Diakonie Sachsen
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14.09.2016 | Wegschauen hilft nicht – Diakonie Sachsen fordert landesweite Strategie gegen Wohnungsnot

Lebenslagenerhebung 2016 der diakonischen Wohnungsnotfallhilfe belegt weitere Zuspitzung

„Wir sagen es warnend Jahr um Jahr: Die Wohnungsnot in Sachsen spitzt sich immer weiter zu! Unsere diakonieinternen Zahlen belegen das. So hatten wir in 2015 in unseren Beratungsstellen und im Betreuten Wohnen mehr als 3.000 Menschen in Beratung, die sich in Wohnungsnot befanden oder es noch sind. (2015: 2821; 2004: 1.537). Auch 450 Kinder waren betroffen. Aber es passiert absolut nichts. Damit wird geltendes Recht verletzt, nicht zuletzt das in der Verfassung verankerte Recht (Artikel 7) auf angemessenen Wohnraum und nicht einmal die im Koalitionsvertrag zugesagte Statistik über den Umfang der Wohnungsnot und der Sozialbericht sind auf dem Weg, ganz zu schweigen von sozialem Wohnungsbau, für den der Freistaat vom Bund doch seit Jahren Gelder erhält!“ Rotraud Kießling, zuständige Referentin, bei der Diakonie Sachsen, versteht nicht, warum der Freistaat die soziale Absicherung von Wohnraum – sie ist eine Kernaufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge – weiterhin ignoriert. „Es ist doch offenkundig, dass es für Menschen mit niedrigem Einkommen oder in besonderen sozialen Nöten immer schwieriger wird, eine bezahlbare Wohnung zu finden oder zu halten. Ganz besonders in den Ballungsgebieten, aber selbst in den Landkreisen gibt es nicht genügend Wohnungen, die beispielsweise im Rahmen der Angemessenheitsgrenzen für SGB-II-Beziehende zugänglich wären. Die Zahl der Wohnungsnotfälle, Zwangsräumungen und Energieabschaltungen steigen und steigen.“

Als Gründe nennt Kießling geringe Einkommen, Krankheit, Isolation, Altersarmut, keine ausreichende Berücksichtigung der tatsächlichen Energiekosten oder Sanktionen des Job-Centers beim Regelsatz. Das alles könne schnell zu Mietschulden führen und damit zum Wohnungsverlust. „Ist die Wohnung aber erst einmal weg und der Mensch auf der Straße gelandet, ist es für die Betroffenen schwer, ohne Unterstützung und Beratung wieder festen Fuß zu fassen!“

Nach der jüngsten Lebenslagenerhebung sind die meisten Hilfesuchenden (51 Prozent) bereits wohnungslos oder der Wohnungsverlust steht akut bevor (19 Prozent), wenn sie in die Beratung kommen. Mehr als ein Drittel sind Frauen und es sind doppelt so viele junge Menschen betroffen (12 Prozent) wie ihr Anteil an Sachsens Bevölkerung beträgt (6 Prozent). Das gilt sogar noch in der Altersgruppe der 25-34-Jährigen: 32 zu 15 Prozent. Die meisten sind allein stehend und ohne Arbeit, die Hälfte erhält SGB-II-Leistungen, 15 Prozent haben gar kein Einkommen.

„Die Wohnung ist grundlegender Bestandteil eines menschenwürdigen Lebens und das Recht auf Wohnen muss eingelöst werden. Deshalb können nicht alle Wohnungen ausschließlich eine Ware sein, bei der Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen“, ist Kießling überzeugt.

Die Diakonie Sachsen fordert daher, die im Koalitionsvertrages von 2014 formulierten Absichten anzupacken: Eine landesweite Statistik über den Umfang der Wohnungsnot sowie eine Berichterstattung zu Notlagen und Armut zu beginnen, den sozialen Wohnungsbau wieder aufzunehmen, eine sächsische Richtlinie zum Wohnraumförderungsgesetz zu erarbeiten und ein landesweites Konzept gegen Wohnungsnot zu erstellen.


Hintergrund: Wohnungsnotfallhilfe Diakonie Sachsen

Die Wohnungslosenhilfe der Diakonie Sachsen hat sich in Wohnungsnotfallhilfe Diakonie Sachsen umbenannt. Die Bezeichnung entspricht dem in der Realität bestehenden Hilfeangebot eher, weil sie auch noch wohnende Menschen in Not begrifflich mit einschließt. Sie nimmt damit den vom Deutschen Städte- und Gemeindetag bereits 1987 geprägten Begriff der Wohnungsnot auf. An der inhaltlichen Arbeit ändert die Umbenennung nichts: Die Diakonie Sachsen bietet Hilfe für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen in verschiedenen Formen auf Grundlage von §§ 67 ff SGB XII an: Dazu gehören acht Fachberatungsstellen, aber auch sechs Tagesaufenthaltsstätten mit Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Gelegenheit zum Wäschewaschen, Trocknen, zur Körperpflege oder auch zur Zubereitung von warmen Mahlzeiten. Darüber hinaus bieten Einrichtungen Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten oder betreutes Wohnen sowie Straßensozialarbeit an.

Die aktuelle Lebenslagenerhebung finden Sie als pdf-Datei im Anhang.


Weitere Informationen:

Rotraud Kießling, Tel.: 0351/8315-178, rotraud.kiessling@diakonie-sachsen.de

 
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