsse nach Antworten gesucht werden, „was uns soziale Arbeit in Sachsen ,wert’ ist“, heißt es in einem gemeinsamen Papier, das der Diakonische Rat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und der Caritasrat im Bistum Dresden-Meißen am 16. März in Radebeul verabschiedet haben. Die höchsten Gremien der beiden christlichen Wohlfahrtsverbände trafen sich zum zweiten Mal in ihrer Geschichte. Im Mittelpunkt der Beratungen, an dem auch der evangelische Landesbischof Jochen Bohl sowie der Chef der Sächsischen Staatskanzlei, Karl Johannes Beerman (CDU), teilnahmen, stand die Zukunft der sozialen Arbeit in Sachsen. „Soziale Arbeit wird verstärkt nachgefragt: Die Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft hin zu immer mehr Individualisierung bei gleichzeitigem Nachlassen der Kompetenzen, das eigene Leben zu bewältigen, belegen, dass sie auch gebraucht wird. Ihr kommt eine hohe Bedeutung zu“, bekräftigte der Landesbischof in seinem Eingangsreferat. Staatsminister Beermann schätzte die Rolle der Wohlfahrtsverbände in diesem Zusammenhang als „wertvoll und unverzichtbar“, weil sie einen wichtigen Beitrag dazu leisteten, den Kitt, den die Familien häufig nicht mehr böten, teilweise zu ersetzen.

Caritas und Diakonie riefen in ihrem Papier weiterhin dazu auf, besonders die Teilhabechancen benachteiligter Menschen und Gruppen zu verbessern. Ein Rückbau des Sozialstaats und eine zu „einseitig geforderte Eigenverantwortung im Umgang mit allgemeinen Lebensrisiken“ befördere eine „Kultur des Wegschauens.“ Soziale Angebote müssten jeden Menschen unabhängig von seiner Herkunft und seiner Religion zugänglich gemacht werden. Soziale Arbeit sei darauf gerichtet, die Würde des Einzelnen zu stärken. Soziale Gerechtigkeit sei Voraussetzung „für die Akzeptanz von Demokratie“.

Die beiden christlichen Wohlfahrtsverbände warnen zudem vor einer verstärkten Ökonomisierung der Sozialwirtschaft. Ein „rigides effizienz- und wirtschaftsorientiertes Denken“ gehe zu Lasten derjenigen, die auf soziale Angebote angewiesen sind. „Wir erwarten von den politisch Verantwortlichen, dass sie im Blick auf die vielfältigen Herausforderungen sozialer Arbeit durch entsprechende Regelungen ordnend in das Geschehen eingreifen und den Rahmen für qualifizierte soziale Arbeit festlegen“, heißt es im Papier der Verbände. Dazu gehöre auch, die Bedingungen für soziale Berufe so zu gestalten, dass sie für junge Menschen attraktiver werden.


 
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