Diakonie Sachsen
Diakonie in Sachsen der soziale Dienst der Ev.-Luth. Landeskirche in Sachsen

18.06.2010 | Verschuldet, überschuldet und allein gelassen: Geschäfte mit der Armut

Zum Auftakt der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung 2010 zum Thema „Geschäfte mit der Armut“, die vom 19. bis 25. Juni 2010 stattfindet, hat die Diakonie Sachsen die aktuelle Statistik ihrer Schuldnerberatungsstellen vorgelegt.
Wichtigste Ergebnisse: Die Zahl der überschuldeten Haushalte einschließlich der darin lebenden Kinder steigt, überproportional betroffen von der Schuldenfalle sind Jugendliche. Und: Es gibt viel zu wenige soziale Schuldnerberatungsstellen im Freistaat. Nur 15 Prozent der Betroffenen erreichen das zentrale Hilfeangebot einer gemeinnützigen Schuldnerberatung. Angesichts der verzweifelten Situation überschuldeter Verbraucher haben dann unseriöse Kreditvermittler bzw. so genannte kostenpflichtige Schuldenregulierer leichtes Spiel – mit dem „Erfolg“, dass die Verschuldung noch einmal steigt.

„In unseren Beratungsstellen geht es häufig darum, wie der Lebensunterhalt überhaupt noch gesichert werden kann. Das eigentliche Ziel der Beratung, gangbare Wege aus der Überschuldung zurück in eine Entschuldung zu finden, tritt völlig zurück“, weiß Rotraud Kießling, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen. Weit über die Hälfte aller Ratsuchenden leben von Hartz-IV oder sind Aufstocker. „Viele Lücken entstehen durch falsche Bescheide, die rechtswidrige Praxis der Aufrechnung von Mietkaution, die Konstruktion von Bedarfsgemeinschaften und durch den insgesamt zu niedrig angesetzten Regelsatz“, kritisiert Kießling.

Angesichts der dramatischen Situation der Betroffenen und der völlig unzureichenden Hilfen ist es für die Diakonie Sachsen daher völlig unverständlich, dass der Freistaat jetzt auch die bisherige Finanzierung der Insolvenzberatung auf eine Förderrichtlinie umstellen will. „Insolvenzberatung ist ein Rechtsanspruch. Die Finanzierung in das Belieben einer Förderung zu stellen, ist nicht zielführend“, sagt Kießling. „Insolvenzberatung als ergänzendes Angebot ist zwar für die meisten Hilfesuchenden nicht die Lösung. Aber da der Freistaat ohnehin nur noch InsO-Stellen finanziert hat und die sozialen Schuldnerberatungsstellen nicht fördert, wird sich die jetzt schon völlig unzureichende Beratungssituation noch weiter verschärfen.“

„Es fehlen seitens der Landesregierung wirksame Konzepte gegen die Überschuldung. Dazu ist es notwendig, eine aussagefähige Statistik für überschuldete Haushalte einzuführen und die Zahl der Schuldnerberatungsstellen entsprechend auszubauen“, appelliert daher Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie Sachsen, an die Landesregierung. Folgen müssten eine gesetzliche Verankerung des Rechtes auf ein Girokonto und die Zurücknahme aller Pläne, die Pfändungsschutzgrenzen noch weiter abzusenken.

Sorgen mache der Diakonie auch die überproportionale Zunahme jugendlicher Schuldner unter 27 Jahre: Der Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung liegt bei 15 Prozent. Mit 27 Prozent aller Fälle sind sie aber überdurchschnittlich stark von Überschuldung betroffen. „Lebenswege in die Verschuldung beginnen meist unspektakulär: Statt des erwarteten Lohnanstiegs kommt plötzlich die Arbeitslosigkeit. Doch das Geld war schon mit einem Superrabatt oder einer angenehmen Ratenzahlung verplant.“ Besonders junge Menschen bräuchten finanzielle Bildung. In diesem Zusammenhang kritisiert Schönfeld,

dass Maßnahmen der Prävention in Form von finanzieller Bildung und die Einrichtung einer zentralen Fachstelle „Schuldenprävention“ ebenfalls den aktuellen Sparplänen der Regierung zum Opfer gefallen sind.

Die 13 diakonischen Schuldnerberatungsstellen mit vier Nebenstellen haben im Berichtszeitraum 4843 Betroffene beraten (Vorjahr 4302). Dazu kamen 553 InsO-Fälle (Vorjahr 431). In den betroffenen Haushalten, die bei der Diakonie Hilfe suchten, lebten 891 Kinder (Vorjahr 727)..

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Tel. : 0351/8315-178.

Hinweis an die Redaktionen: Die aktuelle Statistik der diakonischen Schuldnerberatungsstellen finden Sie hier

 
Es gibt viele Möglichkeiten sich freiwilligen zu engagieren!

Ab sofort auch refugees welcome!

Beratung für Menschen in Wohnungsnot
Projekt und Kurs „Demokratiestifter”

Projekt und Kurs zum "Demokratiestifter in Sachsen"

Arbeit finanzieren, statt Arbeitslosigkeit

Evangelische Online-Beratung