Diakonie Sachsen
In der Nächsten Nähe - Mein Beruf ist, Menschen Wärme entgegenzubringen.

17.07.2015 | Wichtig, aber fast unerreichbar: Urlaub für einkommensarme Familien

Diakonie Sachsen legt Lebenslagenerhebung 2015 der KirchenBezirksSozialarbeit vor

Trotz guter Konjunktur und historisch niedriger Arbeitslosenzahlen haben sich die Armutslebenslagen in Sachsen nicht verbessert. Denn nach wie vor ist die Sicherung der materiellen Existenz das Hauptthema der Beratung in den 29 Beratungsstellen der KirchenBezirksSozialarbeit (KBS) der Diakonie Sachsen. Insgesamt wurden dort im Jahr 2014 4108 Hilfesuchende statistisch erfasst und zu diesem Thema beraten.

Eng verknüpft damit war die Unterstützung bei rechtlichen Fragen, beim Umgang mit Ämtern und Behörden sowie Arbeitslosigkeit. Vor allem bei Anträgen, die die finanzielle Situation entspannen und verbessern sollten, waren Hilfen nötig: SGB-II-Leistungen, Wohngeld, Lastenzuschuss, Bildungs- und Teilhabepaket, Kirchlicher Hilfsfonds für Menschen in Not, Stiftungsanträge und Anträge zur Überprüfung von behördlichen Bescheiden. In engem Zusammenhang mit den permanenten finanziellen Sorgen stehen deutlich erhöhte gesundheitliche Belastungen wie Erschöpfungssyndrom, Schlafstörungen, Angstzustände oder eine akute Belastungsreaktion. So stellten dieses Jahr wieder 1343 Frauen einen Kurantrag (Vorjahr 1152). „Manchmal hilft die Aussicht auf eine Auszeit von einem Alltag voller Sorgen schon weiter“, sagt Rotraud Kießling zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen.

Die KBS hält daher den Einsatz für Frauen und Familien nach wie vor für sehr wichtig und dringt darauf, die Möglichkeiten der Familienerholung wieder in vollem Umfang anzubieten. Denn nach den Sommerferien wird die Schere zwischen Arm und Reich besonders deutlich: „Während die einen von tollen Urlaubsreisen berichten, können Eltern und Kinder aus einkommensarmen Familien meist nicht viel von den Ferien erzählen. Familien, die nicht genug Geld haben, um den Kindern dringend benötigte Sandalen für den Sommer zu kaufen, brauchen an Urlaubsreisen gar nicht erst zu denken. Das ist für Kinder schlimm, denn ihnen wird die Erfahrung vorenthalten, Neues zu entdecken und die Eltern selbst bräuchten ebenfalls dringend eine Auszeit von ihrem häufig prekären, und von dauernden finanziellen Nöten überschatteten Alltag“, beschreibt Kießling die Lage nicht weniger Familien in Sachsen.

Um diese armutstypische Isolation aufzubrechen, gibt es in Sachsen zwar seit dem Doppelhaushalt 2015/16 wieder die Förderung der Familienerholung als familienstärkendes Angebot. „Allerdings wurde nur ein Viertel der Summe eingestellt, die noch vor 5 Jahren bereit stand und auch dringend gebraucht würde,“ so Kießling weiter.

Der Diakonie erscheinen beim Thema Familienförderung neben der zu geringen Fördersumme weitere Punkte als änderungsbedürftig: „Zum einen, dass die Familien, die den Antrag stellen, das Geld erst nach ihrem Urlaub bekommen, also in Vorleistung gehen müssen. Gerade das aber können sie ja nicht. Zum zweiten sind die Fördersätze seit der Einführung des Euro, also seit über 13 Jahren, gleich geblieben, während die Kosten für die Unterkünfte und Verpflegung deutlich gestiegen sind. Und zum dritten werden Bezieher von eigenem Einkommen und SGB-II- Bezieher ungleich behandelt: Während bei den einen das Bruttoeinkommen zugrundgelegt wird, wird bei den anderen nur der reine Regelsatz zugrundgelegt – in der Praxis heißt das, dass diejenigen, die trotz Arbeit noch Hartz-IV Ergänzungsleistungen bekommen, bereits über der Einkommensgrenze liegen. Das aber ist nicht im Sinne der Familienförderung, denn gerade diese Familien benötigen den Zuschuss zur Familienerholung dringend.“ Die Diakonie Sachsen macht sich daher für eine geänderte Richtlinie für das Förderverfahren stark.

Hintergrund: Die KBS bietet ohne jede Zugangsbeschränkung eine erste allgemeine soziale und unabhängige Beratung und ein offenes Ohr. Für Menschen in komplexen Problemlagen übernehmen die Beraterinnen und Berater Lotsenfunktion, d.h. sie koordinieren Hilfemöglichkeiten und vermitteln an spezialisierte Beratungsstellen weiter. Die 29 Fachstellen sind gut erreichbar, arbeiten mittlerweile aber längst über der Kapazitätsgrenze. Jedes Diakonische Werk im Kirchenbezirk und jede Stadtmission hält eine Fachstelle vor, z. T. mit Außenstellen

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Offene Sozialarbeit, Tel.: 0351/8315-178.

 
Es gibt viele Möglichkeiten sich freiwilligen zu engagieren!

Ab sofort auch refugees welcome!

Beratung für Menschen in Wohnungsnot
Projekt und Kurs „Demokratiestifter”

Projekt und Kurs zum "Demokratiestifter in Sachsen"

Arbeit finanzieren, statt Arbeitslosigkeit

Evangelische Online-Beratung