Diakonie Sachsen
Diakonie in Sachsen der soziale Dienst der Ev.-Luth. Landeskirche in Sachsen

09.03.2010 | Das Persönliche Budget – (K)ein Buch mit sieben Siegeln


Zukunftsweisend und praxisnah sollte es sein: Das Persönliche Budget, das Menschen mit Behinderung eine möglichst selbständige Lebensführung und eine gleichberechtigte Teilhabe sichern sollte. Doch die Hürden der Umsetzung sind hoch und die Zahl der tatsächlichen Budgetnehmer ist gemessen an den möglichen Persönlichen Budgets nach wie vor beschämend niedrig. 483 Beratungen zum Persönlichen Budget fanden im Projektzeitraum statt, 80 Persönliche Budgets wurden beantragt, 35 bewilligt. Warum das so ist, und wie es geändert werden könnte, darüber sprachen heute zum ersten mal auf einer gemeinsamen Konferenz Budgetnehmer und solche, die es werden wollen, mit den Verantwortlichen in Behörden und Verwaltungen.

„Es geht uns heute darum, Informationslücken zu schließen, mehr Verständnis für einander zu entwickeln und endlich einmal über Inhalte statt immer nur übers Geld zu reden – wobei schon klar ist, dass das Persönliche Budget nicht als Sparmodell gesehen werden sollte!“, sagte Christian Schönfeld, Chef der Diakonie Sachsen, bei seiner Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Schirmherrschaft für die Konferenz hatte Sozialministerin Christine Clauß übernommen.

Das Persönliche Budget soll für jeden Menschen unabhängig von der Schwere seiner Behinderung eine möglichst selbständige Lebensführung ermöglichen. Die im Konferenzverlauf geäußerten Erfahrungen zeichneten aber ein anderes Bild: Weil ein transparentes und standardisiertes Hilfebedarfsermittlungsverfahren fehlt, liegt es häufig im Ermessen des jeweiligen Sachbearbeiters, welche Leistungen er für nötig und richtig befindet für den behinderten Menschen, der ihm da gegenüber sitzt. Auch kommt es vor, dass Budgetbescheide drei Monate oder länger auf sich warten lassen und der betroffene Antragsteller in der Zwischenzeit überhaupt keine Leistungen erhält. Oder der Bescheid sehr viel niedriger liegt als der beantragte Bedarf und eine dafür nachvollziehbare Begründung fehlt. All das verunsichert Menschen mit Behinderungen. „Deshalb ist es so wichtig, dass Kostenträger und sozialpolitisch Verantwortliche sich mit den Betroffenen über diese Erfahrungen austauschen. Ich bin überzeugt, dass wir in den Begegnungen feststellen werden: Jeder von uns – egal ob wir nun mit oder ohne Behinderung leben – hat Träume und Wünsche ans Leben, die oftmals gar nicht so verschieden voneinander sind. Hinter jedem Antrag zum Persönlichen Budget steht ein Mensch mit Rechten, Bedürfnissen und Wünschen. Wenn es uns mit Hilfe dieser Debatte gelingt, fachliche Kompetenz, gesundes Augenmaß und persönliche Verantwortungsbereitschaft als Qualitätskriterien für die Bewilligung und Erbringung von Hilfen festzuzurren, haben wir einen wichtigen Schritt in Richtung soziale Gerechtigkeit getan“, so Schönfeld abschließend.

Stichwort Persönliches Budget: Beim Persönlichen Budget werden die sozialen Leistungen für Menschen mit Behinderungen nicht mehr in Form von Sachleistungen zur Verfügung gestellt, sondern ein Geldbetrag ermittelt, mit dem sich der Leistungsberechtigte seine individuell für ihn nötigen Hilfen selbst organisieren und einkaufen kann. Mit dem Persönlichen Budget ändert sich die Stellung der Menschen mit Behinderungen, die Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen: Sie werden zu Kunden, die sich bewusst für einzelne Angebote und Anbieter entscheiden können. So bedeutet das PB, mehr Einfluß auf die Art und Weise, den Ort und den Zeitpunkt der notwendigen Hilfen zu haben. Das Persönliche Budget ist seit Januar 2008 als Rechtsanspruch abgesichert, wird aber aufgrund großer Unsicherheiten und Informationsdefizite nur selten beantragt.

 
Es gibt viele Möglichkeiten sich freiwilligen zu engagieren!

Ab sofort auch refugees welcome!

Beratung für Menschen in Wohnungsnot
Projekt und Kurs „Demokratiestifter”

Projekt und Kurs zum "Demokratiestifter in Sachsen"

Arbeit finanzieren, statt Arbeitslosigkeit

Evangelische Online-Beratung