Diakonie Sachsen
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19.04.2017 | Schwangere Frauen sind in Sachsen wieder häufiger im Konflikt

Nach Jahren sinkender Beratungen im Schwangerschaftskonflikt  sind die Zahl der Konfliktberatungen  und damit verbunden auch die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Sachsen wieder angestiegen: So wurden in den 19 diakonischen Schwangerschaft- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen im vergangenen Jahr 1878 Fälle mit 2033 Gesprächen begleitet (2015: 1671 Fälle mit 1805 Gesprächen). Als Beratungsanlässe wurden dabei am häufigsten psychische/physische Überforderung (43%),  kein aktuell bestehender Kinderwunsch (40%) und Schwierigkeiten in der Partnerbeziehung (33%) genannt.  Besonders interessant daran ist, dass die früher wichtige „finanzielle Situation“ als Konfliktgrund  jetzt von der  „physische/psychische Überforderung“  verdrängt wurde.

Die Entwicklung in Sachsen verläuft damit gegenläufig zum bundesweiten Trend: Während die Zahl der Abbrüche bundesweit von 99 237 (2015) auf 98 721 (2016) gesunken ist, ist sie in Sachsen von 5083 (2015) auf 5 368 (2016) gestiegen. „Die eine eindeutige Erklärung gibt es dafür nicht. Was unsere Beraterinnen signalisieren, deutet auf komplexe Ursachen hin: Es sind die gestiegenen Ansprüche, was den eigenen Kindern geboten werden soll oder glaubt ihnen heute als selbstverständlich bieten zu müssen und dabei die eigenen Möglichkeiten überfordert . Andererseits  reichen die seelischen Ressourcen nicht aus“, sagt Wilfried Jeutner, zuständiger Referent bei der Diakonie Sachsen. „In manchen Fällen wird  ein drittes oder viertes Kind als Überforderung empfunden. Und obwohl die finanzielle Ausstattung - auch durch den Mindestlohn und die zurückgehende Arbeitslosigkeit - etwas günstiger aussieht, ist die finanziell angespannte Situation häufig doch ein Grund.“

Insgesamt begleiteten im Jahr 2016 die Beraterinnen der Diakonie in  11.000 Fällen (2015: 10.835) 12.194 Personen (2015: 11.995)  mit  23.725 Gesprächen (2015: 24.091).  In der sozialen Beratung waren die am häufigsten genannten Gründe für die Beratung (Mehrfachnennungen waren möglich) die finanzielle Situation (65%), die familiäre Situation (32%) und die psychische/physische Überforderung (26%).

„Besonders wenn werdende Eltern mit komplexen Multiproblemlagen wie Drogenproblemen oder psychischen Auffälligkeiten in die Beratung kommen, erfordert das seitens der Beraterinnen einen hohen Zeit – und Energieaufwand. Neben dem psychosozialen Beratungsbedarf besteht ein hoher Vernetzungsaufwand mit anderen Kooperationspartnern wie Job-Center, Netzwerken Kinderschutz und Suchtberatungsstellen. Höherer Unterstützungsbedarf entsteht aber  immer wieder auch bei drängenden finanziellen Sorgen, steigendem Druck, Familie und Beruf zu vereinbaren oder der Angst, den Job zu verlieren“, beschreibt Wilfried Jeutner die Gründe, weshalb schwangere Frauen immer häufiger Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen aufsuchen.  „Die Beratungsstellen sind Seismographen für gesellschaftliche Entwicklungen und weisen auf die Brüchigkeit von familiären Beziehungen .“

Auch die Zahl der Personen mit Migrationshintergrund bzw. Asylbewerberinnen stieg im Jahr 2016  im Vergleich zum Vorjahr deutlich: Von 564  auf 816  Fälle in der sozialen Beratung zu allen Fragen bei Schwangerschaft und Geburt. Darunter auch die Fälle von Personen mit Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz: Sie stiegen von 239 Fällen im Jahr 2015 auf 425 Fälle.

Eine besondere Herausforderung ist in diesem Zusammenhang neben Verständigungsproblemen der Umgang mit anderen Kulturen. Auch in der Konfliktberatung nehmen die Schwangeren mit Migrationshintergrund und Asylsuchende zu.

Weitere Informationen: Wilfried Jeutner, Tel.: 0351/8315-180.

 
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