Diakonie Sachsen
Menschlichkeit braucht Unterstützung

24.02.2011 | 38 Familienhebammen für Sachsen ausgebildet – wie geht es weiter?

Fachforum am 1. März 2011 ab 14 Uhr in der Diakonischen Akademie Moritzburg

Gemeinsam mit dem sächsischen Hebammenverband hat das Sächsische Sozialministerium bei der Diakonischen Akademie für Fort – und Weiterbildung vor zwei Jahren das Fortbildungsprogramm zur Familienhebamme gestartet. Seitdem haben insgesamt 38 Hebammen die Fortbildung erfolgreich absolviert. Sie erhalten im Rahmen des Fachforums ihre Zertifikate überreicht.

Immer wiederkehrenden Schreckensmeldungen über vernachlässigte oder tot aufgefundene Säuglinge verstören. „Wenn Mütter und Väter nicht in der Lage sind, ihren elementaren Pflichten nachzukommen, darf uns das nicht nur erschüttern. Es muss uns dazu bringen, alles Erdenkliche zu tun, damit so etwas nicht passiert“, sagt Grit Kretschmar-Zimmer, erste Vorsitzende Sächsischen Hebammenverbandes. Deshalb seien Familienhebammen als Lotsinnen in der Umbruchsituation von Schwangerschaft, Geburt und erstem Lebensjahr des Kindes so wichtig. Es sei der beste Ansatz, um die Elternkompetenzen zu stärken. „Wir haben den intimsten Zugang zu den Müttern und wissen um ihre Sorgen, Nöte und Probleme. Uns können sie vertrauen und das tun sie auch.“

Familienhebammen gehören zu den wenigen aufsuchenden sozialen Diensten und werden immer häufiger nachgefragt. Sie betreuen Mütter und Kinder bis zum 1. Geburtstag des Kindes. Schwierige psychosoziale Lagen wie Armut oder Alleinerzieherschaft verunsichern und überfordern gerade junge Eltern. „Die häufigsten Gründe, warum Kinder durch Erwachsene zu Schaden kommen, sind Vernachlässigung und Misshandlung. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet, weil sie auf eine zuverlässige Versorgung und kontinuierliche Fürsorge angewiesen sind. Viele Eltern benötigen dabei Unterstützung und Anleitung. Frühe Hilfen sind für ein gesundes Aufwachsen von Kindern enorm wichtig,“ weiß Sabine Egermann, die in Schwarzenberg als Hebamme arbeitet. „Mit ihren Komm- und Bringangeboten erreichen Familienhebammen gerade solche Familien, die von sich aus keine Hilfe in Anspruch nehmen würden und öffentlichen Einrichtungen skeptisch gegenüber stehen. Wir bilden eine wichtige Brücke zwischen Eltern und sozialen und medizinischen Institutionen, leisten wertvolle Arbeit zur Stärkung der Familie und zum Schutz der Kinder und sind ein Baustein in der Prävention.“

Doch wie geht es jetzt weiter? „Wir stehen bereit, jeder will uns, aber wer uns eigentlich bezahlen soll, ist unklar,“ sagt Kretschmar-Zimmer. Die Krankenkasse bezahlt lediglich in den ersten 10 Tagen nach der Geburt einen täglichen Besuch, danach 16 weitere. Wer aber für die Kosten einer einjährigen Betreuung durch Familienhebammen einstehen soll, ist ungeklärt. Als Träger der Jugendhilfe sind eigentlich die Landkreise zuständig. Doch die halten sich bedeckt, weil eine Zuordnung der Leistungen von Familienhebammen nach dem Sozialgesetzbuch nicht vorliegt. Als verantwortliche Vertragspartner der Hebammen wären aber auch die Gesundheitsämter, die Krankenkassen und das Sozialministerium selbst in der Pflicht. Auch ein Musterhonorarvertrag fehlt. Viel Zündstoff also für das Fachforum, zu dem wir Sie herzlich einladen!

Hinweis für die Redaktionen: Ihre Gesprächspartner werden sein:

Grit Kretschmar-Zimmer, 1. Vorsitzende des Sächsischen Hebammenverbandes e.V.,

Andrea Hilpmann, Beauftragte für Familienhebammen im Sächsischen Hebammenverband e.V.

Susanne Meves, Leiterin der Leitstelle für Gleichstellung von Frau und Mann; Familie und Gesellschaft im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz,

Christine Demme, Abteilungsleiterin des Amtärztlichen Dienstes Leipzig,

Claus Lippmann, Leiter des Jugendamtes Dresden

Günther Refle, Netzwerk für Kinderschutz Sachsen

 
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