Diakonie Sachsen
Menschlichkeit braucht Unterstützung

13.05.2011 | Armutslebenslagen in Sachsen verschärfen und verfestigen sich

Lebenslagenbericht und Statistik 2010 der KirchenBezirksSozialarbeit liegen vor

Sie sind selbst schuld, können zu wenig, kümmern sich nicht um ihre Kinder, vertrinken die Stütze und ruhen sich in der sozialen Hängematte aus – das sind die entwertenden und zunehmend pauschalen Bilder, die in den Medien gezeichnet werden, wenn es um arme oder langzeitarbeitslose Menschen geht.

Die Erfahrungen der KirchenBezirksSozialarbeit (KBS) sind ganz andere: „Wirtschaftliche Notlagen setzen den Familien immer mehr zu. Wer langfristig oder gar dauerhaft von Armut betroffen ist, spürt die Auswirkungen seines finanziellen Mangels in alle Lebensbereiche hinein: In Gesundheit, Bildung, Wohnung, Kultur und Freizeit und in seinem gesamten sozialen Nahraum. Betroffene haben alle Hände voll damit zu tun, ein Leben in Armut zu managen. Armut und soziale Ausgrenzung bedingen sich gegenseitig. Die Beratungsstellen der Diakonie sind dann häufig die einzige Anlaufstelle, die bleibt“, weiß Rotraud Kießling, verantwortliche Referentin bei der Diakonie Sachsen.

Die KirchenBezirksSozialarbeit ist ein allgemeines und niedrigschwelliges soziales Beratungsangebot der Diakonie Sachsen. Es wird vollständig aus kirchlichen Eigenmitteln finanziert. „Der Bedarf nach niedrigschwelligen Anlaufstellen ist immens. Eigentlich sind Kommunen und Landkreise gesetzlich verpflichtet, solche allgemeinen sozialen Beratungsangebote vorzuhalten. Doch meistens tun sie es nicht. Wären da nicht die KBS-Stellen, wären Betroffene vor Ort völlig eingelassen“, so Kießling weiter.

4.238 Menschen – zählt man die in den Haushalten mit lebenden Personen mit, waren es 10. 535 -, die in den 29 Fachstellen von 38 Mitarbeitenden Rat, Hilfe und Unterstützung erfuhren. In weit mehr als der Hälfte aller Beratungen ging es um die Sicherung der materiellen Existenz und die damit zusammenhängenden Probleme.

„Die steigenden Nachfragen nach Beratung und Existenz sichernden Hilfen aus kirchlichen Notlagenfonds, bei Tafeln, Kleiderkammern usw. sind ein sicheres Zeichen dafür, dass die Grundsicherung Armutslebenslagen nicht überwindet, sondern immer mehr verfestigt. Konstrukte wie die Bedarfsgemeinschaften oder das Auszugsverbot für Jugendliche verschlimmern die Lage häufig noch. Dazu kommen diejenigen, die zwar arbeiten, aber von ihrem Niedriglohn-Einkommen nicht leben können. Unsere Hilfen können hier aber nur ausgleichend wirken. Es sind nachrangige Hilfen, die eine bedarfsgerechte staatliche Transferleistung in keinem Falle ersetzen können,“ so Kießling weiter.

Die Leute bewiesen immer wieder eine hohe Kompetenz, selbst in schwierigsten Lebenslagen klar zu kommen, aber die Probleme, die im Zusammenhang mit zu wenig Geld entstehen können – drohender Verlust der Wohnung, Gesundheit, Bildung, Partnerschaft, Schulden, soziale Ausgrenzung -, seien dann manchmal einfach zu komplex. „Menschen verstummen dann, fühlen sich in einer ausweglosen Situation gefangen und schauen nur noch nach untern und nicht mehr nach vorne. Insofern ist es gut, dass sie sich dann an uns wenden. Dennoch ist es nicht zu akzeptieren, dass viele dieser Notlagen nur deshalb entstehen, weil die sozialpolitischen Rahmenbedingungen längst nicht mehr stimmen“, resümiert Kießling ihren heute veröffentlichten Bericht.

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Tel.: 0351/8315-178.


 
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