Diakonie Sachsen
Diakonie in Sachsen der soziale Dienst der Ev.-Luth. Landeskirche in Sachsen

22.10.2010 | KirchenBezirksSozialarbeit: „Die Notlagen verschärfen sich“ – Diakoniebeauftragte als „Sehende“ in den Kirchgemeinden

„Wie kann ich meine materielle Existenz sichern?“ Das ist die am häufigsten gestellte Frage, wenn Menschen in die Beratungsstellen der KirchenBezirksSozialarbeit (KBS) kommen: „Weit mehr als die Hälfte aller Ratsuchenden haben diese Frage, allen voran Familien mit Kindern und Alleinerziehende. Erst dann kommen Fragen zur Gesundheitsvorsorge oder Krankheit, zu Lebenskrisen oder zu Problemen mit Ämtern und Behörden“, sagt Rotraud Kießling, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen. Die KirchenBezirksSozialberatung ist ein allgemeines und niedrigschwelliges soziales Beratungsangebot der Diakonie Sachsen. Es wird vollständig aus kirchlichen Eigenmitteln finanziert. „Der Bedarf nach niedrigschwelligen Anlaufstellen ist immens. Eigentlich sind Kommunen und Landkreise gesetzlich verpflichtet, solche allgemeinen sozialen Beratungsangebote vorzuhalten. Doch meistens tun sie es nicht. Wären da nicht die KBS-Stellen, wären Betroffene vor Ort völlig eingelassen“, so Kießling weiter.

Der heute veröffentlichte PDF-DokumentLebenslagenbericht und die Statistik der KBS 2009 weist aus, dass in den 29 Beratungsstellen 4.273 Ratsuchende Hilfe und Unterstützung gefunden haben – rechnet man ihre 3.414 Partner und 4.405 Kinder hinzu, waren das 12 092 Menschen. Neben der Beratung zu Existenz sichernden Maßnahmen standen die Vergabe und die Vermittlung finanzieller und Sachhilfen sowie die Vermittlung von Vorsorge- und Reha-Leistungen im Vordergrund. „Die zunehmende Nachfrage nach zivilgesellschaftlich organisierten Maßnahmen wie Kleiderkammern und Suppenküchen zur Armutslinderung bestätigen uns, dass sich die Notlagen weiter verschärfen. Das liegt zum einen an der zu niedrigen Grundsicherung, aber auch an der Ausweitung des Niedriglohnbereichs – immerhin konnten 16 Prozent der erwerbstätigen Arbeitnehmer ihr Existenzminimum nur durch zusätzliche SBG-Leistungen sichern. Zusätzlich tragen die besonders scharfen Sanktionsregelungen für Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren immer häufiger zu einer Eskalation ihrer ohnehin schon prekären Lebenssituation bei.“

„Die KBS-Mitarbeitenden erleben immer häufiger, dass die persönlichen Ressourcen der Hilfesuchenden nicht mehr ausreichen, um sich aus eigener Kraft aus den bestehenden Notlagen herauszuarbeiten. So bleiben viele Notlagen unerkannt. Hier liegt eine große Herausforderung für Kirchgemeinden, die eine Brückenfunktion in ihren Vierteln, Wohnquartieren und Dörfern wahrnehmen.“ Christian Schönfeld, Chef der Diakonie Sachsen, hat daher gemeinsam mit der Ehrenamtsakademie der Landeskirche am kommenden Samstag, 23. Oktober, alle ehrenamtlich tätigen Diakoniebeauftragten und die Diakonieausschüsse zu einem Bildungstag nach Dresden eingeladen. „Diakoniebeauftragte sind quasi die „Sehenden“: Es gibt viele Möglichkeiten, Notlagen von Menschen zu erkennen. Hinweise auf Armut gibt es etwa im Kindergarten: Kinder kommen ohne Frühstück, nehmen an kostenpflichtigen Veranstaltungen nicht teil oder Eltern zahlen ihre Beiträge nicht. Auch in der Konfirmandenarbeit können Unterrichtende Armut und Nöte von Jugendlichen wahrnehmen. Und bei Hausbesuchen kann man viel über die Lebenssituation und die Nöte von Menschen erfahren. Oft ist es nicht nur materielle Bedürftigkeit, sondern große seelische Not wie Einsamkeit, Ängste usw..“ Für alle Nöte aber gelte „Sieh hin - wisse - und handle!“

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Tel.: 0351/8315-178.

 
Es gibt viele Möglichkeiten sich freiwilligen zu engagieren!

Ab sofort auch refugees welcome!

Beratung für Menschen in Wohnungsnot
Projekt und Kurs „Demokratiestifter”

Projekt und Kurs zum "Demokratiestifter in Sachsen"

Arbeit finanzieren, statt Arbeitslosigkeit

Evangelische Online-Beratung