Diakonie Sachsen
Diakonie in Sachsen der soziale Dienst der Ev.-Luth. Landeskirche in Sachsen

11.06.2010 | Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung: Ein Spiegel der sozialen Verhältnisse in Sachsen

Die Zahl der Beratungen in den 20 anerkannten Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen der Diakonie ist auch im Jahr 2009 wieder geringfügig gestiegen. Ingesamt suchten 12.643 Personen in 25006 Beratungsgesprächen Antworten auf drängende Fragen wie: „Kann ich mir ein Kind überhaupt leisten?“ „Verliere ich den Job, wenn ich ein Kind bekomme?“ „Wovon sollen wir leben?“ „Was bedeutet dieser pränatale Befund wirklich?“

Auffallend ist, dass arbeitslose Frauen mit 33 Prozent den größten Anteil der Ratsuchenden einnehmen. Viele von ihnen suchten eine Beratungsstelle auf, weil sie durch die Schwangerschaft in eine prekäre finanzielle und schwierige familiäre Situation gerieten. „Es schmerzt unsere Beraterinnen sehr, wenn sie erleben, dass die Freude auf´s Kind von der Angst um die finanzielle Zukunft oder um den Job eingeschränkt wird“, sagt Wilfried Jeutner, zuständiger Referent der Diakonie Sachsen. Es bestehe ein hoher Informations- und Klärungsbedarf zu Elternzeit, Elterngeld, Landeserziehungsgeld sowie zu sozialrechtlichen Themen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt.

„Dass gerade Familien und Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug jetzt das Elterngeld vollständig gestrichen werden soll, verdeutlicht die gesellschaftliche Entwertung, die solche Familien erfahren und wird die ohnehin schon um sich greifende Perspektivlosigkeit weiter verschärfen.“

Abgenommen habe die Zahl der minderjährigen Schwangeren. „Was den Beraterinnen der Diakonie aber zunehmend auffällt, sind junge Frauen über 18 Jahre, die nicht erwerbstätig sind bzw. sich in überbetrieblichen Bildungsmaßnahmen befinden und aufgrund mangelnder beruflicher Perspektiven gerade in Schwangerschaft und Mutterschaft eine Art „Ausweg“ suchen. Dabei ist es beunruhigend zu sehen, dass ihre Bindungs- und Beziehungsfähigkeit unterentwickelt ist. Sie benötigen vielmehr Unterstützung“, so Jeutner weiter.

Die Zunahme prekärer Lebenslagen spiegelt auch die Tatsache wider, dass die Kosten für Verhütungsmittel bei arbeitslosen jungen Frauen oder Hartz-IV-Empfängerinnen häufig nur mit Mühe aufgebracht werden können. „Monat für Monat das Geld für die Pille zu zahlen, fällt bei so knappen Etats häufig nicht leicht. Die Krankenkassen zahlen nur bis zum 21. Lebensjahr. Eine Überprüfung dieser Praxis wäre sinnvoll, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern“, ist sich Wilfried Jeutner sicher.

Die Arbeit zeige, dass die Beratungsstellen für Frauen eine unersetzliche Unterstützung bedeuten: Egal ob es um Fragen der Schwangerschaft, der finanziellen Hilfen und Rechtsansprüche, der Familienplanung oder der Verhütung gehe.

Weitere Informationen: Wilfried Jeutner, Tel.: 0351/8315-180.

 
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