Diakonie Sachsen
In der Nächsten Nähe - Mein Beruf ist, Menschen Wärme entgegenzubringen.

21.01.2015 | Nicht sehen, nicht hören und dennoch selbstbestimmt leben

Erstmals in Sachsen: Diakonische Akademie bildet Assistenten für taubblinde Menschen aus

Leben und Kommunikation gehören untrennbar zusammen. Es ist ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen, sich mit anderen auszutauschen. Für hörsehbehinderte und taubblinde Menschen ist genau das aber ganz besonders schwer. 80 % ihrer Sinneswahrnehmung fällt aus und schließt Türen zum Leben. Diese Isolation zu durchbrechen, bedarf besonderer Anstrengung und besonderer Kommunikationssysteme wie Lormen, Blindenschrift, taktiler Gebärden usw. Trotz ihrer folgenschweren Behinderung können taubblinde Menschen aber weitgehend selbstbestimmt und selbstständig in ihrer eigenen Wohnung zurechtkommen - vorausgesetzt Betreuung und Assistenzdienste stimmen. Die Diakonische Akademie für Weiterbildung in Moritzburg startet daher jetzt einen Kurs, um erstmals in Sachsen Assistenten für taubblinde Menschen auszubilden. Die „Qualifizierung Taubblindenassistenz“ startet am kommenden Montag, 26. Januar 2015.

Die 15 Kursteilnehmer – drei von ihnen sind selbst gehörlos und bekommen die Kursinhalte in Gebärdensprache übersetzt - lernen in drei Modulen. Die Dozenten sind zum Teil selbst betroffen (taubblind/hörsehbehindert) und Menschen mit Behinderung (gehörlos/blind) – und sind so nahe an dem, worum es geht. Auf dem Stundenplan stehen Orientierungs- und Führungstechniken – wie weise ich beispielsweise auf Drehtüren, Ampeln oder Rolltreppe hin? Auch Kenntnisse in Lormen und taktilem Gebärden, grundlegendes Wissen von Recht und Medizin, das Bedienen technischer Hilfsmittel wie Mikroportanlagen usw. werden vermittelt.

Der Kurs dauert 9 Monate, beinhaltet zusätzlich noch Hospitationen und Praktika und nach erfolgreichem Abschluss der Prüfungen erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat.

Trotz ihrer schweren Behinderung haben taubblinde Menschen wenig Lobby. Taubblindheit ist erst seit zehn Jahren eine eigene, anerkannte Form der Behinderung und das Recht taubblinder Menschen auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kann nur durch eine behördlich bezahlte Assistenz sichergestellt werden. Die Frage der Finanzierung dieser Assistenzdienste ist allerdings noch offen. Doch nun ist es dank der Förderung der Landesdirektion des Freistaates Sachsen erstmals in Sachsen möglich, Taubblindenassistenten überhaupt erst einmal auszubilden. Die Diakonische Akademie für Fort- und Weiterbildung freut sich, dass sie diesen Kurs nicht nur erstmalig anbieten kann, sondern dies sogar in inklusiver Form tun kann.

Weitere Informationen: Diana Pawlik, Bildungsreferentin, Diakonische Akademie für Fort- und Weiterbildung e.V., Bahnhofstraße 9, 01468 Moritzburg, Telefon: 035207 / 84344.

 
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