Diakonie Sachsen
In der Nächsten Nähe - Mein Beruf ist, Menschen Wärme entgegenzubringen.

26.11.2015 | Nur stabile Paare gründen auch eine stabile Familie!

Diakonie Sachsen plädiert für einen Rechtsanspruch auf Paar-, Ehe- und Lebensberatung als familienpolitische Leistung

Familienpolitische Maßnahmen sind in aller Munde, doch am Anfang jeder Familie steht das Paar. Die Bereitschaft, sich zu binden und diese Bindung auch in Krisen nicht vorschnell zu Lasten aller wieder zu kündigen, braucht Unterstützungsangebote, wie sie die Ehe- und Lebensberatung vorhält. „Doch das ist bei den politisch Verantwortlichen nicht im Blick. Paarbildung gilt als reine Privatsache. Dabei hat „Paare stärken“ etwas mit gesellschaftlicher Zukunft zu tun. Selbst wer nur rein volkswirtschaftlich denkt, sollte von den Ergebnissen unserer Untersuchungen nachdenklich gestimmt werden: Die Qualität der Paarbeziehung hat neben der persönlichen und individuellen auch eine gesellschaftliche Dimension. Es kann uns als Gesellschaft nicht egal sein, wie es Paaren geht. Hier präventiv, also stärkend und stützend einzugreifen, damit Bindung gelingt, ist auch ein zutiefst politischer Anspruch“, sagt Dr. Franz Thurmaier vom Institut für Forschung und Ausbildung in Kommunikationstherapie e.V. in München. Er stellte im Rahmen eines gemeinsamen Fachtages der Katholischen und Evangelischen Ehe- Lebens- und Familienberatungsstellen kürzlich in Dresden Ergebnisse vor, die deutlich zeigen, dass Paare, die präventiv Bildungs- und Beratungsangebote in Anspruch genommen haben, sich fünfmal weniger trennen oder scheiden lassen als andere Paare.

„Was sich scheinbar ganz privat in den Familien abspielt, hat auch Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Leben“, sagt Annette Buschmann, Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Stadtmission Chemnitz.

Die erfahrenen Ehe- und Lebensberaterin macht die Bedeutung der Paarbeziehung für die Gesellschaft an folgenden Punkten deutlich: „Da wäre erstens die sinkende Geburtenrate zu nennen. Nur Paare, die eine stabile Beziehung haben, haben überhaupt einen Kinderwunsch und verwirklichen ihn dann auch. 92% aller Erwachsenen nennen eine stabile Paarbeziehung als Voraussetzung für ein Kind. Und nur wenn die Paarbeziehung stimmt, geht es auch den Kindern gut. Partnerschaftskonflikte haben massive Auswirkungen auf die Kinder des Paares. Oft reagieren sie verstört auf die Situation ihrer Eltern und werden dann als auffällig oder gestört wahrgenommen.“

Und Therapeut Thurmaier ergänzt: „Ganz schlimm wird es, wenn es dann zu Trennung und Scheidung kommt. Die Scheidungs- und Trennungsfolgenkosten sorgen auch im Gesundheitssystem für eine Kostenexplosion: Herz-Kreislauferkrankungen, Suchterkrankungen, Depressionen bei den Erwachsenen, psychische Störungen schon bei Grundschulkindern. Und: In jedem dritten Scheidungsfall wird ein Partner zum Sozialhilfefall und gerät mit seinen Kindern in die Armutsfalle.“

„Jeder Euro, der in die präventive Beratungsarbeit von Paaren gesteckt wird, die Hilfe suchen, wäre eine unglaublich rentable Investition“, ist sich Diakonie-Chef Christian Schönfeld sicher und plädiert daher für einen Rechtsanspruch auf diese Form der Beratung. „Es gibt ihn ja auch bei der Erziehungsberatung. Das ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Aber wenn diese in Anspruch genommen wird, da ist das Kind ja oft buchstäblich schon in den Brunnen gefallen. Die vielen Inobhutnahmen von Kindern, die Begleitung vieler hochstrittiger Paare beweist es. Was tut die Gesellschaft also dafür, dass die Paare, die bei uns Schlange stehen, auch die Hilfe bekommen, die sie brauchen? Warum herrscht hier kollektives Wegschauen? Ehe- und Lebensberatung hat die geringste öffentliche Förderung. Die Politik tut so, als wäre der Erhalt der Paarbeziehung reine Privatsache. So ist es aber nicht. Natürlich geht es zuerst darum, individuelles Leid und die Erfahrung von Scheitern und Bruch zu verhindern. Aber es geht auch darum, die gesellschaftlichen Kosten von Scheidung und Trennung zu minimieren!“

Zumal die Ursachen für das Scheitern von Paarbeziehung auch häufig den hohen Anforderungen an Flexibilität, Mobilität geschuldet sind: „Paare leben von Bindung und Beständigkeit – das sind Tugenden, die heute als Hindernis gelten. Massiver Zeitdruck, ein hohes Lebenstempo, das Diktat einer optimierten Lebensführung, die allseits geforderte gute Performance setzen Paaren zu!“ Schönfeld ist daher überzeugt:

„Es würde sich lohnen, Ehe- und Lebensberatung zu einer Säule der Familienpolitik zu machen und den Ausbau der Beratungsstellen voranzutreiben!“ Eine Mischfinanzierung aus Kassenleistung, Landesmitteln und Landkreisen wäre dabei sicher möglich, wenn der politische Wille vorhanden wäre.

Die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und das Bistum Dresden-Meißen stellen finanzielle Mittel für die Arbeit der Ehe-, Familien- und Lebensberatung zur Verfügung.

Weitere Informationen: Diakonie Sachsen, Wilfried Jeutner, Tel.: 0351/8315-180

 
Es gibt viele Möglichkeiten sich freiwilligen zu engagieren!

Ab sofort auch refugees welcome!

Beratung für Menschen in Wohnungsnot
Projekt und Kurs „Demokratiestifter”

Projekt und Kurs zum "Demokratiestifter in Sachsen"

Arbeit finanzieren, statt Arbeitslosigkeit

Evangelische Online-Beratung